11.01.2012 21:35 |

Im Gerichtssaal

D: Angeklagter zieht Waffe und erschießt Staatsanwalt

Offenbar weil er eine Verurteilung wegen Unterschlagung nicht akzeptieren wollte, hat ein 54-jähriger Transportunternehmer in Deutschland einen 31-jährigen Staatsanwalt erschossen. An dem Gericht gab es keinerlei Sicherheitskontrollen. Besonders tragisch: Das junge Opfer hatte seinen Posten erst kürzlich angetreten.

Laut Bayerischem Rundfunk war es während der Urteilsverkündung zu einem lautstarken Wortwechsel des Angeklagten mit einer Anwältin gekommen, womöglich seiner eigenen Verteidigerin. Das Urteil - ein Jahr Haft auf Bewährung - konnte der Richter gar nicht mehr verkünden. Denn der Angeklagte, der aus Dachau stammt, zog eine Pistole und schoss um sich.

Zunächst soll er auf den 35-jährigen Richter gezielt haben, dieser wurde aber nicht getroffen. Danach richtete der Mann seine Pistole auf den Staatsanwalt und drückte mehrmals ab. Der aus München stammende Anklagevertreter wurde den Angaben zufolge dreimal in den Oberkörper getroffen. Ein Notarzt brachte den Staatsanwalt noch ins Krankenhaus. Dort erlag er aber während einer Operation seinen schweren Verletzungen. Laut Medienberichten hatte der Jurist seinen Posten erst vor wenigen Monaten angetreten. Weitere Menschen seien nicht verletzt worden. Zwei Zeugen, die im Gerichtssaal waren, konnten den Angreifer überwältigen.

44.000 Euro Sozialabgaben nicht abgeführt
Die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren wegen Mordes ein. Der Beschuldigte soll am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft stand der Todesschütze vor Gericht, weil er für die Angestellten seines Transportunternehmens absichtlich 44.000 Euro zu wenig an Beiträgen in die Krankenkasse und an die Rentenversicherung abgeführt haben soll.

Offenbar keinerlei Sicherheitskontrollen im Gericht
Die Pistole konnte der 54-Jährige ohne Weiteres ins Gericht mitbringen. Wie ein Sprecher des bayerischen Justizministeriums sagte, wurde der Mann vor der Verhandlung nicht kontrolliert. Der Ministeriumssprecher sagte, im Amtsgericht Dachau gebe es anders als in großen bayerischen Gerichten keine Durchleuchtung von Menschen, die das Gebäude betreten. In dem Gericht, wo sich die Bluttat ereignete, sei eine Kamera installiert, ein Wachtmeister habe Dienst gehabt. In dem Gebäude werde aber nur nach Anordnung im Einzelfall schärfer kontrolliert. Unklar ist noch, woher die Waffe stammt. Nach den Worten eines Polizeisprechers ist auf den Mann keine Pistole registriert.

Es ist nicht das erste Mal, dass es in einem bayerischen Gericht zu einer Bluttat kommt. Im Jahr 2009 erschoss in einem Erbstreit ein Mann seine Schwägerin und nahm sich das Leben. Danach ordnete Bayerns Justizministerin Beate Merk ein Sicherheitskonzept an, das zu verbesserten Kontrollen in den Gerichten führen sollte. Wie der Sprecher Merks sagte, wird dieses Konzept weiterhin nach und nach umgesetzt, allerdings zuerst an größeren Gerichten - das kleine Amtsgericht Dachau sei noch nicht an der Reihe gewesen.

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