„Giftiges Lob“ im Talk

Dafür ist Behounek Innsbrucks Hörtnagl ,dankbar‘!

Er gilt als „positiv Verrückter“ und ist seit seiner Ankunft bei der WSG Tirol der Leader in der Abwehr - Raffael Behounek ist keiner, der sich auf oder neben dem Spielfeld wegduckt! Lange Zeit unter dem Radar von Österreichs Fußball-Öffentlichkeit geflogen, zeigt der technisch versierte Wiener Verteidiger nun Woche für Woche, was in ihm steckt. sportkrone.at erzählte Behounek von seinen Wurzeln im Futsal, seinen Enttäuschungen mit dem SV Mattersburg sowie Wacker Innsbruck und seinen Play-off-Erwartungen für seine Wattener ...

krone.at: 6:5, 10:1, 5:5, 6:7, 18:3, 3:3 und 10:2 - klingelt‘s da bei Dir, Raffael, wenn Du an diese nicht nach der WSG Tirol klingenden Ergebnisse denkst? Fällt Dir dazu etwas ein?
Raffael Behounek: Nein, ehrlich gesagt, nicht … (zögert kurz) … Ah, doch: Die Ergebnisse in meiner letzten Saison in der Futsal-Bundesliga 2018/19 mit Fortuna Wiener Neustadt.

krone.at: Und konkret das letzte Bewerbsspiel: Was weißt Du noch darüber?
Behounek: Das müsste gegen Stella Rossa gewesen sein, plus 4 oder plus 5 Tore für die Fortuna. Da habe ich, glaube ich, 3 Tore gemacht. Könnte das hinkommen?

krone.at: Teilweise korrekt - 3 Tore von Dir sind es gewesen, allerdings ein 10:2-Sieg. Generell: Futsal oder Fußball, wofür schlägt Dein Herz mehr?
Behounek: Ich bin, glaube ich, 16 Jahre alt gewesen, als ich das erste Mal Futsal gespielt habe, weil mich ein Freund mitgenommen hat. Erst ist es nur eine Abwechslung gewesen, von wegen kleinerer Ball, kleinere Spielfläche, weniger ermüdend. Mit der Zeit hat es aber immer mehr Spaß gemacht - auch weil ich stets in super Mannschaften gespielt habe: erst Vienna Walzer und dann bei Fortuna Wiener Neustadt. Sagen wir so: Bei Futsal steht einen Tick mehr der Spaß im Vordergrund, während der Fußball mein täglich Brot ist!

krone.at: Laut Fußball-Bundesliga-Statistik bist Du die Nummer 3 was Ballaktionen im Verlauf der Grunddurchgangs-Hinrunde anbelangt. Bei Pässen über mindestens 5 Meter bist Du sogar Bester. Schlägt da auch Deine Futsal-Vergangenheit durch?
Behounek: Generell kommt mir einfach unser Spielsystem zugute - aber es ist schon auch so, dass sich das regelmäßige Futsal-Spielen über 5, 6 Jahre bemerkbar macht. Eben weil man im Futsal schon am besten per Du mit dem Ball sein sollte. Von hinten raus alles wegzudreschen, das würde ja im Futsal keinen Sinn machen ... (überlegt kurz) … Es ist schon extrem wichtig, auch unter Druck eine saubere Spieleröffnung hinzubekommen. Deshalb bin ich froh, dass ich da einst in die Futsal-Schiene hineingekommen bin.

krone.at: Apropos „hineingekommen“: Du bist 2020 wenige Monate vor der Implosion des SV Mattersburg gen Westen zu Wacker Innsbruck in die Zweite Liga gewechselt. Hättest Du damals gedacht, dass Du binnen Kurzem wieder in die Bundesliga „hineinkommen“ würdest?
Behounek: Gehofft schon! Ich habe lange nicht verstanden, wieso ich in Mattersburg keine faire Chance bekommen habe. Es war halt dem Präsidenten geschuldet, der seine Lieblinge spielen hat lassen, mit sportlichen Gründen hat das weniger zu tun gehabt. Das hat mich schon geärgert! Wenn ich mir den damaligen Mattersburg-Kader anschaue und daran denke, dass ich da außen vor gewesen bin, da greife ich mir schon auf den Kopf! (überlegt kurz) … So hat es jedenfalls keinen Sinn gemacht, bei Mattersburg zu bleiben - logisch: Wenn man für Mattersburg nicht spielt, dann ist man für andere Bundesligisten auch nicht wirklich interessant. Deshalb ist es dann die Zweite Liga mit Wacker Innsbruck geworden …

krone.at: Was nur eine Zwischenstation gewesen ist ...
Behounek: Als ich gekommen bin, hat da gerade große Aufbruchsstimmung geherrscht: Man ist kurz vor dem Abschluss mit den Investoren gestanden und hat die Zukunft rosig gesehen. Zu der Zeit sind dann in Innsbruck aber Dinge passiert, die ich so nicht habe akzeptieren können und die ich angesprochen habe. Die Folge war, dass mein Vertrag nicht verlängert worden ist … (sammelt sich kurz) Aber im Nachhinein muss ich dem Alfred Hörtnagl (Manager von Wacker Innsbruck, Anm.) danken, dass er nicht erkannt hat, was in mir steckt. Denn erst dadurch, dass er gesagt hat: „Dich möchte ich jetzt nicht mehr!“, konnte ich erst zur WSG Tirol kommen, die optimale Lösung!

krone.at: Noch einmal zurück zu Mattersburg: Ist das mit den „Lieblingen des Präsidenten“ einfach nur Dein Eindruck gewesen oder hat man das wirklich einmal so kommuniziert?
Behounek: Teils, teils. Vorweg: Ich habe mich mit allen Spielern gut verstanden, habe nie etwas gegen die Spieler persönlich gehabt - nur etwas gegen die Familie Pucher und wie der Verein von ihnen geführt worden ist. Aber es ist ja nicht nur mir so gegangen, auch andere haben nicht gespielt - oftmals mit fadenscheinigen Begründungen. Zum damaligen Zeitpunkt war Franz Ponweiser sicher nicht die Idealbesetzung für einen Bundesliga-Klub, aber so viel Ahnung hätte er dann doch gehabt, dass er gewisse Spieler nicht spielen lässt ...

krone.at: Apropos „nicht spielen lassen“: Mit Deinem Bundesliga-Debüt im Alter von 22 Jahren, 3 Monaten und 19 Tagen bist Du nicht unbedingt ein Fußball-Frühstarter gewesen ...
Behounek: Ich habe nie eine Akademie besucht, vom Bundesliga-Fußball bin ich immer relativ weit weg gewesen. Von Stadlau zu den Mattersburg-Amateuren bin ich ja gewechselt in der Hoffnung, dass der Schritt nach oben einfacher sein könnte. Aber da komme ich erst recht wieder auf meine Probleme in Mattersburg zurück: Die Leute beim SVM haben Monate gebraucht, um zu erkennen, dass ich vielleicht auch für höhere Aufgaben ganz gut geeignet sein könnte! Mir ist im Vorhinein zwar gesagt worden, dass es in Mattersburg wahnsinnig schwer ist, aber ich bin da ziemlich blauäugig gewesen. Ich habe mir gedacht: Warum sollte ein Verein so dumm sein und einem guten Spieler keine Chance für höhere Aufgaben geben?

krone.at: Lass uns auf den heurigen Saisonstart zurückblicken, als ihr bei der WSG Tirol erst 5 Remis in Serie und dann im Anschluss 3 Niederlagen hingelegt habt. Wie groß ist da mit der Zeit die Sorge geworden, dass das ein ganz, ganz bitteres Jahr werden könnte?
Behounek: Sehr groß! Deswegen habe ich auch damals bei dem einen Interview so drastische Worte gewählt … (lacht) … Ich war relativ überfordert mit der Gesamtsituation wusste mir damals auch nicht mehr anders zu helfen. Wir spielen 5 Mal Remis und müssen von den 5 Spielen eigentlich 3 gewinnen. Dass man im Anschluss gegen Salzburg und Sturm verlieren kann, ist völlig legitim, aber die Art und Weise, wie man Spiele verliert, ist für mich sehr, sehr entscheidend! Die Sorge war in dem Moment, nach dem 0:5 in Graz, für mich riesig, weil ich nicht unbedingt Licht am Ende des Tunnels gesehen habe. Aber ja, peu à peu ist es besser geworden und einige Spieler haben einen Schritt vorwärts gemacht ...

krone.at: Würdest du sagen, dass Deine Wutrede direkt etwas bewirkt hat, dass Du selbst damit auch einen Anteil hast an dieser Wende?
Behounek: Naja ... Es hat generell intern deutliche Worte für die Darbietung in Graz gegeben. Dass das Interview den einen oder anderen zusätzlich wachgerüttelt, kann aber schon auch sein. Dass es seitdem wesentlich besser läuft, stimmt, aber viel schlechter hätte es sowieso nicht mehr kommen können. Das gehört auch zur Wahrheit dazu!

krone.at: Euer Trainer Thomas Silberberger hat nach Deiner Wutrede mit ein bisschen Abstand dazu gesagt, dass alles okay sei, aber dass man ihn zu seiner aktiven Zeit für solche Worte wie die Deinigen in der Kabine umgebracht hätte. Du lebst noch, oder?
Behounek: Natürlich! (lacht) Ich kann damit umgehen, dass die Leute über mich sagen, ich wäre blöd, unfair, arrogant oder was weiß ich. Ich habe aber auch ganz klar eingesehen, dass das zu weit gegangen ist, dass es mir nicht zusteht, meine Mitspieler öffentlich so an den Pranger zu stellen. Deswegen habe ich mich auch dafür vor allen entschuldigt - und drei Tage später auch live im Fernsehen.

krone.at: Trotz des Einzugs ins Obere Playoff 2020/21 ist die WSG heuer vor Saisonstart nicht wirklich als Kandidat für die vorderen Plätze eingeschätzt worden. Und doch lebt die Chance wie im Vorjahr: Schaffen es Raffael Behounek und die WSG erneut in die Top-6?
Behounek: Schwer zu sagen! Weil es in der Liga dieses Jahr sehr eng zugeht. Der LASK hat 20 Punkte und ist Neunter, Austria und Rapid haben 21 bzw. 24 Punkte und belegen Platz 5 und 7 knapp über und unter dem Strich. Wir haben jetzt mit Rapid, Hartberg und Ried noch drei direkte Duelle - ich würde sagen, wenn wir diese Spiele gewinnen, sind wir im Oberen Play-off dabei. Aber eines darf man nie vergessen …

krone.at: Und zwar?
Behounek: Rapid hat vermutlich das 7- oder 8-fache an Budget von uns - wenn nicht noch mehr - und trotzdem nur 5 Punkte mehr. Das sollte man fairerweise immer dazusagen! Es ist eigentlich ein Wunder, dass wir so in der Bundesliga bestehen, dass die Verantwortlichen im Verein auf dieser Basis jetzt schon zum wiederholten Mal einen Kader auf die Beine stellen, der definitiv Bundesliga-tauglich ist. Das ist nicht selbstverständlich!

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