Von einer Serie von Gewaltverbrechen wird die Steiermark aktuell gebeutelt. Mit einer Plakatkampagne will das Land die Bevölkerung nun sensibilisieren und die vielen bestehenden Hilfsangebote besser unter das Volk bringen.
Eine Serie an Gewaltverbrechen hat in der ersten Hälfte des heurigen Jahres unser Bundesland gebeutelt. „Die Steiermark ist aber keine besonders gewaltbereite Region. Es gibt keine Statistik, die das belegen würde“, sagt Michaela Gosch von den Frauenhäusern Steiermark. „Aber es gibt immer wieder Hotspots. Eine Erklärung haben wir nicht.“
Zahl der Betretungsverbote steigt
Eigentlich geht die Zahl der Gewaltverbrechen seit Jahren zurück. Im ersten Halbjahr 2023 sind aber auch Zunahmen zu verzeichnen - etwa bei Gewalt unter Kindern und Jugendlichen. Und auch die Zahl der Betretungs- und Annäherungsverbote, die ausgesprochen wurden, nimmt zu. Waren es 2020 noch rund 1100, so ist die Zahl im Jahr 2022 bereits auf 1500 gestiegen.
Jede Gewalttat ist ein moralischer und politischer Auftrag zum Handeln. Wir dürfen uns nicht damit abfinden, dass jede fünfte Frau davon betroffen ist. Gewaltschutz ist und bleibt daher eines meiner wichtigsten politischen Anliegen. Gewalt ist niemals Privatsache, sie geht uns alle an.
Soziallandesrätin Doris Kampus (SPÖ)
„Wir gehen davon aus, dass das damit zusammenhängt, dass sich mehr Opfer melden“, sagt Christian Scambor von der Männerberatung Steiermark. Das wäre positiv, denn: „Jeder Täter muss verpflichtend zu einer Beratung und kann sich so vielleicht auch ändern“, sagt Scambor. Das ist vor allem mit Blick auf eine andere Zahl wichtig: „40 Prozent der Frauen, die wir begleiten, kehren zum Täter zurück“, sagt Gosch.
Neu Kampagne soll ermutigen, Hilfe zu holen
Doch so gut das Hilfsangebot in der Steiermark auch ist, es gibt weiter Problemfelder: „Frauen bleiben immer noch zu lange in Gewaltbeziehungen, weil sie keinen Ausweg sehen“, sagt Gosch. Aus diesem Grund startet das Land Steiermark eine Kampagne: „Schlampe ist kein Kosename“ steht da etwa auf einem Plakat und man sieht ein Frauengesicht mit blauen Flecken.
„Leider müssen wir die Gewalt zeigen, um sie zu verhindern“, erklärt Gosch. In 40 Gemeinden wird die Kampagne in den kommenden Tagen ausgerollt - und soll Opfer und auch Täter dazu ermutigen, sich Hilfe zu holen.
Gewalt kennt viele Gesichter. Die Opfer: meist Frauen, ohnmächtig aus einer Konflikt-Beziehung zu entkommen. Ein erster Schritt zu Gewaltprävention ist die nötige Sensibilität in der Gesellschaft wach zu halten für das Thema, um Frauen - als auch die Männer - aus ihrer Ohnmacht zu befreien.
Frauenlandesrätin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP)
Aber auch Zeugen von Gewalt und Missbrauch sollen dazu ermutigt werden, sich zu melden: „Das Motto ist: Lieber einmal zu früh anrufen, als einmal zu spät“, sagt Gosch. Scambor ergänzt: „Jeder, der Angst hat, als Vernaderer zu gelten, weil er bei einer Hotline oder der Polizei anruft, muss seinen Blickwinkel ändern. Die Chance ist größer, dass man zum Retter wird.“








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