Experten beruhigen

Anrainer-Angst nach Wolfsriss in Wohnsiedlung

Hohe Wellen schlägt ein „Krone“-Bericht über den Riss eines Wildtieres bei Dorfstetten im niederösterreichischen Bezirk Melk: Da sich der Vorfall nur knapp 100 Meter vor den nächsten Häusern ereignete, sind Bewohner besorgt. Experten betonen, dass der Wolf zwar keine Scheu vor „menschlicher Infrastruktur“ habe, sehr wohl aber vor Menschen.

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Hundertprozentig könne man es natürlich nie ausschließen, aber in Europa gibt es „de facto keine Übergriffe“ des Wolfes auf den Menschen, meint Albin Blaschka vom Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs. Attacken gab es nur von kranken Wölfen – in Österreich gelte die Tollwut aber als ausgerottet. „Isegrim“ wisse zudem zwischen menschlicher Infrastruktur und dem Menschen selbst zu unterscheiden – vor Wohnhäusern habe er also keine Scheu. Auch bei den gehäuften Sichtungen aus rund 30 Meter Entfernung möchte Blaschka beruhigen: „Solange der Wolf keine Gefahr sieht, hat er auch keinen Grund zur Eile.“

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Solange der Wolf keine Gefahr sieht, hat er auch keinen Grund zur Eile.

Albin Blashka vom Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs

Für Maßnahmen kein Anlass
„Muss wirklich erst etwas passieren, damit reagiert wird?“, fragen sich indes mehrere Anrainer. Das sieht Blaschka anders: Aufgrund der naturwissenschaftlichen Faktenlage bestehe keine Gefahr, auch nicht für Kleinkinder. Aus Sicht der Bezirkshauptmannschaft Melk zeige der Wolf in Dorfstetten ein natürliches Verhalten. Daher werde nichts unternommen werden. Auch für aufwendige Vergrämungsmaßnahmen sieht man derzeit keinen Anlass, wird betont.

Wolfspopulation nahm von 2020 auf 2021 stark zu
Vermutlich werden solche Fälle in Zukunft häufiger auftreten. Denn die Wolfspopupaltion nahm stark zu: Während 2020 noch 24 Tiere nachgewiesen wurden, waren es vergangenes Jahr bereits 35, erklärt der künftige Wolfsbeauftragte Aldin Selimovic. Ein neues Rudel im oberösterreichischen Dreiländereck zu Bayern und Tschechien gilt als bestätigt. Wo es sich großteils aufhält, weiß man aber noch nicht.

In Österreich gibt es bisher zwei bestätigte Rudel, beide im Waldviertel: am Truppenübungsplatz Allentsteig und in Gutenbrunn. Die DNA-Probe beweist, dass der Wolf in Dorfstetten keinem dieser Rudel angehört. Ob sich die Bewohner an das Leben als „Nachbar“ eines Raubtiers wirklich gewöhnen können, bleibt zu bezweifeln.

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