25.11.2021 10:17 |

Hunderte Flüchtlinge

Leoben, Semmering, Mürzsteg: Asylheime füllen sich

Die Zahl der Asylwerber steigt, auch in der Steiermark. Große Quartiere werden nach Jahren wieder aufgesperrt, etwa das Haus Semmering oder auch die Baumax-Halle in Leoben. Hier sollen diese Woche bereits 150 Personen eintreffen. Lokalpolitische Aufregung gibt es auch in Mürzsteg.

Er kann seinen Unmut ausdrücken, protestieren, telefonieren - aber selbst als Bürgermeister der zweitgrößten steirischen Stadt ist Kurt Wallner in dieser Sache machtlos: Seit dieser Woche leben wieder Flüchtlinge in der früheren Baumax-Halle in Leoben.

Es handelt sich dabei um ein Bundesquartier, sprich: Das Innenministerium entscheidet ganz alleine, ob und wie viele Asylwerber einziehen. Etwa 50 sind es schon, bis zum Wochenende sollen es 150 sein. Die Polizei wird, wie immer in solchen Fällen, den Streifendienst intensivieren.

„Ungeeignet für die Unterbringung von Menschen“
„Das war eine Verkaufsstelle, die Infrastruktur ist ungeeignet für die Unterbringung von Menschen“, ist Wallner nach wie vor unglücklich mit der Entwicklung. „Wir verlangen, dass die Halle zumindest nicht wie 2015 überfüllt wird.“

Proteste der FPÖ gegen das Quartier seien aber „unglaubwürdig“, meint der SPÖ-Stadtchef. „Es gibt viel geeignetere Orte, aber auch unter dem Innenminister Herbert Kickl blieb die Baumax-Halle als Reserve.“

Was allerdings nach wie vor für Verwunderung sorgt: Sowohl Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer als auch Soziallandesrätin Doris Kampus wurden bereits Anfang November vom Innenministerium über die Reaktivierung informiert, Bürgermeister Wallner ließ man dennoch im Unklaren....

Stockbetten sorgen für mehr Platz in Zimmern
Bereits seit zwei Monaten ist das „Haus Semmering“, ein ehemaliges Hotel in Steinhaus, nach jahrelangem Leerstand wieder aktiviert. Die anfängliche Aufregung in der Bevölkerung hat sich laut Bürgermeister Reinhard Reisinger gelegt, es gab bisher keine gröberen Zwischenfälle - und das, obwohl stets zwischen 250 bis 300 Asylwerber untergebracht sind.

In den Familienzimmern wurden Stockbetten aufgestellt, um Platz zu schaffen. 27 Nationen sind derzeit vertreten, der Großteil der Migranten kommt aus Syrien und Afghanistan. Reisinger: „Junge Männer sowie Familien halten sich in etwa die Waage.“

Wieder mehr Asylwerber in Mürzsteg
Für den Bezirk Bruck-Mürzzuschlag, in dem auch Steinhaus liegt, schlug am Mittwoch die FPÖ Alarm: Nachdem in Wegscheid (Gemeinde Mariazell) ein kleines Quartier wiedereröffnet wurde, würden nun auch im nahen Mürzsteg die Zahlen deutlich steigen. Das bestätigt auf „Krone“-Anfrage die Gemeinde Neuberg: Aktuell werden 58 Personen hier betreut. Das sei aber noch kein Vergleich zur Situation vor gut zehn Jahren, damals waren mehr als 200 Flüchtlinge im kleinen Ort.

Fakten

  • Wie viele Asylwerber in der Grundversorgung gibt es in der Steiermark?
    Laut Landes-Fachabteilung 2933 in Landes- und 700 in Bundesquartieren - in Summe 3633 Asylwerber. Vor exakt einem Jahr waren es 2451 (2366 in Landes- und 85 in Bundesquartieren), vor zwei Jahren 3274 (3204 in Landes- und 70 in Bundesquartieren).
  • Wie verlief die Entwicklung im Jahr 2021?
    In der Landesbetreuung äußerst konstant: Mitte Oktober waren dort mit 2683 Asylwerbern fast ebenso viele untergebracht wie Mitte Jänner und Mitte April. Der derzeitige große Anstieg ist also vor allem auf die wiedereröffneten Bundes-Großquartiere zurückzuführen. 
  • Wird der Trend weiter nach oben gehen?
    Davon ist auszugehen. Bis Ende September gab es in Österreich mehr als 23.000 Asylanträge - im Vorjahr waren es bis zum Oktober nicht einmal 10.000. Der Anstieg beträgt daher 134 Prozent! Experten rechnen über den Winter weiterhin mit verstärkten Aufgriffen.

Solche Meldungen und lokalpolitische Aufreger wird es künftig wieder öfters geben, denn die Zahl der in Österreich eintreffenden Migranten ist deutlich im Steigen. An der steirisch-slowenischen Grenze ist die Lage aber noch ruhig.

Von
Jakob Traby
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