Ein Lokalaugenschein

Letzten Jahre des ewigen Eises sind angebrochen

Chronik
28.06.2023 13:00

Es sind noch Tausende Menschen, die ihn sehen werden, doch die letzten Jahre des Hallstätter Gletschers sind angebrochen. Ein Lokalaugenschein führte auf den Dachstein, wo seit 17 Jahren gemessen wird und wo es nur einmal einen Mini-Vorstoß des einst ewigen Eises gab.

„Im Jahr 2040 wird vom Gletscher nicht mehr viel mehr als ein paar Flächen Resteis übrig sein. In 80 Jahren ist auch das weg“, mit Realismus und wenig Optimismus schaut Meteorologe und Glaziologe Klaus Reingruber von „Blue Sky“, der mit seinem Team und der Uni Innsbruck seit 17 Jahren den Hallstätter Gletscher vermisst, in die Zukunft. Denn ein Gletscher definiert sich als sich bewegender Eiskörper. Und der kennt seit Jahren nur eine Bewegung: zurück. Nur im Jahr 1981 gab es noch einmal Wachstum - um einen Meter. Doch das ist längst vorbei.

Die „Krone“ begleitete den Messtrupp und Umweltlanderat Stefan Kaineder (Grüne) mit auf das Dach Oberösterreichs, wo der Wirt der Simonyhütte, der seit dem Jahr 2010 die Schutzhütte betreibt: „Es ist erschreckend, wie schnell es geht“, sagt der Hüttenwirt, der im wahrsten Sinnen zusehen kann, wie ihm eine Attraktion vor der Haustür davonrinnt. 

Meteorologe und Glaziologe Klaus Reingruber beim Simonystein. Dieser wurde vom Geographen, Alpinisten und Forscher Friedrich Simony im Jahr 1883 an der Gletscherzunge gesetzt - jetzt ist diese weit im Hintegrund zu erkennen (Bild: Markus Schuetz)
Meteorologe und Glaziologe Klaus Reingruber beim Simonystein. Dieser wurde vom Geographen, Alpinisten und Forscher Friedrich Simony im Jahr 1883 an der Gletscherzunge gesetzt - jetzt ist diese weit im Hintegrund zu erkennen

Im Vorjahr war es besonders schlimm: Die Mittelzunge ging um rund 25 Meter zurück, der Eispanzer schmilzt auch in der Höhe. „Zuerst geht die Höhe zurück, dann zieht er sich in der Länge zurück“, erklärt Reingruber. Im Vorjahr kamen mehrere Faktoren - frühe Hitze, Niederschlag, Saharastaub, etc. - zusammen und nahmen dem Gletscher nicht nur den Schnee und damit die Schutzschicht der aktuellen Saison, sondern fraßen auch die Rücklagen von bis zu fünf Jahren weg. 

„Der Gletscher ist das Fieberthermometer Oberösterreichs. Die Folgen des Klimawandels sind sehr rasch sichtbar“, sagt Umweltlanderat Stefan Kaineder, der auch regelmäßig den Gletscher mit dem Messteam besucht. Das Land OÖ und die Energie AG finanzieren die inzwischen 17 Jahre lange Messreihe. Aus diesen Daten konnten Berechnungen für die Zukunft und Animationen der Vergangenheit erstellt werden. Diese finden sich etwa in der App „Apptauen“ und auch auf der Homepage der Forscher

Schülerinnen und Schüler beim Gletscher
Bei der heurigen Expedition aufs Dach Oberösterreichs waren auch 21 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Enns dabei. Sie hatten sich zum fast dreistündigen Aufstieg gemeldet, begleitet von zwei Lehrerinnen und einem Lehrer. Und sie gehören zur letzten Generation, die einen Blick auf den Gletscher erhaschen kann. Ihre Erlebnisse und Eindrücke lesen Sie morgen in ihrer gedruckten „Krone“ und auch auf krone.at

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