Beim „Krone“-Lokalaugenschein in einer Essensausgabe sprach Caritas-Präsident Michael Landau über die Armut im Land, Teuerungs-Wut und „dass manchmal auch etwas weniger mehr ist“.
Das Bild ist bedrückend und stimmt nachdenklich: Eine lange Warteschlange von Frauen und Männern jedes Alters steht an einer der Essensausgabestellen von LeO in Wien an. Es gibt Obst, Gemüse und auch Hygieneartikel. An diesem Tag suchen weit mehr als 100 um Hilfe an. Und es werden stetig mehr.
Auch der Caritas-Präsident verschafft sich beim „Krone“-Gespräch vor Ort einen Eindruck von der Lage. „In der Corona-Krise war die Devise bei den Unternehmen: ,Koste es, was es wolle.‘ Jetzt brauchen wir auch einen Schutzschirm für die Menschen“, so Michael Landau. Zudem brauche man auch Zusammenhalt und Zuversicht im Land, die Bereitschaft, zusammenzustehen und nach Kräften einen Beitrag zu leisten. Landau: „Da denke ich, kann sich jeder auch die Frage stellen, was ist das, was ich selber dazu beitragen kann? Das ist etwa die Bereitschaft zu teilen, da kann einem auch der berühmte Satz von J. F. Kennedy einfallen: ,Frag nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern frage, was du für dein Land tun kannst.‘“
In der Corona-Krise war die Devise bei den Unternehmen: „Koste es, was es wolle." Jetzt brauchen wir auch einen Schutzschirm für die Menschen.
Caritas-Präsident Michael Landau
Besonders bewegen den Caritas-Präsident die Schicksale von Mindestpensionisten. „Da geht es darum, ob er oder sie heizen kann oder frieren muss, um sich etwas zu essen leisten zu können. Es muss möglich sein, dass Menschen, zumeist geht’s hier um Frauen, die für unser Land viel getan haben und es zum Teil mit aufgebaut haben, nicht in drückender Armut, sondern in Würde ihren Lebensabend verbringen können.“
In diesem Zusammenhang sei deshalb eine substanzielle Erhöhung des Ausgleichzulagenrichtsatzes unerlässlich. „Mit Alters- und Kinderarmut dürfen wir uns nicht abfinden!“ Landau verweist auch auf die „Krone“-Aktion von Ombudsfrau Barbara Stöckl gemeinsam mit der Hilfsorganisation, den Klimabonus an Menschen in Not zu spenden.
56 Caritas Sozialberatungsstellen gibt es österreichweit. Allein in Wien haben seit Jänner um 56 Prozent mehr Menschen um Hilfe angefragt.
Die Schlangen werden länger und länger bei den Lebensmittel-Ausgabestellen. Heuer werden wohl mehr als 1000 Tonnen an Bedürftige verteilt werden.
In den Chor der Kritiker an den Anti-Teuerungsmaßnahmen der türkis-grünen Koalition will der Caritas-Präsident indes übrigens nicht voll einstimmen: „Die Bundesregierung hat ja auch schon einige wichtige Entlastungsmaßnahmen gesetzt, das sollten wir auch anerkennen.“ Aber nun sei wichtig, weg von der Gießkannen-Methode zu kommen. „Wer zielgerichtet hilft, kann länger helfen.“
Gleichzeitig werde man auch mit der Erfahrung klarkommen müssen, die viele noch nicht gemacht hätten, „dass nicht alles gleich geht, dass es auch ein Stück weiter Verzicht braucht oder das manchmal auch etwas weniger mehr ist ...“










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