Im EU-Vergleich haben die Österreicher bedenklich wenige gesunde Lebensjahre - bescheidene 57,5 sind es im Schnitt. Ein Tiroler Projekt will das ändern und sucht Teilnehmer, die unter fachkundiger Begleitung die Wirkung von Vorsorgeprogrammen am eigenen Leib spüren möchten.
Hauptsache gesund! Oft gehört und oft gesagt. Der Wunsch bleibt jedoch weit hinter der Realität zurück. Obwohl die Lebenserwartung in Österreich jenseits der 80 Jahre liegt, sind wir im Schnitt nur 57,5 Jahre gesund. Ein schlechter Wert im Vergleich zu anderen Nationen. Als Spitzenreiter bringen es die Schweden auf 73,3 gesunde Jahre, im EU-Durchschnitt sind es immerhin 64,6 Jahre.
Das Ziel sind mehr gesunde Lebensjahre. Das hat man zu einem guten Teil selbst in der Hand.
Professor Martin Widschwendter
Die Zahlen hatte Professor Martin Widschwendter bei einem Pressetermin in Hall im Gepäck. Der Mediziner ist spezialisiert auf Gesundheitsprävention und leitet ein neues Tiroler Projekt, das nun in die Pilotphase startet. „Das Ziel sind mehr gesunde Lebensjahre. Das hat man zu einem guten Teil selbst in der Hand“, erklärt Widschwendter und präsentiert gleich noch einige Daten: Gesundheit ist demnach zu 40 Prozent individuell durch Ernährung, Bewegung und andere Verhaltensweisen positiv beeinflussbar. 30 Prozent sind gesellschaftliche Faktoren wie medizinische Versorgung. Der Rest von 30 Prozent wird durch Gene bestimmt.
800 Personen können an Pilotprojekt teilnehmen
Auf die 40 Prozent Eigenverantwortung hat es das Projekt abgesehen. Bevor es 2025 auf ganz Tirol ausgerollt werden soll, wird in der Pilotphase die Methode in einem Kreis von 800 Personen erprobt. Zwei Zielgruppen stehen im Fokus: Raucher mit dem Wunsch, aufzuhören und gesunde Nichtraucher, die mehr für ihre Gesundheit tun wollen. „Wir möchten vor allem jene ansprechen, die bisher noch nicht viel Vorsorge betrieben haben“, konkretisiert Widschwendter.
„Vorsorge muss mehr Bedeutung bekommen“
Die Teilnehmer erhalten ein Gesundheitsprogramm mit Maßnahmen wie Intervallfasten und Bewegung. Gleichzeitig wird gemessen, wie viel das bringt. Dass es etwas bringt, ist durch viele Studien belegt. Darauf weist Gesundheits-LR Annette Leja (ÖVP) hin: „Wir müssen der Vorsorge in Zukunft mehr Bedeutung beimessen.“ Derzeit sei das Gesundheitssystem in erster Linie auf Krankheitsbekämpfung ausgerichtet.
Tirol soll Modellregion für ein gesundes Leben werden.
Josef Margreiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding
Das zu ändern, sei nicht zuletzt wegen der explodierenden Kosten ein Gebot der Stunde, betont Josef Margreiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding. Die Holding ist Auftraggeber des Projekts. Sie wurde gegründet, um Tirol nachhaltiger zu machen und ist bisher vor allem durch Wirtschaftsinitiativen aufgefallen. Für Margreiter passt Gesundheit aber voll ins Programm: „Tirol soll Modellregion für ein gesundes Leben werden.“
Hausärzte spielen eine Schlüsselrolle in der Vermittlung
In der Umsetzung sollen die Hausärzte eine zentrale Rolle spielen. „Sie sind nah bei den Menschen und genießen großes Vertrauen“, fasst Susanne Zitterl-Mair, selbst Ärztin in Thaur, die Vorteile zusammen. Als Praktikerin sieht sie mit der neuen Initiative eine Lücke geschlossen: „Damit können wir Menschen unterstützen, selbst etwas für sich zu tun.“
Alle Informationen und Bewerbung für die Teilnahme unter: www.eutops.at unter SUN & LIFE Tirol









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