In der Steiermark war vor allem der Bezirk Murtal betroffen. 20 Feuerwehren waren zwischen Obdach und Weißkirchen im Einsatz. Der Granitzenbach war an mehreren Stellen über die Ufer getreten. In Amering bei Obdach war ein Teil des Ortes überschwemmt.
In beiden Ortschaften wurde ebenso wie im benachbarten Obdach, Eppenstein und St. Anna in der Nacht zu Mittwoch Katastrophenalarm ausgelöst, erklärte Mario Maier von der Landeswarnzentrale Steiermark. Einige Gehöfte seien wegen Muren, weggerissener und unterspülter Straßen überhaupt nicht erreichbar, so Maier. Die Aufräumarbeiten hätten mit schweren Gerät die ganze Nacht über angedauert. "Das wahre Ausmaß der Schäden wird aber erst langsam ersichtlich."
Seitens des Bundesheeres wurde am Mittwochvormittag ein Erkundungsflug durchgeführt. Laut Kurt Kalcher, Leiter der Katastrophenschutzabteilung, wurde Assistenz angefordert, vor allem für die Sicherung und Errichtung von beschädigten bzw. weggerissenen Brücken.
"Das ist ein Jahrhundert-Unwetter"
Der Ameringer Bürgermeister Peter Bacher meinte im ORF Steiermark, es habe sich um ein "Jahrhundert-Unwetter" gehandelt. Eine Person habe sich gerade noch aus einer Garage in Sicherheit bringen können, ehe diese weggerissen worden sei. Der Ort Amering war zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten und konnte von den angeforderten Hilfskräften über die Bundesstraße nicht erreicht werden. Die B78, die Obdacher Straße, musste zwischen Weißkirchen und der Kärntner Landesgrenze wegen Überflutungen gesperrt werden.
In Bischoffeld wurden nach Angaben des Landesfeuerwehrkommandos zahlreiche Keller und ein Wirtschaftsgebäude überflutet. In Knittelfeld kam es in Zusammenhang mit dem Unwetter auf der S36, der Murtalschnellstraße, zu einem Verkehrsunfall, in St. Margarethen wurden ein Schwimmbad von den Schlammmassen sowie mehrere Keller überflutet.
Bei Obdach fuhr gegen 17 Uhr auf der nur für Güterverkehr genutzten Strecke Zeltweg - Wolfsberg ein Güterzug der ÖBB in eine Mure. Die beiden vorgespannten Loks durchquerten die Mure praktisch unbeschadet, mehrere Waggons sprangen aus den Schienen und kippten um (weitere Bilder). Verletzt wurde niemand, die Bergung erwies sich allerdings als besonders schwierig. Wegen des schweren Schadens am Oberbau und wegen Murenabgängen dürfte die nur für den Güterverkehr genutzte Strecke zwei Wochen gesperrt bleiben. Den Schaden bezifferte ÖBB-Sprecher Christoph Posch mit "in die hundertausende Euro gehend".
Ehepaar von Blitz getroffen
In Waisenegg im steirischen Bezirk Weiz wurden laut Polizei zwei Menschen auf einem Hochsitz mitten im Wald von einem Gewitter überrascht. Plötzlich schlug ein Blitz in den Hochstand ein. Die 49-jährige Frau verlor das Bewusstsein, ihr Mann konnte sie allerdings noch nach Hause tragen und die Rettung verständigen. Beide kamen mit leichten Verletzungen davon.
Laut Landeswarnzentrale waren binnen eineinhalb Stunden 177 Liter Niederschlag gemessen worden. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, in den Häusern zu bleiben. Die Einsatzkräfte waren mit dem Auspumpen von Kellern und der Beseitigung von Verklausungen beschäftigt. Auch in Graz und Umgebung haben Starkregen und Hagelschlag zu Schäden und kleinräumigen Überflutungen geführt. Knapp 60 Alarme gingen ein, umgestürzte Bäume waren zu entfernen und Tiefgaragen auszupumpen. Um Graz und im Süden und im Südwesten der Steiermark gab es teilweise bis zu vier Zentimeter große Hagelschloßen (weitere Bilder).
Nach Angaben der Österreichischen Hagelversicherung betragen allein die geschätzten Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen in der Steiermark rund 3,5 Millionen Euro.
150 Einsätze im Kärntner Lavanttal
Im Kärntner Lavanttal führten die Unwetter am Dienstagabend zu rund 150 Einsätzen der Feuerwehren. Nach heftigem Starkregen wurden vor allem Keller und Straßen in der Region geflutet. Orkanartiger Wind sowie heftige Gewitter ließen Bäche über die Ufer treten. Die Wassermassen überfluteten in den Gemeinden Wolfsberg, St. Andrä, Reichenfels und Bad St. Leonhard auch zahlreiche Keller. Auch Straßen waren in den Abendstunden nicht mehr passierbar, zahlreiche Bäume wurden umgeknickt.
Bei Frantschach/St. Gertraud gab es im Prössinggraben in der Nähe einer Wohnsiedlung zwei Erdrutsche. Häuser wurden dort aber nicht beschädigt. An die 300 Mann der umliegenden freiwilligen Feuerwehren standen während des heftigen Gewitters im Lavanttal im Einsatz.
Etliche Brände durch Blitzschlag
In Niederösterreich und dem Burgenland musste die Feuerwehr wegen mehrerer Brände infolge von Blitzschlägen ausrücken. Im Bezirk Baden kam es in einem Einfamilienhaus in Leobersdorf vermutlich nach einem Blitzschlag zu einem Dachstuhlbrand, wie die Sicherheitsdirektion Niederösterreich mitteilte. Zudem waren zahlreiche Keller von Überflutung bedroht.
Im Bezirk Neunkirchen meldete die Feuerwehr drei Brände. Der größte davon betraf ein Wohnhaus in Sankt Valentin, 65 Mann der Freiwilligen Feuerwehren konnten den Brand nach einem Blitzschlag rasch unter Kontrolle bringen. In Rohrbach stand das Erdgeschoß eines Wohnhauses im Vollbrand. Die über 80-jährige Hausbewohnerin konnte sich laut Feuerwehr in letzter Minute selbst aus dem Wohnhaus retten. Sie wurde mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Landeskrankenhaus Neunkrichen gebracht.
Auch im Burgenland kam es zu Bränden durch Blitzschläge: In St. Margarethen fing der Dachstuhl eines Hauses Feuer. Brandursache war "zu 99 Prozent" Blitzschlag, hieß es von der Polizei. Auch in Grodnau (Bezirk Oberwart) geriet ein Dachstuhl in Brand. Ein offenbar ebenfalls durch Blitzschlag ausgelöster Waldbrand sorgte zudem für einen weiteren Einsatz in Gerersdorf bei Güssing.
In Wien regnete es ebenfalls heftig, die Feuerwehr meldete aber bis in die frühen Morgenstunden keine Unwetter-Einsätze.
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