Schwache Truppe

Graz gleicht zurzeit einem politischen Jammertal

Steiermark
20.06.2011 09:42
Frust, Streit, interne Konflikte - die steirische Landeshauptstadt gleicht seit Wochen einem politischen Jammertal. Sowohl die Grazer Regierung um ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl als auch die SPÖ-Opposition sollten endlich aufwachen...

Da wäre zum Beispiel die sich nach wie vor ihrer Selbstauflösung hingebende SP-Graz: Seit Ende März ist Edmund Müller offiziell der Chef der Genossen. Bis dato hat er noch keine einzige Idee unters Volk gebracht.

Die roten Funktionäre hat zudem offenkundig der letzte Elan verlassen. Das Augartenfest der SP wurde vom Gros der Parteigänger geschwänzt, eine von Müller initiierte Ideensammlung unter den Genossen geriet zum Flop.

Dem Vernehmen nach soll Landesparteichef Franz Voves bereits der Humor ausgegangen sein: Müller müsse den Grazern endlich zeigen, dass es ihn überhaupt gibt...

Bürgermeister angeschlagen
Dabei wären die Chancen der SP gerade jetzt groß wie lange nicht mehr: Der bislang als unschlagbar geltende Bürgermeister taumelt nämlich schwer angeschlagen durchs Grazer Rathaus. Nagl, der sein Bürgermeisteramt bisher mit viel Lust ausgefüllt hat, hat nach seinem in letzter Sekunde abgeblasenen Rücktritt ein massives Glaubwürdigkeitsproblem.

Zudem hat er die eigene Partei gegen sich aufgebracht: Finanzstadtrat Gerhard Rüsch etwa, von Nagl zum Nachfolger auserkoren, wird nicht sehr begeistert sein, dass er doch nicht Bürgermeister wurde - Nagl soll übrigens nicht nur Rüsch das Bürgermeisteramt angetragen haben.

Der Frust dürfte auch Verena Ennemoser plagen - ihr hat Nagl das Stadtratsamt versprochen. Sie hätte Sonja Grabner ersetzen sollen. Grabners Loyalität zum Bürgermeister wird folglich endenwollend sein. Schwarze Funktionäre, die bislang eisern hinter dem Bürgermeister standen, schütteln verdrossen den Kopf. Nagl hat seine Partei derzeit jedenfalls nicht im Griff.

Schwarz/Grün läuft aus dem Ruder
Aus dem Ruder gelaufen ist auch die Regierungskoalition mit den Grünen unter Lisa Rücker. Es gibt mittlerweile kaum noch ein Projekt, bei dem sich Schwarz/Grün einig sind. So wirkt sogar die - bei aller Kritik an vielen Ideen - zumindest engagierte Rücker lustlos und vor allem bemüht, ihr Amt als Vize-Bürgermeisterin nicht aufgeben zu müssen. Von der schwarz-grünen Aufbruchsstimmung ist nichts mehr übrig: Es regiert der Frust, der sich in kleineren und größeren politischen Hinterhältigkeiten entlädt.

"Aufwachen!", will man Nagl & Co. zurufen. Aber irgendwie ahnt man, dass dieser Ruf ungehört verhallen würde. Der einzige, der in diesem Jammertal ein Fünkchen Freude empfinden dürfte, ist wohl FPÖ-Chef Mario Eustacchio - Blau dürfte auch in Graz vom Wählerfrust profitieren.

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