„Krone“-Autor Harald Petermichl dreht es diese Woche in seiner Kolumne „Ach, übrigens...“ ordentlich. Schuld daran, ist das heftig beschleunigte Trainer-Karussell, das sowohl in England als auch in Deutschland in der vergangenen Woche ordentlich Fahrt aufgenommen hat.
Einer gängigen Definition zufolge handelt es sich bei einem Karussell, in Österreich auch Ringelspiel und in der immer für eine aparte Formulierung guten Schweiz, Rösslispil oder Rössliritti genannt, um „ein Gestell, das um eine vertikale Achse drehbar ist, durch das Personen auf Sitzen verschiedener Art im Kreis gedreht werden“. Da ist es nur logisch, dass sich für das pünktlich nach der Sommerpause beginnende Übungsleitergewechsel der Begriff Trainerkarussell eingebürgert hat. In Gang gesetzt wird es, weil die für sportliche Belange engagierten gutverdienenden jungen Herren „auf‘m Platz“, wo es, wie schon Adi Preißler wusste, „entscheidend is‘“, vorwiegend Unsinn fabrizieren und so ihre Clubs dazu zwingen, einen möglichst unpeinlichen Zeitpunkt für die Änderung der Pressemitteilungen vom hundertprozentigen Coach-Bekenntnis zum herzlichen Dank für die geleistete Arbeit zu finden.
Das Boehly-Opfer
So geschehen in den letzten Tagen, als sich ausgerechnet wegen ein paar völlig überflüssiger Gruppenspiele in einem grotesk aufgeblähten europäischen Bewerb der ein oder andere nicht ganz unbekannte Vertreter seines Standes bei der zuständigen Arbeitsvermittlungsbehörde melden musste. Thomas Tuchel ist beispielsweise Opfer des FC Chelsea-Konsortiums um Multimilliardär Todd Boehly geworden, weil sein Team gegen den Messepokalsieger von 1967 aus dem Zagreber Stadtbezirk Maksimir die fest eingeplanten drei Punkte nicht geholt hat und mit der Entlassung von Domenico Tedesco beim Club des flügelverleihenden Rasenballs in Leibzsch wurde dann der Hauptschalter für das Trainerkarussell endgültig auf höchste Drehzahl gestellt. Zufällig saß Marco Rose eh noch drauf und konnte so am Zusammenfluss von Weißer Elster, Pleiße und Parthe direkt absteigen (Oje…), um in seiner Geburtsstadt „einiges umzukrempeln“.
Der konstante Streich
Dieses Fahrgeschäft wird sich in den nächsten Wochen erfahrungsgemäß noch schneller drehen, außer wahrscheinlich im Breisgau, wo dieses ganze Gewese einen sympathischen Sportclub nicht weiter anficht. Dort ist Christian Streich erst der vierte Übungsleiter seit Juli 1991 und das Wort Karussell benutzt man an der Dreisam im Zusammenhang mit Fußball wohl nur, weil die aus den Federn von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II stammende Ikone aller Fußballhymnen „You‘ll never walk alone“ dem Musical „Carousel“ entspringt. Tief in Österreich-Ungarn verwurzelt übrigens, da Ferenc Neumann, besser bekannt als Ferenc resp. Franz Molnár, mit seinem Bühnenstück „Liliom" die Vorlage dazu geschaffen hat.









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