31.12.2021 16:00 |

Ex-Chefin im Interview

„Kunsthaus löst eine Art Pawlow‘schen Reflex aus“

Fünf Jahre lang hat Barbara Steiner das Grazer Kunsthaus geleitet, heute endet ihre Ära und sie wechselt zur Stiftung Bauhaus Dessau. Mit der „Krone“ sprach sie über die Veränderungen, die sie in Graz angestoßen hat, Projekte, auf die sie stolz ist, und wie die fehlende Wertschätzung der Politik ihren Abgang beschleunigt hat.

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Mit welchen Erwartungen und Plänen sind Sie 2016 nach Graz gekommen?
Ich hatte Graz ja schon gekannt, weil ich an der Ortweinschule war. Ich habe mich also sehr gefreut. Das Kunsthaus ist ein ikonisches Gebäude. Ich habe nie gefunden, dass es ein schwieriger Raum für Ausstellungen ist, und ich hatte viele Pläne, die ich auch umsetzen konnte. Mein Interesse war und ist es, das Feld der bildenden Kunst im klassischen Sinn zu überschreiten, also disziplin- und kulturüberschreitend zu arbeiten. Das hat viel Kritik aber auch viel positives Feedback gebracht.

Was waren Ihre wichtigsten Veränderungen am Haus?
Der Umbau im Erdgeschoß. Das war eine unattraktive Zone, die Aufteilung von Lokal und Küche war unglücklich, der Küchenduft zog in die Ausstellungsräume. Es war klar, dass es Veränderungen geben muss. Es hat gedauert, bis ich alle an Bord hatte und manche haben mir vorgeworfen, dass ich das Erbe von Cook und Fournier zerstöre und zu viel Kommerz zulasse. Aber das Ergebnis spricht für sich und das Erdgeschoß und auch der Vorplatz mit den rosa Sitzbänken sind heute viel belebter.

Auf welche Projekte und Ausstellungen sind Sie im Rückblick besonders stolz?
Ich mochte vor allem die Projekte, die eine Überraschung brachten: zum Beispiel wie offen und frei von Klischees die Zusammenarbeit mit der Diözese für die Ausstellung „Glaube, Liebe, Hoffnung“ war. Generell habe ich stets Kooperationspartner gesucht und mir dabei die Frage gestellt, wo Anknüpfungspunkte zu Menschen in der Steiermark und Graz sind - auch wenn auf den ersten Blick nicht immer so deutlich -, die in der klassischen Kunstwelt oft nicht präsent sind. Das betrifft etwa „Congo Stars“ oder die Ausstellung mit Jun Yang. Und auch einen Star der steirischen Kunstwelt wie Herbert Brandl wollte ich nicht in der üblichen Weise zeigen. So wurde es eine Ausstellung, die an keinem anderen Ort als im Grazer Kunsthaus möglich gewesen wäre.

Kein anderes steirisches Museum wird so kritisch hinterfragt wie das Kunsthaus.Auch politisch gab es stets Zwischenrufe - etwa die Forderung aus dem Haus ein Design-Museum zu machen. War das nicht frustrierend?
Das war nicht erfreulich und es gibt kein Haus, das öfter vom Rechnungshof geprüft wurde als das Kunsthaus. Das haben wir auch der FPÖ zu verdanken. Dabei ist das Haus, etwa bei den Besuchern, im internationalen Vergleich stets gut dagestanden. Das Kunsthaus, so scheint mir, löst eine Art Pawlow’schen Reflex aus, der bei Menschen eine immer gleiche Reaktion bewirkt, egal was dort gemacht wird. Und es gab auch Politiker, die ihre eigenen Ideen für das Haus hatten. Generell hatte ich eher nicht den Eindruck, dass meine Arbeit von politischer Seite sehr geschätzt wurde. Dass ich jetzt in Dessau die Stiftung Bauhaus leiten darf, ist eine tolle Herausforderung, über die ich mich freue. Aber dass ich mich dort beworben habe, hat nicht zuletzt auch mit Interviews vonseiten der Politik zu tun, die mich annehmen ließen, meine Ausrichtung des Kunsthauses entspricht nicht den kulturpolitischen Vorstellungen. Es gibt meinerseits aber keinen Groll deswegen.

Wird es mit dem Wechsel nach Dessau auch weiter die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Graz geben?
Es gibt ja in den kommenden Monaten noch einige Ausstellungen im Kunsthaus, die ich verantworten durfte und auf die ich mich sehr freue. Und auch darüber hinaus kann ich mir künftige Kooperationen gut vorstellen, das wird aber auch davon abhängen, wer die Leitung übernehmen wird.

Wie blicken Sie persönlich auf die Zeit in Graz zurück?
Ich werde Graz vermissen, es ist eine tolle Stadt. Das gute Essen, das häufig sonnige Wetter, die Kolleginnen - das werde ich vermissen. Dessau ist komplett anders, auf andere Weise attraktiv. Ich tendiere stets dazu, das Positive an jedem Ort zu sehen, an dem ich bin. Und ich habe den Eindruck, dass es in Graz auch einige Menschen gibt, die sich freuen, wenn ich zu Besuch komme.

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