06.07.2022 11:00 |

Steiermark History

Murtal war schon immer die Wiege des Motorsports

Rund um die Geschichte des Rennsports im Aichfeld gibt es ein buntes Potpourri an Kuriositäten: So begeisterte etwa ein „Schneckenrennen“ für Motorradfahrer die Zuseher.

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Schon lange bevor die ersten Formel-1-Boliden ihre Runden in Spielberg drehten, grassierte das Rennfieber im obersteirischen Aichfeld. Die Straßen zwischen Judenburg und Knittelfeld waren schon vor mehr als hundert Jahren heiße Pflaster für sportliche Wettkämpfe - und einige davon würden heute wohl unter die Kategorie „kurios-skurill“ fallen

Ein vom Pferdesport inspirierter Verfolgungswettbewerb war die „Fuchsjagd“ auf zwei Rädern. Der Knittelfelder Radlerverein Edelweiß gab 1924 erstmalig in der Obersteiermark den Startschuss dafür: Vorweg startete ein Radfahrer als „Fuchs“, auf den mit einigen Minuten Abstand dann die „Meute“ gehetzt wurde. Mit dem Aufkommen der Motorräder wurde auch der illustre Verein „geboostert“ - und mutierte zum flotten Rad- und Motorsportklub Edelweiß Knittelfeld.

Knittelfelder Distriktsarzt narrte seine Verfolger
Ergo wurde auch die „Fuchsjagd“ im Mai 1926 motorisiert. Der Knittelfelder Distriktsarzt Hans Trausner spielte den schlauen Fuchs. Er gab Gas und brauste von Pausendorf gegen Flatschach, dann weiter über Zeltweg nach Judenburg. Kurz vor Pöls „witterten“ die Verfolger seine Fährte und schnappten den Doktor auf einem holprigen Feldweg. Einen Monat später begleitete Trausner übrigens ein in Knittelfeld gestartetes Fünfzig-Kilometer-Motorradrennen per Auto.

„Ein anderer Wettbewerb des findigen Knittelfelder Edelweiß-Vereines war das Langsamwettfahren - und zwar über die Mini-Distanz von einem Kilometer. Die 1912 offiziell teilnehmenden zwanzig Radfahrer starteten im Minutenabstand“, berichtet der Grazer Historiker Norbert Weiss.

Sieger wurde der Fahrradhändler Josef Grasser aus St. Margarethen mit 38 Minuten und 15 Sekunden, Zweiter der Postamtsdiener Karl Palier mit immerhin noch 37 Minuten und 25 Sekunden. „Pech hatte dabei der Lehramtsstudent Götz Krautinger aus Marburg, der nach unglaublichen 44 Minuten Fahrzeit nur zwei Meter vor dem Ziel von einem Hund vom Rad gestoßen wurde“, schmunzelt Weiss. Sieger war, wer im Schnecktentempo fuhr Das erste Langsamrennen - diesmal für Motorräder - fand 1926 auf derselben Strecke statt. Die Ankündigung verlautete: „Im Vergleich zur üblichen Raserei der Motorräder dürfte es nicht so uninteressant zu sehen sein, welcher Fahrer das langsamste Schneckentempo einhalten kann.“

Anno dazumal gab man in Fußballstadien Gas
Wo fieberten die Motorsportfans sonst noch mit? „Damaliger Standard für Motorradrennen waren die ovalen Sand- oder Schlackenbahnen in Trabrenn- oder Fußballstadien, für die Automobile waren Straßenrennen en vogue“, erklärt Weiss. Erst nach einem fürchterlichen Unfall beim Autorennen in Le Mans am 11. Juni 1955, der bislang schwersten Motorsportkatastrophe mit 84 Toten, habe ein neues Sicherheitsdenken eingesetzt. „Der Österreichische Automobilsportclub organisierte 1957 ein erstes internationales Autorennen auf einem Flugplatz, und zwar in Wien-Aspern. Permanente Rennstrecken gab es damals in Österreich noch nicht.“

Bald folgten auch in der Steiermark Flugplatzrennen, die auf dem Fliegerhorst Hinterstoisser in Zeltweg ausgetragen wurden. Zwischen 1957 und 1968 zählte man elf internationale Flugplatzrennen. Highlight darunter: das erste österreichische Formel-1-Rennen mit WM-Status im Jahr 1964. Einer der Stars im Cockpit: Jochen Rindt.

1969 startete dann der Siegeszug des Österreichrings - in diesem Jahr brausten in Spielberg die ersten Autos über den Asphalt!

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