22.12.2021 06:00 |

„Krone“-Interview

Corona kostet die steirischen Spitäler Millionen

Seit 1. Dezember ist Gerhard Stark der neue Chef beim steirischen Spitalsbetreiber. Mit Finanzvorstand Ernst Fartek und Virologe Klaus Vander war er im „Krone“-Haus zu Gast.

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„Krone“:Herr Stark, haben Sie sich schon eingelebt?
Gerhard Stark: Die ersten Wochen beschreibe ich gerne so: Es war, als wäre man kurz von einer Straßenbahn gerammt worden. Jetzt geht es darum, Kontakte zu absolvieren, intensiv hineinzuhören und das normale Geschäft weiterzuführen.

Hat es eine Dienstübergabe gegeben? Und haben Sie noch Kontakt zu ihrem Vorgänger Karlheinz Tscheliessnigg?
Ja, es hat eine gegeben - und es ist auch eine exzellente Dokumentation vorhanden. Mit meinem Vorgänger habe ich natürlich noch Kontakt. Im Moment zwar nicht, denn ich bin gerade noch gewaltig am Rudern, aber ich werde mich nicht scheuen, seinen Rat zu einigen Themen einzuholen.

Im Gegensatz zu ihm haben Sie sich für die Impfung ausgesprochen - warum?
Weil ich die aktuellen Zahlen sehe. Mehr als zwei Drittel der Menschen, die auf den Intensivstationen versterben, sind nicht geimpft. Das tut mir im Herzen weh.

Ist die Strukturreform der Kages auf Kurs?
Strukturarbeit ist im Gesundheitswesen permanent zu leisten, da ist die Kages keine Ausnahme. Ein Bespiel: Eine Normalstation kann sich schnell zu einer Isolierstation entwickeln.

Die Chirurgie in Bruck an der Mur wandert nach Leoben ab. Wird es weitere Zusammenlegungen geben?
Ich würde sagen: Bringen wir das, was gerade am Laufen ist, jetzt einmal in Stabilität. Aber natürlich, Medizin wandelt sich - und damit müssen sich auch Strukturen in den einzelnen Häusern wandeln. Die Spezialisierung hat noch lange nicht ihren Zenit erreicht.

Herr Fartek, wie hat sich die Pandemie wirtschaftlich auf die Kages ausgewirkt?
Ernst Fartek: Wir mussten nahezu alle unsere Krankenhäuser baulich adaptieren, das hat allein 14 Millionen Euro gekostet. Für Tests haben wir 30 Millionen ausgegeben. Bis jetzt haben wir in Summe 100 Millionen Euro Mehrbelastung.

Der Kages-Betriebsrat hat Alarm geschlagen: Schon jetzt könnten 100 Betten nicht mehr bedient werden - droht ein Pflegenotstand?
Notstand droht auf keinen Fall. Aber die Personalthematik wird eine Herausforderung der nächsten Jahre.

Wie wollen Sie dem Personalmangel begegnen?
Wir müssen die Ausbildungskapazitäten erhöhen. Der Beruf ist erfreulicherweise noch sehr geschätzt - das sehen wir auch daran, dass die Ausbildungsplätze sofort vergeben sind. Zudem braucht es attraktivere Einstiegsgehälter. Was wir bieten, sind familienfreundliche Arbeitsbedingungen, etwa mit Kinderbetreuung in jedem unserer Spitäler. Und auch im Bereich Teilzeitarbeit sind wir sehr flexibel.

Herr Vander, wie gefährlich ist die Omikron-Variante?
Klaus Vander: Man muss das Thema ernst nehmen und nicht emotional, sondern rational beurteilen. Wir sehen, dass Omikron bei den Genesenen und nur Grundimmunisierten einen höheren Anteil an Impfdurchbrüchen aufweist. Die Genesenen und zweifach Geimpften haben einen nur geringen Schutz gegenüber milden, aber einen akzeptablen Schutz gegenüber schweren Krankheitsverläufen. Und das ist jetzt der wesentliche Punkt: Wir sehen, dass die dritte Impfung einen guten Schutz gegenüber milden Verläufen und einen sehr guten Schutz gegenüber schwersten Krankheitsverläufen bietet. Wichtig sind also Masken in Innenräumen und der „Boost“.

Wie oft werden wir diesen „Boost“ künftig brauchen?
Das ist ein schwieriger Blick in die Glaskugel. Eine höhere Durchimpfungsrate ist jedenfalls alternativlos, anders funktioniert es nicht. Weder mit Wurmmitteln noch mit Zink und Selen - und auch nicht mit viel frischer Luft und Vitamin C!

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