01.12.2021 21:15

Talk mit Katia Wagner

Virologe zweifelt an Lockdown-Aus vor Weihnachten

Besonders gute Corona-Aussichten können die Gäste im Talk mit Katia Wagner nicht liefern. Virologe Norbert Nowotny mahnt: „Der Lockdown wirkt viel zu wenig“, mit der aktuellen Kontaktreduzierung würden sich Öffnungen „nicht ausgehen“. In Hinblick auf die neue Virusmutation Omikron ist er entspannter als viele internationale Kollegen - wir müssten aufgrund der Impfstoffe nicht wieder bei Null anfangen.

Beim Thema Lockdown schlägt der international renommierte Mathematiker Norbert Mauser von der Universität Wien in dieselbe Kerbe wie Nowotny: „Der jetzige Lockdown ist nur eine erweiterte Ausgangssperre.“ Die getroffenen Maßnahmen der Bundesregierung bezeichnete er als „Gewurschtel“. Er fordert eine Homeoffice-Pflicht für alle und entsprechend auch das Schließen der Schulen.

ÖVP-Bildungssprecher würde Kinder zu Hause lassen
Anders sieht das der Bildungssprecher der ÖVP und Mathematiker-Kollege Rudolf Taschner. Obwohl er seine Kinder - wenn sie im schulpflichtigen Alter wären - zu Hause unterrichten würde, sieht er vor allem im „rigorosen Testen“ Vorteile darin, dass die Schulen offen bleiben. Er räumt dennoch ein, dass die aktuelle Schul-Lösung „kein märchenhafter Weg“ sei: „Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.“

Vettermann: „Größeres Regierungs-Versagen ist kaum vorstellbar“
Was die bisherige Bilanz in dieser Krise anbelangt, gab es scharfe Worte von der Innenpolitik-Journalistin der Kronen Zeitung, Doris Vettermann, zur Bundesregierung: „Ein größeres Regierungs-Versagen als in den letzten Wochen ist kaum vorstellbar.“ Dass zuerst versprochen worden sei, dass Impfpflicht und Lockdown für alle undenkbar wären, und diese dann doch gekommen sind, habe das Vertrauen erschüttert. Würde morgen gewählt werden, würde die impfkritische MFG deswegen reüssieren können, so Vettermann.

Nowotny: „Politik konnte manche Dinge nicht wissen“
Nowotny findet trotz Kritik auch Verständnis für die Politik. „Alles konnte die Politik nicht wissen. Auch wir Wissenschaftler haben manche Dinge nicht gewusst“, so der Virologe, der als Beispiel nannte, dass die Booster-Impfung so schnell nötig wurde. Nun sei es wichtig, für weitere Impf-Aufklärung zu sorgen. Mit Einschränkung: „Die Fake-News-Leute wird man nicht überzeugen können.“

Mauser: „Hinhauen auf Ungeimpfte war Fehler“
Dabei wäre die Überzeugungsarbeit besonders wichtig. Mathematiker Mauser kritisierte auch die Kommunikation der Regierung: „Das Hinhauen auf die Ungeimpften war ein Fehler.“ Denn „unter den Impfkritikern“ seien auch „vernünftige Menschen“, die die Impfpflicht abschrecke. Hier findet er mit Taschner sogar eine Gemeinsamkeit: „Wir müssen die Leute einfangen, die von dieser Schiene gekommen sind. Wenn Impfgegner vor dem Spital demonstrieren, ist Feuer am Dach.“

Taschner: „Habe schon einmal mehr gelacht“
Innenpolitische Kritik gab es auch an Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne). Vettermann: „In Wahrheit weiß keiner, warum wir einen Gesundheitsminister haben und was der eigentlich macht.“ Auch wegen der regierungsinternen Zwistigkeiten habe die ÖVP in den letzten Umfragen stark verloren. Der Abgeordnete Taschner kommentierte ehrlich: „Ich habe schon einmal mehr gelacht ...“

Ebola-Aussage zu Omikron „absoluter Schwachsinn“
Zur neuen Omikron-Variante sagte Nowotny, dass relevante Daten noch fehlen würden, um genaue Prognosen zu Ansteckung oder Wirksamkeit der Impfstoffe abgeben zu können. Zu Zweiterem erhofft er sich aber in „etwa einer Woche von jetzt an“ erste Ergebnisse. Er glaube nicht, dass Omikron „wie Ebola“ sei. Diese Aussage des Weltärztebund-Chefs Frank Ulrich Montgomery sei „virologisch gesehen, sorry, ein absoluter Schwachsinn“.

„Es wird eine vierte, fünfte, sechste, siebente Impfung geben“
Mauser rechnet nicht nur mit der Notwendigkeit der Booster-Impfung, um dem Coronavirus entgegentreten zu können: „Es wird eine vierte, fünfte, sechste, siebente Impfung geben. Das ist nicht aus nächstes Jahr.“ Auch wenn Omikron vielleicht nicht schlimmer im Verlauf sei als Delta: Wenn die neue Variante ansteckender sei, dann „haben wir im Frühjahr ein großes Problem. Es wird die fünfte Welle geben, wenn wir nicht die Geimpften zum dritten Stich und die Hälfte der Ungeimpften von der Impfung überzeugen.“ Die Impfpflicht im Februar komme für eine Welle im Frühjahr „zu spät“.

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