Friseur frustriert

46 Bewerber: Keiner kam zum Vorstellungsgespräch

Steiermark
18.07.2022 09:57

Die Suche nach einer Arbeitskraft wurde für den Grazer Friseur Ralph Thornbird zu einem monatelangen Spießrutenlauf. 46 Bewerber hat er in den vergangenen zehn Monaten zu einem Vorstellungsgespräch geladen, gekommen ist kein einziger. Das ist bei Weitem kein Einzelfall.

Die Suche nach Arbeitskräften wird zu einem echten Marathon in der Steiermark. Davon kann der Friseur Ralph Thornbird, der in der Grazer Sporgasse einen Salon betreibt, ein Lied singen: „Ich bin eigentlich ständig auf der Suche und arbeite derzeit für drei, damit ich das Geschäft am Laufen halte“, schildert er.

Mangelnde Arbeitsmoral
Konkret sucht er seit Oktober 2021 nach einer 40-Stunden-Kraft. „Ich bezahle nach Kollektivvertrag.“ Bei einer vollen Anstellung sind das (je nach Berufsjahren) zwischen 1605 und 1810 Euro brutto im Monat. „Ab einem gewissen Umsatz zahle ich auch Provisionen aus. Das machen nicht alle Friseure“, erklärt er weiters.

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Der Großteil fand es nicht einmal der Mühe wert, vorher abzusagen.

Ralph Thornbird

Doch die Suche gestaltete sich bisher mehr als frustrierend: „Ich habe seit Oktober insgesamt 46 Vorstellungsgespräche vereinbart. Aber kein einziger Kandidat ist zu dem Termin überhaupt erschienen, der Großteil fand es nicht einmal der Mühe wert, vorher abzusagen“, ist Thornbird frustriert über die mangelnde Arbeitsmoral.

(Bild: dpa/Bernd Weißbrod)

Beim Großteil der arbeitsunwilligen Bewerber muss Thornbird diesen Mangel an Respekt einfach hinnehmen. Nur wenn sie über das AMS vermittelt wurden, kann er das Verhalten auch rückmelden, was dann auch Folgen hat: „Wenn ein Kunde oder eine Kundin sich weigert, eine vom AMS zugewiesene zumutbare Beschäftigung anzunehmen oder die Annahme einer solchen Beschäftigung vereitelt, verliert er oder sie für sechs Wochen, im Wiederholungsfall für acht Wochen, den Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe“, heißt es dazu vom AMS.

Kurze Erleichterung nach monatelanger Suche
Kurz nachdem die „Krone“ Ralph Thornbird zum Gespräch getroffen hat, kommt die gute Nachricht: Eine 30-Stunden-Kraft - sie hatte sich initiativ beworben und war auch tatsächlich zum vereinbarten Bewerbungsgespräch gekommen - sagt zu und wird im August beginnen.

„Das nimmt nach zehn Monaten endlich ein wenig Druck aus der Situation“, sagt er. Vorerst zumindest, denn im Herbst geht eine Mitarbeiterin in Karenz: „Dann beginnt das Spiel für mich wieder von vorne.“

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