04.10.2021 08:00 |

Grazer Oper:

Bilderflut in Verdis „Die Macht des Schicksals“

Mit voller Härte schlägt die Macht des Schicksals in Verdis Oper zu. Noch verstörender ist aber die Bilderflut, die Regisseurin Eva-Maria Höckmayr aus dem katholischen Kanon schöpft. Zum Glück setzt Dirigent Matteo Beltrami auf die feine Klinge und fächert bereits in der Ouvertüre ein Kaleidoskop an Emotionen auf.

Musikalisch lässt diese Produktion ohnehin kaum Wünsche offen. Unter Beltramis fein nuancierter Lesart der Partitur entfalten die hoch konzentriert spielenden Grazer Philharmoniker eine erstaunliche Bandbreite an Emotionen, die auch von den Sängern perfekt umgesetzt wird. Aurelia Florian als vom Schicksal gebeutelte Leonora berührt mit ihrer zarten lyrischen Stimmführung ebenso wie mit leidenschaftlicher Rauheit. Seinen Tenor lässt dazu Aldo Di Toro als ihr vom Unglück verfolgter Geliebter Alvaro in prächtigen Facetten strahlen, und Jordan Shanahan verleiht dem rachsüchtigen Bruder Don Carlo mit seinem kraftvollen Bariton beklemmende Intensität.

Erstklassige Besetzung
Auch die kleineren Rollen sind exquisit besetzt, Wilfried Zelinka ist ein so nobler wie ungnädiger Vater, Mareike Jankowski als Wahrsagerin Preziosilla eine erotische Göttin des Glücks. Timo Riihonnen hüllt den Padre Guardiano in seinen warmen Bass und Neven Crnić verleiht dem Fra Melitone nicht nur Stimmgewalt, sondern auch darstellerische Finesse. In noch kleineren Rollen haben Ivan Oreščanin, Mario Lerchenberger, Dariusz Perczak und Corina Koller große Momente.

Rätselhafte Regie
So berührend die Geschichte der unglücklich Liebenden, die an Rache, Hass und unüberwindbaren Ehrbegriffen scheitern, musikalisch umgesetzt ist, so wenig erschließt sie sich in der Regie von Eva-Maria Höckmayr. Sie entfesselt eine Bilderflut, in der Da Vincis „Abendmahl“ und El Grecos düstere Heiligenbilder ebenso Platz finden, wie Kriegsdarstellungen quer durch die Jahrhunderte, die Frivolität der französischen Varietés oder die barocke Prunksucht der katholischen Kirche. Das Bühnenbild (Momme Hinrichs, von ihm stammen auch die anfangs noch spannenden Video-Einspielungen) erinnert an einen gotischen Flügelaltar oder einen Tabernakel, Leonoras Vater muss in einem gläsernen Reliquien-Sarg ausharren, und Julia Röslers Kostüme sind ähnlich eklektisch wie der Rest.

Wenig ist Höckmayr zum im Werk sehr präsenten Thema Krieg eingefallen. Das Anwerben der Soldaten, die Begeisterung, die hier immer wieder aufblitzt, und die damit einhergehende Not, könnte man heutzutage kritisch durchleuchten.

Bilder statt Inhalt
Man fragt sich ohnehin, welche Geschichte die Regisseurin hier erzählen will? Geht es ihr um das katholische Spanien mit seinem Ehrbegriff, geht es um eine launische Schicksalsgöttin oder reicht ihr einfach der Bilderzauber, der einen erschöpft, aber auch leer zurücklässt?

Alle Infos und Karten bekommt man hier.

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