Mangel an Personal schafft in steirischen Pflegeheimen Probleme. Wie groß die Herausforderung ist, zeigen 2300 Betten, die in unserem Bundesland leerstehen. Von den Auswirkungen bleiben auch Spitäler nicht verschont.
Die Nachricht traf die Familie aus heiterem Himmel. Bei einem Stiegensturz hatte sich die Mutter den Oberschenkelhals gebrochen und brauchte nach dem operativen Eingriff einen Platz im Pflegeheim. Schon während des verlängerten Spitalsaufenthalts begann sich ihr berufstätiger Sohn um ihre weitere Versorgung zu kümmern, denn in die eigenen vier Wände konnte die 83-Jährige nicht mehr zurück. Mit dem Gipsfuß war das Schlafzimmer im ersten Stock nicht zu erreichen und Hilfe rund um die Uhr einfach dringend notwendig.
Erst nach schweißtreibenden Umwegen und einer persönlichen Vorstellung in einem Grazer Pflegeheim hatte er endlich Glück. Mit so einer Anstrengung um einen Platz habe der Mann niemals gerechnet. Dabei sei die Lage ernst und er völlig am Verzweifeln gewesen.
Dass die Situation in den Pflegeheimen eine herausfordernde ist, bestätigt die Volkshilfe: Von 1506 Plätzen könne man derzeit rund 45 nicht belegen. Grund dafür sei fehlendes Personal in allen Aufgabenbereichen.
„Natürlich hat das auch Auswirkungen auf die Belegung der Krankenhäuser“, bestätigt Geschäftsführerin Brigitte Schafarik. Patienten würden länger im Spital bleiben, bis sie in ein Pflegeheim kommen. Dort wird bestmöglich versucht, für jedes Problem eine individuelle Lösung zu finden. „Die Volkshilfe hat in den letzten zehn Jahren viel Geld in Pflegestiftungsmodelle investiert. Das hat uns bis jetzt vor Schlimmerem bewahrt.“
Häuser zu 100 Prozent ausgelastet
Trotz Pandemie konnte die Volkshilfe den Personalstand zwar ausbauen, das bedeute aber nicht, dass es keine Probleme gibt. „Gerade in Regionen wie Leoben oder Graz Umgebung Süd ist es aktuell schwierig, Stellen zu besetzen, während die Nachfrage nach Pflegeleistungen steigt“, sagt Schafarik.Heime suchen dringend nach Mitarbeitern Die Suche nach neuen Mitarbeitern ist in den Pflegewohnhäusern der Caritas bekannt. Weil Pflegekräfte fehlen und einige Krankenstände zu verzeichnen sind, ist es derzeit nicht möglich, alle Betten zu belegen. „Das ist meistens aber nur temporär“, so Caritasdirektorin Nora Tödtling-Musenbichler. In allen 17 Pflegewohnhäusern sei die Nachfrage groß und die Warteliste für einen der insgesamt 826 Betreuungsplätzen lang. „Unsere Häuser sind fast immer zu 100 Prozent ausgelastet.“
Um die 200 freien Betten im Sozialhilfeverband Bruck-Mürzzuschlag nachbelegen zu können, würde es laut Obmann Peter Koch 90 Pflegepersonen mehr brauchen. „Zur Abfederung der angespannten Situation sollte der Gesetzgeber kurzfristige Unterschreitungen einzelner Qualifikationen bei einer Überschreitung anderer ermöglichen“, schlägt der Brucker Bürgermeister vor. Dass die Mitarbeiter Heroisches leisten , sieht nicht nur er so. „Viele Forderungen scheinen nun im Pflegepaket der Bundesregierung Realität zu werden“, sagt Schafarik. Es würde nur noch am Tempo für die Umsetzung fehlen.
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