05.11.2021 15:27 |

Prozess in Graz

Rache an Polizist: Zwölf Jahre Haft für Angreifer

Wegen versuchten Mordes an einem pensionierten Polizisten ist ein Steirer am Freitag zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Außerdem wurde eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verfügt. Die Messerattacke im April dieses Jahres war laut Staatsanwältin ein Racheakt wegen einer Festnahme im Jahr 1986, als der Beschuldigte einen Raub begangen hatte. Der Angeklagte fühlte sich nicht schuldig: „Ich wollte ihn nur in den Fuß stechen“, lautete seine Rechtfertigung.

Der 54-jährige Steirer verbrachte schon mehrere Jahre in Haft und auch in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Ein neues Gutachten bescheinigt dem Angeklagten zwar eine „grenzwertige intelligente Begabung“, der Sachverständige stufte ihn aber als zurechnungsfähig ein.

Attacke mit Messer in Bad Gleichenberg
Die Tat ereignete sich heuer im April in Bad Gleichenberg in der Oststeiermark. Das Motiv soll aber in einer Verhaftung begründet sein, die 35 Jahre zurückliegt. Damals nahm ein Polizeibeamter den Angeklagten fest, nachdem dieser eine Pensionistin beraubt hatte. Der Beschuldigte hatte damals angegeben, der Polizist habe ihn in die Genitalien getreten. Der Vorwurf erwies sich laut Gericht aber als haltlos. „Er leidet angeblich noch immer unter Schmerzen und Potenzproblemen und wollte sich rächen“, erläuterte die Anklägerin.

Zwei Schnittverletzungen
Der 54-Jährige steckte ein Küchenmesser ein und fuhr zu dem mittlerweile pensionierten Polizisten. „Warum?“, fragte Richter Erik Nauta. „Weil er mich zwischen die Füße getreten hat“, antwortete der Angeklagte. Er versuchte, sein Opfer in Brust und Bauch zu stechen, fügte ihm aber nur zwei leichte Schnittverletzungen zu. Bei der Einvernahme vor der Polizei sagte er nach der Tat, er habe den Mann töten wollen. „Damals hab ich viel Blödsinn z‘sammgeredet“, meinte er bei der Verhandlung.

Zweifel an Zurechnungsfähigkeit
Sein Verteidiger stellte den Tatvorsatz in Abrede: „Als Motiv eine Tat von vor 35 Jahren, die nie stattgefunden hat, das ist ein paranoider Wahn, sonst gar nichts“, führte der Anwalt aus und betonte, er habe „erhebliche Zweifel an der Schuld- und Zurechnungsfähigkeit“ seines Mandanten.

Das Opfer gab an, heute zwar keine Angst mehr zu haben - „da wäre ich in meinem Beruf fehl am Platz gewesen“ -, aber „lustig ist es nicht, besonders für meine Frau“.

Zwölf Jahre Haft
Die Geschworenen entschieden, dass es sich bei dem Angriff um einen Mordversuch gehandelt habe. Der Angeklagte wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt und muss - wieder - in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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