12.01.2022 15:28 |

Prozess in Graz

Polizist wollte Alko-Unfall vertuschen: Verurteilt

Ein 29-jähriger Polizist ist am Mittwoch im Grazer Straflandesgericht wegen versuchter Bestimmung zum Amtsmissbrauch zu einer Geldstrafe von 9000 Euro verurteilt worden. Der Mann hatte außerhalb der Dienstzeit stark betrunken mit seinem Auto parkende Pkw touchiert. Gegenüber den Kolleginnen und Kollegen wollte er den Vorfall als Unfall mit Fahrerflucht protokolliert haben, aber damit kam er nicht durch. Er war geständig und nahm das (nicht rechtskräftige) Urteil an.

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Der Beamte hatte Ende April nach einem Kurs bei einem Freund Fußball geschaut, dabei wurde reichlich Bier, Wodka und Pfefferminz-Likör getrunken. „Ich hatte da schon zwei Wochen lang Beziehungsprobleme mit meiner Freundin“, schilderte er die Hintergründe vor Richter Helmut Wlasak. Eigentlich wollte er bei dem Freund übernachten, aber als seine Freundin mit ihm Schluss machen wollte, setzte er sich nach einer guten Stunde Schlaf doch noch ins Auto.

„Er ist praktisch aus dem Auto rausgefallen“
Am Weg von Graz nach Weiz kam er allerdings nicht weit: Schon nach etwa einem Kilometer krachte er gegen parkende Autos, machte Lärm und Anrainer wurden auf ihn aufmerksam. Als diese zum Unfallort kamen, sahen sie den Zustand des Lenkers: „Er ist praktisch aus dem Auto rausgefallen“, sagte ein Zeuge.

Aufgrund der offensichtlichen Alkoholisierung wollten die Zeugen die Polizei rufen, aber der Lenker gab sich selbst als Beamter aus und zeigte seinen Dienstausweis vor. „Ich dachte mir nur, wie komme ich da wieder raus“, sagte der Angeklagte. Er wollte vermeiden, dass die Polizei gerufen wird, „das war ein verzweifelter Versuch“. Dennoch ließen sich die Zeugen nicht davon abhalten, die Polizei zu rufen.

Kollegen bleiben hart
Dann bat der 29-Jährige seine Kollegen, den Vorfall, anders als tatsächlich passiert, ins Protokoll aufzunehmen: „Ich fragte, ob man das nicht irgendwie anders machen kann, zum Beispiel, dass es Fahrerflucht war“, so der Polizist. Das lehnten die Kollegen aber ab. Gleich mehrmals soll er darum gebeten haben, doch es half nichts.

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Es gibt nicht oft so eine Schuldübernahme, das macht Hoffnung und es zeigt, dass das Polizeisystem keine Verhaberung ist.

Richter Helmut Wlasak

„Sie haben komplett richtig reagiert“, beurteilte der Angeklagte vor Gericht die Reaktion seiner Kollegen. „Es tut mir extrem leid.“ Die Schäden an den Fahrzeugen hat er bereits vor dem Prozess alle wiedergutgemacht. Sein Vorgesetzter bezeichnete den Beschuldigten sonst als „Top-Mann“, der Verteidiger sprach von „einem Fehler mit fataler Entwicklung“.

„Das wird nie mehr vorkommen“
Vor der Beratung der Schöffen meinte der 29-Jährige noch reumütig: „Es tut mir leid, dass ich die Kollegen in so eine beschissene Lage gebracht habe. Das wird nie mehr vorkommen.“ Die Schöffen sprachen den Mann schuldig. Er wurde zu einer Geldstrafe von 9000 Euro verurteilt.

Richter Wlasak begründete das Urteil: „Es ist eine mittelprächtige Katastrophe, wenn ein Polizist da sitzt, vor allem bei dem Delikt, aber Sie sind bis dato unbescholten.“ Zudem habe der Angeklagte ein reumütiges, „rückhaltloses“ Geständnis abgelegt: „Es gibt nicht oft so eine Schuldübernahme, das macht Hoffnung und es zeigt, dass das Polizeisystem keine Verhaberung ist.“ Er rechnete dem 29-Jährigen hoch an, dass er zu seinem Fehler stehe, aber eine Diversion sei nicht möglich. „Als Polizist schaut man auf Sie.“ Der Beschuldigte nahm das Urteil sofort an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab. Das Urteil ist damit nicht rechtskräftig.

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