Gastro in Sorge

Nach der Lockdown-Halbzeit bleibt die Unsicherheit

Kärnten
02.12.2021 10:02

Während der vierte Lockdown für den Handel wahrscheinlich zur Hälfte um ist, fürchten Gastronomen eine Verlängerung. Bei Kontrollen verhalten sich die meisten Kärntner kooperativ.

Der Kärntner Handel hat bereits Erfahrung mit der aktuellen Situation, ist er doch schon zum zweiten Mal in Serie mit geschlossenen Geschäften in der eigentlich umsatzstärksten Zeit des Jahres konfrontiert.

Umsatz geht verloren
„Nicht nur Schmuck- und Spielwarengeschäfte würden jetzt eigentlich die Hälfte des Jahresumsatzes machen. Stattdessen bleiben die Rollläden unten, was viele Kärntner Händler verzweifeln lässt“, meint WKO-Spartenobmann Raimund Haberl, dem vor allem die von der Bundesregierung nicht umgesetzte Sortimentsabgrenzung bitter aufstößt: „Während einige Supermarktketten alles verkaufen, muss der Fachhandel geschlossen bleiben. Wie wäre es mit Chancengleichheit?“

(Bild: Rojsek-Wiedergut Uta)

Herausforderungen für den Handel
Auch Click-And-Collect sei für viele schwer umsetzbar. „Nicht alle Geschäfte haben eine Abstellmöglichkeit. Zudem ist das buchhaltungstechnisch eine Herausforderung. Wer es geschafft hat, auf Abholung umzustellen, kann damit die Umsatzeinbußen auch nur abschwächen, nicht wettmachen!“, bedauert Haberl: „Es ist blauäugig, zu denken, dass der vierte Adventsonntag das alles wiedergutmachen kann!“ Kleiner Nebenaspekt: Sollte am vierten Adventsonntag ein Öffnen möglich sein, werden Lebensmittelgeschäfte und Drogerien wohl zu bleiben.

Zitat Icon

140 Millionen Euro verliert der österreichische Handel pro Tag. Sechs Prozent davon machen den Kärntner Anteil aus.

Raimund Haberl, WKO-Spartenobmann für Handel

Kritik aus der Gastronomie
Auch in der Gastronomie herrscht trübe Stimmung. „Wann wir wieder öffnen dürfen, steht leider noch in den Sternen. Deshalb spreche ich auch von keiner Lockdown-Halbzeit, sehne aber ein Ende herbei!“, klagt ein Barbetreiber aus Villach: „Hinzukommt, dass wir Wirte mindestens zwei Wochen Vorlaufzeit brauchen, in Österreich Verordnungen aber binnen 48 Stunden wie aus dem Nichts kommen!“ Sollte der Lockdown wie im Vorjahr immer wieder verlängert werden, wäre das aber nicht nur eine kulinarische Katastrophe.

Kooperative Kärntner
Überraschend gut verhielten sich die Menschen in der ersten Hälfte des vierten Lockdowns aus Sicht der Polizei. „Wir haben seit 22. November 16.000 Kontrollen durchgeführt und lediglich 150 Organmandate und Anzeigen ausstellen müssen“, bilanziert Polizeipressesprecherin Lisa Sandrieser, deren Kollegen bisher nur eine einzige illegale Corona-Party aufgelöst haben.

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