16.07.2011 14:23 |

Letzte Ehre in Wien

Otto Habsburg in der Kaiserkapelle aufgebahrt

Abschied von Otto Habsburg, dem letzten Kaisersohn Österreichs, in Wien: Die sterblichen Überreste des mit 98 Jahren Verstorbenen und seiner im Vorjahr verschiedenen Gemahlin Regina sind am Donnerstag und Freitag in der Kaiserkapelle der Kapuzinerkirche aufgebahrt worden. An den Aufbahrungstagen wurde von 6 Uhr bis 24 Uhr eine Totenwache gehalten. Zusätzlich wurden alle Orden und Auszeichnungen des Verstorbenen ausgestellt.
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Bereits am Donnerstagvormittag nutzten mehrere Hundert Personen die Gelegenheit, sich ins Kondolenzbuch des Habsburgers und ehemaligen Europapolitikers einzuschreiben. Er fühle sich mit dem Hause Habsburg verbunden, sagte etwa ein älterer Herr, der an der Totenwache teilnahm. "Die Familie hat sehr viel für Österreich getan." Mit dem Tod von Otto Habsburg biete sich für die Republik Österreich die Möglichkeit, einen Schlussstrich unter die "Ausweisung" der Habsburger bis zum Jahr 1961 zu ziehen.

"Haben die Mehrparteien-Diktatur satt"
Ein Teil der förmlichen Ehrenwache an den Särgen wurde in historischen Uniformen der k.u.k.-Monarchie bestritten. Er empfinde die Teilnahme an der Totenwache als eine große Ehre, wie es "für jeden Österreicher eine Ehre sein sollte, von Otto von Habsburg Abschied" zu nehmen, sagte ein Mann mittleren Alters, der uniformiert an der Ehrenwache teilnahm. Er wünsche sich die Monarchie zurück, so der Wiener. "Die Österreicher haben die Mehrparteien-Diktatur satt."

Für andere Besucher stand eher eine persönliche Verbundenheit mit dem Verstorbenen im Vordergrund. "Otto war ein netter Mann, soweit wir das wissen", sagte eine Pensionistin aus dem oberösterreichischen Gmunden. Sie sei mit ihrem Ehemann gerade auf Urlaub in Wien und hätte die Gelegenheit zum Besuch genutzt. "Das kann man sich nicht entgehen lassen", sagte die Frau. Dem pflichtete auch eine pensionierte Lehrerin aus Wien bei. "Ich habe mich schon immer für die Monarchie interessiert", sagte die Pensionistin, darum habe sie die Aufbahrung sehen wollen. Sie hänge den "alten Gebräuchen und der alten Zeit" nach.

Am Nachmittag würdigten ein jüdischer, ein christlicher und ein muslimischer Geistlicher gemeinsam an den Särgen die Verstorbenen mit Totengebeten. Der Großmufti von Sarajevo, Mustafa Ceric, ein persönlicher Freund Habsburgs, verlas ein Gebet, das sein Amtsvorgänger vor 100 Jahren für Kaiser Franz Joseph gesprochen hatte. Der frühere Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Steven Langnas, sang wie bereits bei der Trauerfeier in München einen Kaddish. Weihbischof Stephan Turnovszky bestritt den christlichen Part der Trauerstunde.

Zu der berührenden interreligiösen Trauerfeier hatten sich zahlreiche Mitglieder der Familie Habsburg versammelt, unter ihnen Ottos Söhne Karl und Georg mit Kindern, Tochter Walburga Habsburg-Douglas und viele andere. Als "Hausherr" der Kapuziner begrüßte Pater Karl Martin Gort die Trauergemeinde und gab seiner großen Freude Ausdruck, "dass sich verschiedene Religionsgemeinschaften zusammengefunden haben, um ihre Zusammengehörigkeit zu demonstrieren".

Ausstellung der Habsburg-Orden am Freitag
Am Freitag wurde dann eine Auswahl der Orden von Otto und Regina Habsburg in der Kapuzinerkirche ausgestellt: Dynastische, staatliche, nichtstaatliche Orden und Auszeichnungen waren zu sehen. Im Zentrum standen für den verstorbenen Kaisersohn die Collane des Ordens vom Goldenen Vlies, dessen Souverän er bis zum 30. November 2000 war, und für Regina Habsburg der Sternkreuzorden, dessen Oberste Schutzfrau sie war, wie Habsburgs Sprecherin Eva Demmerle in einer Aussendung mitteilte.

Außerdem war auch das Großkreuz der Französischen Ehrenlegion zu sehen, welches Habsburg erst vergangene Woche posthum verliehen wurde, sowie der Bayerische Verdienstorden und das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, die den politischen Einsatz in Deutschland und Europa würdigen. Darüber hinaus wurden Orden aus Estland, Kosovo, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Marokko, Pakistan, Simbabwe, San Marino, Spanien, Südtirol und Ungarn ausgestellt, sowie das Ehren-und Devotionskreuz des Malteserritterordens.

Nach Mariazell nimmt Wien Abschied
Die Särge waren am Mittwochabend nach dem Requiem in Mariazell (siehe Infobox) nach Wien transportiert worden. Gegen 20 Uhr trafen die sterblichen Überreste in der Bundeshauptstadt ein. Die beiden Sargwägen hielten vor der Kapuzinerkirche am Neuen Markt. Auf den Stufen des Kirchenportals warteten fünf Kapuzinermönche, die Hüter der Habsburger-Grabstätte. Zur Linken standen Mitglieder der engsten Familie, als die Särge in aller Stille in die Kirche getragen wurden.

Rund 50 Schaulustige hatten sich am Ort des Geschehens eingefunden. Einige Österreicher waren extra gekommen, um die Ankunft der Särge zu erleben. "Ich habe ihm immer gern zugehört", sagte eine Wienerin. "Ich habe sein Wissen bewundert und seine Art, Politik zu machen." Otto Habsburg und Kardinal Franz König hätten eine Politikergeneration verkörpert, die es nun nicht mehr gebe, meinte sie.

Eine kleine Gruppe italienischer Touristen war ganz begeistert, dass sie zufällig in dem Moment an der Kapuzinerkirche vorbeigekommen war, als die Särge von Otto und Regina Habsburg an ihrer Begräbnisstätte eintrafen. "Sie sind nun gewissermaßen heimgekehrt, wie die Savoyen", meinte einer der Italiener verständnisvoll in Anspielung auf das einstige italienische Königshaus.

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