Di, 11. Dezember 2018

Sie saß noch im Sitz

05.05.2011 17:20

AF 447: Erste Leiche aus Airbus-Wrack geborgen

In einer beispiellosen Aktion hat ein Bergungsteam eine erste Leiche aus dem Wrack des Air-France-Flugzeuges, das vor knapp zwei Jahren in den Atlantik gestürzt war, an die Wasseroberfläche geholt. Durch die lange Zeit in knapp 4.000 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund sei der Leichnam in einem schlechten Zustand, teilte die französische Polizei am Donnerstag mit. Es sei nicht sicher, ob auch die anderen toten Passagiere geborgen werden könnten.

Die Bergung erfolge unter "besonders schwierigen und noch nie dagewesenen Bedingungen", erklärte die Polizei, da noch nie zuvor ein Todesopfer nach so langer Zeit aus einer solchen Tiefe aus dem Wasser geholt wurde. "Es herrscht weiterhin starke Unsicherheit, ob die Bergung weiterer Leichen technisch machbar ist."

Der tote Passagier wurde nach einem ersten, missglückten Versuch schließlich am Donnerstagmorgen an Bord des Bergungsschiffs "Ile de Sein" geholt. Polizisten nahmen erste Proben, die zusammen mit den beiden Anfang der Woche gefundenen Flugschreibern der Unglücksmaschine nun nach Paris geschickt werden sollen. Dort sollen Experten dann feststellen, ob eine Identifizierung der Opfer durch ihr Genmaterial überhaupt noch möglich ist.

Experten waren davon ausgegangen, dass die Leichen durch die lange Zeit bei niedrigen Temperaturen und geringem Sauerstoffgehalt auf dem Meeresgrund gut erhalten sein könnten. Durch die Bergung und den Kontakt mit der Luft könnten sich die sterblichen Überreste aber schnell zersetzen.

"Sterbliche Überreste" statt "Körper" geborgen
Viele Details über die Aktion zwischen Südamerika und Afrika gibt es nicht, aber schon die wenigen lassen erschaudern. Die erste geborgene Leiche sei noch auf ihrem Flugzeugsitz festgeschnallt gewesen, teilte das Helferteam mit. Ein Sprecher der französischen Gendarmerie betonte, dass es sich nicht um einen "Körper", sondern um "sterbliche Überreste" gehandelt habe. Was genau das heißt, ließ er offen.

Bei der Bergung mit dem Tauchroboter bestehe die Gefahr, dass einzelne Leichenteile abbrechen oder sich lösen können, erklärte der Münchener Rechtsmediziner Oliver Peschel der dpa. Seiner Meinung nach müssten die Leichen durch den großen Druck und die Kälte in knapp 4.000 Metern Tiefe an und für sich gut konserviert sein. "Von der Konsistenz her kann man sich das vorstellen wie Gips oder festes Wachs", sagte der Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität.

Nicht alle Hinterbliebenen stehen hinter der Bergung
Angesichts dieser Umstände sind nicht alle Hinterbliebenen von der Aktion begeistert - zumal nicht einmal feststeht, ob sich überhaupt noch verwertbare DNA-Proben zur Identifizierung nehmen lassen. "In der Familie sind wir unterschiedlicher Auffassung", sagte Bernd Gans von der deutschen Hinterbliebenenvereinigung HIOP AF 447. Seine Frau würde es lieber sehen, wenn die Toten auf dem Meeresgrund bleiben würden. Religiös geprägte Menschen bevorzugten hingegen oft eine würdige Bestattung in ihrer Nähe.

Einigkeit herrscht bei den Familien der Opfer nur darüber, dass der Absturz vom 1. Juni 2009 lückenlos aufgeklärt werden muss. "Die französische Seite hat uns jetzt zwei Jahre lang keinerlei verwertbare Ergebnisse geliefert und wir sind überzeugt, dass es nicht gottgegeben ist, dass ein Flugzeug aus dieser Höhe wie ein Stein ins Wasser fällt", kritisierte Gans.

Er hoffe, dass die bereits in den vergangenen Tagen geborgenen Flugschreiber endlich eine Aufklärung der Katastrophe ermöglichten. Bei dem Absturz am 1. Juni 2009 waren insgesamt 228 Menschen ums Leben gekommen, darunter auch 28 Deutsche und eine Tirolerin.

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