20.10.2021 21:00

#BRENNPUNKT-TALK

VP-Urgestein: „Sebastian Kurz nicht unterschätzen“

Der langjährige ÖVP-Abgeordnete und Nationalratspräsident Andreas Khol mahnt im #brennpunkt-Talk mit Katia Wagner davor, den gefallenen Ex-Kanzler Sebastian Kurz frühzeitig abzuschreiben. Auch von einer türkisen Krise möchte er nicht sprechen: „Das ist kein Rumpeln, das ist ein Mailüfterl“, konstatiert er im Talk. Das sehen seine Mitdiskutanten bei #brennpunkt allerdings etwas anders…

So entgegnet etwa die Strategieberaterin und langjährige Pressechefin von ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel, Heidi Glück, dass derzeit lediglich eine „Schockstarre“ die ÖVP zusammenhalten würde. Sie wird deutlich: „Das ist die größte Krise der Partei, sie muss sich neu erfinden“. Abschreiben würde sie Sebastian Kurz aber trotzdem nicht: „Wenn es keinen besseren gibt, werden Sie ihn wieder aufstellen“. Nachsatz: „Außer es kommen noch irgendwelche Chats“.

Erste Minister gehen auf Distanz zu Kurz
Ähnlich sieht das auch Krone-Journalistin Doris Vettermann. Die „Fanbase“ von Kurz sei in der Ministerriege mittlerweile nicht mehr „lückenlos“, die ersten hätten bereits mit ihm abgeschlossen und würden auf Distanz gehen. Die andere Seite, die noch „extrem“ zu ihm halten und auch an seinem Comeback arbeiten würden, würden laut Vettermann an einer „Realitätsverweigerung“ leiden.

Meinungsforscher: „Hab mir meinen Teil bei den Umfragen gedacht“
Einblicke in das Geschäft der Umfragen gab Meinungsforscher Christoph Haselmayer vom IFDD Institut. Das, was besagtem Institut angelastet wird, „geht gar nicht“, so Haselmayer: „Es gibt überall schwarze Schafe, offensichtlich auch bei uns“. Erinnerlich sei ihm eine Umfrage, als seine Zahlen 35 Prozent für die Türkisen ergaben, während sie bei in Rede stehendem Institut bei 39 Prozent lagen: „Da hab ich mir meinen Teil gedacht“, erinnert er sich.

Khol (ÖVP) besorgt, dass Chats an die Öffentlichkeit kamen
Die deftigen Ausdrücke in den Chats haben den ehemaligen Nationalratspräsidenten Andreas Khol nicht erschüttert. Die seien maximal „juvenil“ und die Nachrichten seien nicht für andere bestimmt gewesen. Ihn würde vielmehr besorgen, dass Handys beschlagnahmt werden „wie ein Päckchen Waschpulver“ und die Chats an die Öffentlichkeit kamen.

Kleinparteien haben Potenzial von 7 Prozent
Diese „Erzählung“ der ÖVP - dass die Veröffentlichung der Chats der größere Skandal seien - stößt Vettermann sauer auf. „Den Menschen steht das zu, zu wissen, wie die Regierenden ticken“. Auch Glück sieht es differenziert: Die Begrifflichkeiten seien sekundär, es gehe darum, „wie man Macht ausübt“.

Politikexperte Haselmayer sieht in seinen Daten, dass die Bevölkerung die Ereignisse der letzten Wochen nicht auf die leichte Schulter nimmt: „Die sind angefressen und denken sich, dass das alles Gauner seien“. Diese Gemengelage sei ein Potenzial für Kleinparteien wie die MFG: Sie würden heute 6-7 Prozent machen.

Nächstes Jahr Neuwahlen?
Einig ist man sich, dass die ÖVP Gesprächsbedarf hat. Die Politikberaterin Glück würde der ÖVP raten: „Sofort in Klausur gehen und sich überlegen, wie man sich neu aufstellen kann“. Das sollte - wenn es nach Journalistin Vettermann geht - bald geschehen, denn „es wird bald Neuwahlen geben“.

Ein Comeback ist jedenfalls ausgeschlossen - und zwar das von Andreas Khol. Auf die Frage, ob er der ÖVP als Spitzenkandidat zur Verfügung stünde, schmunzelt er: „Meine Zukunft ist die Vergangenheit“.

Den nächsten #brennpunkt mit Katia Wagner spielt es nächsten Mittwoch um 20.15 Uhr auf Krone TV! Schalten Sie ein!

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