10.10.2021 09:00 |

Südoststeiermark

Eine einzige Kassen-Gynäkologin für 40.000 Frauen

Im Bezirk Südoststeiermark gibt es aktuell nur eine einzige Gynäkologin mit einem Kassen-Vertrag. Für etwa 40.000 Frauen bedeutet das hohe Wahlarzt-Kosten. Eine Betroffene will nicht mehr länger schweigen: „Mit meiner kleinen Pension muss ich mich zwischen einem Arztbesuch und einem Einkauf entscheiden!“

40 Minuten Fahrt sind es von Feldbach nach Mureck. Dort ordiniert die letzte Kassen-Frauenärztin im ganzen Bezirk Südoststeiermark. Die fünf weiteren Gynäkologen arbeiten allesamt als Wahlärzte. Für Patientinnen bedeutet das, dass sie die Behandlung bezahlen müssen und dann teils von der Krankenkasse zurückerstattet bekommen.

Für eine Pensionistin aus Feldbach ist die Situation so nicht mehr tragbar. „Ich habe eine kleine Pension und kann mir keine Behandlung leisten“, sagt sie. „Viele junge Frauen, die dann vielleicht weniger oft zur Vorsorgeuntersuchung gehen, belastet das! Und die werdenden Mütter...“ Eine „Farce“ sei das, so die Pensionistin. „Und ich habe mein ganzes Leben lang Krankenkassen-Beiträge einbezahlt.“

Auch andere steirische Bezirke betroffen
Ähnlich ist die Situation im Bezirk Voitsberg. Von sieben Gynäkologen haben nur zwei einen ÖGK-Vertrag. In Murau und Murtal gab es lange Zeit das gleiche Problem. Zum Vergleich: Im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag gibt es sechs Kassen-Frauenärzte.

Woran liegt der eklatante Mangel? Einerseits ist es die Pensionierungswelle, die auch vor der Gesundheitsversorgung keinen Halt macht. Andererseits bietet das Wahlarzt-Modell größere Flexibilität für Ärztinnen und Ärzte, die selbst junge Eltern sind. Und nicht zuletzt „hat die Kassenmedizin seit Jahren ein Attraktivitätsproblem bei Patienten ebenso wie bei Ärzten“, heißt es von der Ärztekammer.

ÖGK: Nachbesetzungen ab Anfang 2022
Die Österreichische Gesundheitskasse versichert, dass die zwei Gynäkologie-Planstellen in Feldbach bis Anfang 2022 nachbesetzt werden. In Voitsberg und Köflach ist jeweils eine Stelle ausgeschrieben – bis jetzt hat sich aber „nicht der gewünschte rasche Erfolg“ in der Nachbesetzung eingestellt, so ein Sprecher.

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Es gibt immer weniger Ärzte, die bereit sind, die Versorgungsverantwortung zu übernehmen. Damit kämpfen sowohl die Gesundheitskasse als auch die Länder in den Spitälern.

Juliane Bogner-Strauß, Gesundheitslandesrätin (ÖVP)

Wer eine schwer zu besetzende Stelle übernimmt, kann für eine neu gegründete Einzelordination 70.000 Euro Förderung bekommen, für eine Gruppenpraxis sogar 105.000 Euro. Zudem sei das Gehalt für Gynäkologen stark erhöht worden, so die ÖGK – und man kann sich zwecks Flexibilität eine Kassenpraxis teilen.

Die steirische Landespolitik hält sich zurück und verweist auf die Verantwortung der Krankenkasse.

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