16.11.2021 10:00 |

Kampf der Freien Szene

Das Theater mit Corona geht wieder von vorne los

Jetzt geht das Theater wieder von vorne los: Auf steigende Corona-Zahlen folgen unklare Vorgaben der Regierung und die steirische Theaterszene blickt einmal mehr mit Bauchweh in die Zukunft. Dennoch lassen es sich viele Gruppen nicht nehmen, die Krisen der Gegenwart zu thematisieren - im Notfall auf der virtuellen Bühne.

Monatelang waren die Theater im Lockdown, seit wieder gespielt werden darf, kämpft man mit sehr instabilen Besucherzahlen. Und nun blickt man einmal mehr in eine unsichere Zukunft: Kommt die nächtliche Ausgangssperre oder überhaupt der Lockdown für alle? Fällt schon bald wieder der Vorhang für die Bühnenkunst? Schultheater müssen schon auf ihre Aufführungen verzichten, auch in der Freien Theaterszene gibt es erste Absagen: Die Grazer Gruppe Julalena etwa hat bereits alle Vorstellungen ihrer neuesten Produktion abgesagt und lädt stattdessen zu Atelier-Besuchen. Weitere werden wohl folgen.

„Brisant“-Festival startet heute trotzdem
„Die neuerliche Unsicherheit ist mehr als frustrierend. Aber so lange es geht, wollen wir - natürlich unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen - live spielen“, sagt etwa Katharina Grilj von InterAct. Am heutigen Dienstag eröffnet man im Grazer Theater am Lend das zweiwöchige Festival „Brisant“ mit vier Produktionen, die sich mit den Krisen der Gegenwart beschäftigen: „Wir wollen Revue passieren lassen, wie sich unser Leben durch die vielen Herausforderungen der letzten Monate verändert hat.“

Typisch für InterAct tut man das in interaktiven Produktionen, in denen man auf die Erlebnisse der Zuseher zurückgreift: „Sie erzählen uns, was sie bewegt und berührt hat, und wir machen daraus Szenen“, so Grilj. Eine Bühne will man etwa den Hoffnungen der Jugend sowie den Herausforderungen für Familien und die Arbeitswelt geben. Und sollten die realen Bühnen tatsächlich wieder geschlossen werden, will man in den digitalen Raum ausweichen: „Wenn es nicht anders geht, werden wir die Produktionen als Stream anbieten.“

Theater im Bahnhof plant bereits virtuell
Den Schritt auf die virtuelle Bühne macht auch das Theater im Bahnhof - einmal mehr: Bereits geplante Live-Termine will man vorerst zwar noch spielen, doch eine für Dezember geplante Premiere wurde bereits abgesagt, stattdessen zeigt man ab 11. Dezember die Online-Produktion „Liebe Regierung“, in die man die Stimme des Volkes inkludiert. Dafür werden ab sofort Briefe aus der Bevölkerung gesammelt, die an ein Mitglied der Bundesregierung oder an andere politische Verantwortungsträger gerichtet sein sollen. Diese werden in der virtuellen Theaterarbeit aufgegriffen.

IG Theater fordert Hilfsmaßnahmen
Angesichts der Planungsunsicherheit durch die dramatische Covid-Lage fordert die IG Freie Theaterarbeit nun die Wiederaufnahme der bestehenden Hilfen, wie Überbrückungsfinanzierungen und Härtefallfonds: . „Die Künstler und Künstlerinnen brauchen eine Absicherung durch Förderungen, die die künstlerische Arbeit abgelten und sie unabhängiger von Live-Präsentationen machen. Sie müssen weiterarbeiten und alternative und neue spannende Formate finden können - etwa in digitalen Formen. Es darf nicht noch einmal zu kurzfristigen Vertragsauflösungen, Absagen, Verschiebungen und Produktionsstaus kommen - dies bringt sowohl Künstler als auch Veranstalter in große Bedrängnis“, sagt Ulrike Kuner, Geschäftsführerin der Interessensgemeinschaft.

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