19.12.2021 19:00 |

Med-Uni Innsbruck

Wie die Ärzte von morgen ihr „Handwerk“ lernen

Medizin ist Wissen. Medizin ist aber auch ein Handwerk. Das will gelernt sein. Besuch im Trainingscamp der Medizin-Universität Innsbruck. Wo die künftigen Ärzte mit Puppen fürs Leben und ihren späteren Beruf lernen. 

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Hände waschen nicht vergessen! Seit Ausbruch der Pandemie weiß jedes Kind um die Bedeutung dieser Hygienemaßnahme. In der Medizin gehört sie zum Einmaleins. Doch auch das will gelernt sein. Seife, Wasser, drei Minuten reiben. Und dann wird es spannend. „Im UV-Licht sieht man, ob alles sauber und steril ist“, erklärt Benjamin Hetzer und schaut ins blaue Licht. Das offenbart schonungslos weiße Flecken zwischen den Fingern. Also: abermals ran an den Waschtisch und schrubben.

Benjamin Hetzer, selbst Kinderarzt, betreut das Trainingslabor an der Medizin-Universität Innsbruck. Auf 15 Räume ist dieses über die Jahre angewachsen. Hier können Studierende ihre Fingerfertigkeiten erproben und schulen. „Das ist wie Trockentraining, bevor man ins klinisch-praktische Jahr geht und zu den Patienten“, beschreibt Hetzer den Nutzen der Einrichtung.

Ein loser Kunststoffarm für die Blutabnahme
Was sie für die Praxis bringt? Karoline Wieser und Jakob Gruber, Studierende im siebenten Semester, demonstrieren es uns. Sie selbst sind bereits sehr fingerfertig. Als Tutoren ist es ihre Aufgabe, Neulingen zur Hand zu gehen. Herausforderung eins: Blutabnahme an einem losen Kunststoffarm. Stauschlauch angelegt, desinfizieren, dann der Stich – und die rot gefärbte Flüssigkeit rinnt. Gelungen.

Weiter geht es zum Nähen einer Wunde. „Es fühlt sich alles wie echt an. Der Kunststoff ist Haut und Gewebe sehr gut nachempfunden“, deutet Gruber auf die Attrappe, während er geschickt den Faden verknotet. Trainingsmöglichkeiten wie diese sind eine relativ junge Erfindung. Früher erprobten Mediziner ihre Nähfertigkeit unter anderem an Früchten. „Bananenschalen sind wegen ihrer Konsistenz gut geeignet“, weiß Hetzer.

Babypuppe „Luisa“ und ihr kleiner Bruder
Ampullen aufziehen, Infusionen vorbereiten, Patientengespräche führen – auch das wird im Trainingscamp geübt. Aber nicht nur. Ein paar Räume weiter geht es an die ganz heiklen Aufgaben. Hier wartet Baby „Luisa“ auf die Novizen. „Luisa“ ist eine Simulationspuppe. Doch niemand denkt an ein Spielzeug. Der kleine Brustkorb hebt und senkt sich, Puls und Herzschlag sind zu spüren. Das Baby weint.

Noch schlimmer: es läuft blau an, wenn es zu wenig Luft bekommt. Was tun? „In diesem Moment fühlst du dich ganz und gar in einer realen Situation“, beschreibt Karoline Wieser den emotionalen Effekt, der auch beabsichtigt ist. „Je realistischer das Übungsszenario, desto besser kann das Gelernte im Ernstfall abgerufen werden“, erläutert der Laborleiter. „Luisa“ hat auch einen kleinen Bruder. Eine Frühgeborenen-Puppe – die perfekte Illusion der Realität, des Lebens. Zerbrechlich und kostbar.

Menschliche Sinne als wichtigstes Werkzeug
Sehen, hören, fühlen, tasten. Naturgegebenes Werkzeug, das zur medizinischen Grundausstattung eines Arztes gehört. Menschliche Sensoren, die im Fähigkeiten-Labor (Skills Lab) geschult werden. Darüber hinaus wird der Umgang mit modernen Diagnose-Geräten wie Ultraschall geübt. Ebenso Anwendungen wie die Lumbalpunktion (das Gewinnen von Rückenmarksflüssigkeit).

Ziel ist eine Einrichtung für Ärzte und Pflegekräfte
Das Skills Lab der Med-Uni Innsbruck gehört zu den modernsten und größten Österreichs. Doch da geht noch mehr. Vize-Rektor Wolfgang Prodinger, maßgeblich verantwortlich für den Aufbau der Einrichtung, nennt als Ziel ein interprofessionelles Labor, „in dem Pflegekräfte und Ärzte gemeinsam geschult werden und so die Zusammenarbeit verbessern“.

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