12.06.2011 09:45 |

Tribunalsgefängnis

Ratko Mladic: Seselj und Markac in den Nachbarzellen

Der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, der sich nach 16-jähriger Flucht seit Ende Mai im Gefängnis des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien im niederländischen Scheveningen befindet, hat zwei bekannte Haftinsassen als erste Zellennachbarn: den kroatischen General Mladen Markac und der serbische Ultranationalist Vojislav Seselj.

Wie die Belgrader Tageszeitung "Blic" berichtete, ist der erste Nachbar Mladic' der kroatische General Mladen Markac, der im April zu 18 Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen nach der Wiedereroberung der Krajina im August 1995 verurteilt worden war. Derzeit ist sein Berufungsverfahren im Gang.

Gegenüber der Zelle Mladic' liegt jene des serbischen Ultranationalisten Vojislav Seselj. Er befindet sich seit Februar 2003 im Tribunalsgefängnis und hat sich wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und der nordserbischen Provinz Vojvodina zu verteidigen. Seselj ist der einzige Haager Angeklagte, der inzwischen bereits dreimal wegen Missachtung des Gerichtes angeklagt worden ist. Aufgrund einer ersten Anklage war er zu 15 Monaten Haft verurteilt worden, zwei weitere Verfahren sind im Gang.

In demselben Gefängnistrakt liegt auch die Zelle des im Februar zu 27 Jahren Haft verurteilten früheren serbischen Polizeispitzenfunktionärs Vlastimir Djordjevic, der wegen Kriegsverbrechen im Kosovo im Frühjahr 1999 angeklagt ist. Zu dieser Gruppe gehört auch der frühere jugoslawische Offizier Veselin Sljivancanin, der wegen des Massakers an kroatischen Gefangenen in Vukovar eine zehnjährige Haftstrafe abzubüßen hat.

In demselben Gefängnisflügel liegt auch die Zelle des wegen Massenmordes in Srebrenica im Juli 1995 zu einer 33-jährigen Haftstrafe verurteilten früheren bosnisch-serbischen Offiziers Drago Nikolic. Gesellschaft wird Mladic auch der frühere Kommandant einer berüchtigten bosnisch-serbischen Milizeinheit, Milan Lukic, leisten, der wegen Kriegsverbrechen im ostbosnischen Visegrad zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Kontakt zu Karadzic verboten
Keinen Kontakt wird der frühere Militärchef der bosnischen Serben zum ehemaligen Präsidenten der Serbischen Republik, Radovan Karadzic, haben. Beiden werden dieselben Kriegsverbrechen angelastet. Die Haager Anklage hat ihre Trennung beantragt, um eine wechselseitige Beeinflussung der gegen sie laufenden Verfahren zu verhindern.

Über 40 Haager Angeklagte oder bereits Verurteilte, deren Berufungsverfahren im Gang oder bereits abgeschlossen sind und die derzeit auf die Verlegung in ein anderes Gefängnis warten, sind im Tribunalsgefängnis in drei Flügeln untergebracht.

Mladic fünfmal in Belgrader Militärspital behandelt
In Belgrad wurde unterdessen bekannt, dass Mladic noch unter dem Regime von Slobodan Milosevic zwischen 1996 und 1999 fünfmal in einem Belgrader Militärkrankenhaus unter falschem Namen behandelt worden war. Im Militärkrankenhaus sei der Haager Angeklagte zuletzt im Jahr 2000 oder 2001 aufgenommen worden, bestätigte Verteidigungsminister Dragan Sutanovac am Freitag.

Der Anwalt Mladic', Milosa Saljic, hatte in der Vorwoche behauptet, dass Mladic aufgrund eines ärztlichen Gutachtens 2009 in einem Belgrader staatlichen Krankenhaus wegen einer Krebserkrankung behandelt worden sei. Das Gutachten entpuppte sich inzwischen als Fälschung. Auch nach Angaben der Tribunalsärzte leidet Mladic nicht an einer Krebserkrankung.

Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).