Streit um Wagner-Oper

„Führer“: Bayreuth holt braune Vergangenheit ein

Ausland
07.09.2022 15:41

Bei den Bayreuther Festspielen ist ein Streit um das Wort „Führer“ entbrannt. Geschäftsführerin Katharina Wagner bat um die Streichung des Wortes aus der Richard-Wagner-Oper „Lohengrin“. Dirigent Christian Thielemann (63) kritisierte diesen Wunsch vehement. 

Zur Erklärung: Bayreuth verbindet eine unrühliche Geschichte mit dem Dritten Reich. Adolf Hitler entspannte dort privat und hing seinen Künstlerträumen nach. Zudem war er jahrelang Gast bei den Bayreuther Festspielen, der Weihestätte schlechthin für Opern von Richard Wagner.

Hitler-Wagner-Allianz
Der Diktator verehrte den Künstler und pflegte mit seinen Erben intensiven Kontakt. Schon in den 1920er-Jahren waren die Wagners so etwas wie eine Ersatzfamilie für ihn. Der Nationalsozialismus und die Wagners - das war damals eine unheilige Allianz.

„Schützer“ statt „Führer“
Doch die Zeiten haben sich mittlerwiele geändert. Katharina Wagner, künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Bayreuther Festspiele, will von der braunen Vergangenheit ihrer Familie nichts mehr wissen. Sie hatte den Tenor Klaus Florian Vogt, der die Titelrolle in der Oper „Lohengrin“ sang, nach der Generalprobe in diesem Jahr gebeten, das Wort „Führer“ zum Ende der Richard-Wagner-Oper über den Schwanenritter durch „Schützer“ zu ersetzen. „Es ist ein gängiges Substitut“, sagte Wagner der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

„Sehr viele Häuser benutzen das Wort ,Schützer‘ und gerade wir in Bayreuth sollten da besonders sensibel sein, weil wir einen besonderen politischen Hintergrund und damit auch eine besondere Verantwortung haben.“ 

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Gerade wir in Bayreuth sollten da besonders sensibel sein, weil wir einen besonderen politischen Hintergrund und damit auch eine besondere Verantwortung haben.

Katharina Wagner

„Führer“-Skandal
Dirigent Christian Thielemann geht das Streichen aber trotzdem zu weit. Er sieht auch andere Werke der Opernliteratur in Gefahr: „Dann darf man auch ,Tosca‘ nicht mehr spielen, mit der versuchten Vergewaltigung, dem Mord und so weiter“, sagte er der „Welt“.

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Dann darf man auch ,Tosca‘ nicht mehr spielen, mit der versuchten Vergewaltigung, dem Mord und so weiter.

Dirigent Christian Thielemann

Und fügte hinzu: „Wenn ich sehe, mit welcher Akribie das durchgezogen wird, würde ich von konservativer Politik schon erwarten, dass sie sagt: Jetzt kümmern wir uns erst einmal darum, dass das Land vernünftig funktioniert, bevor wir darüber nachdenken, welche Werke der Weltliteratur man umschreiben könnte.“

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