Schwerverkehr in NÖ:

Lkw-Lawine auf Autobahnen heuer so groß wie nie

Die Lkw-Lawine rollt unaufhörlich. Und sie baut sich immer weiter auf. Nachdem die Belastung durch den Schwerverkehr auf den heimischen Autobahnen und Schnellstraßen im Krisenjahr 2020 zurückgegangen war, ist sie mittlerweile mit voller Wucht zurückgekehrt – auf vielen Abschnitten sogar stärker als je zuvor.

Wer nahe der Südautobahn im Bezirk Mödling wohnt, hätte das wohl kaum gedacht – die Zahl der Lastwagen und Sattelschlepper, die in diesem Ballungsraum über die A…2 rollten, kann immer noch anwachsen. 3,25 Millionen Lkw-Fahrten wurden heuer von Jänner bis August hier verzeichnet. Das sind um 7,1 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum vor einem Jahr. Und sogar um über zwei Prozent mehr als 2019, also vor den Lockdowns der Coronakrise samt dem Zurückfahren der Wirtschaft. Das hat der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) jetzt anhand von neuesten Daten der ASFINAG analysiert.

Fast zehn Prozent Plus
Das Umland südlich von Wien ist die vom Schwerverkehr am meisten geplagte Region Niederösterreichs. Denn auch auf der Außenring-Autobahn bei Brunn am Gebirge sowie auf der S…1 bei Vösendorf lag die Zunahme des Lkw-Verkehrs binnen Jahresfrist bei mehr als elf Prozent. Und sogar gegenüber 2019 wurde bei letzterer Messstelle ein Plus von 9,4 Prozent registriert.

Ein ähnliches Bild bietet sich auf der S3 im Bezirk Hollabunn – plus 9,5 Prozent wurden seit 2019 in Göllersdorf, registriert. Es gibt allerdings noch gravierendere Steigerungen: Auf der Nordautobahn bei Eibensbrunn im Bezirk Mistelbach sind bis August um 10 Prozent mehr „dicke Brummis“ unterwegs gewesen als in Vorkrisenzeiten, auf der S1 bei Korneuburg sogar um 16,4 Prozent mehr. In absoluten Zahlen geht es auf diesen Straßenabschnitten im Weinviertel um knapp 300.000 bis eine Millionen Lastwagen innerhalb von acht Monaten.

Schwerverkehr gefährdet Erreichen der Klimaziele
„Die Lkw-Lawine ist in Niederösterreich heuer in vielen Bereichen so groß wie noch nie“, zieht Michael Schwendinger vom VCÖ Bilanz. Und der Fachmann warnt: „Zwar ist der Transport von Gütern unverzichtbar, aber es ist ebenso unverzichtbar, diesen so klimaverträglich wie möglich zu gestalten.“ Sonst werde man die Klimaziele verfehlen – und das würde Österreich unterm Strich Milliarden kosten.

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Letztlich geht es um die Frage, in welchem Zustand die Generation der heute Erwachsenen die Umwelt ihren Kindern und Enkeln hinterlässt.

Michael Schwendinger, Ökonom vom Verkehrsclub Österreich

Schwendinger fordert daher verstärkte Investitionen im sogenannte betriebliche Gleisanschlüsse, vor allem in Sachen Förderungen deren Gleichstellung mit Anbindungen ans Straßennetz: „Denn diese werden ja auch großteils von der öffentlichen Hand finanziert.“ Die Rechnung der VCÖ-Experten: „Werden Güter mit der Bahn statt mit Lkw befördert, reduzieren sich die  CO2-Emissionen beim Transport um 95 Prozent.“ Weniger Straßenschäden und geringeres Unfallrisiko gibt es als Draufgabe dazu.

Jeder kann mithelfen
Doch auch jeder einzelne kann im Alltag zur Minderung der Lkw-Lawine beitragen, sagt Schwendinger: „Langlebige heimische Produkte statt Ware aus fernen Kontinenten kaufen, regionale und saisonale Lebensmittel bevorzugen sowie reparieren statt wegwerfen.“

Christoph Weisgram
Christoph Weisgram
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