17.09.2021 19:00 |

Grazer Schauspielhaus

Saisoneröffnung mit Alexander Eisenachs Gruselshow

Themen wie eine Seuche, die die Menschheit ausrottet, der Tod in vielen Varianten und die Diskussion um Demokratie finden sich in Mary Shelleys „Der letzte Mensch“. Regisseur Alexander Eisenach bringt sie in seiner krachenden Version auf die Bühne des Grazer Schauspielhauses. Und selten war eine Dystopie so unterhaltsam, so prall an Leben wie diese Tour de Force.

Es ist ein düsteres Szenario, das Mary Shelly in „Der letzte Mensch“ entwirft. Doch in ihr Werk, das von der Selbstvernichtung des Menschen durch eine Seuche erzählt, mischt sie auch eine ganze Reihe philosophischer Abhandlungen über Demokratie und Monarchie, über das gesellschaftliche Leben, Natur, Technologie und umrankt zuletzt alles mit einer eigenwilligen Liebesgeschichte.

Schauerliches Science-Fiction-Spektakel
Regisseur Alexander Eisenach, versierter Umwandler von Romanen für die Bühne („Frequenzen“, „Zauberberg“, „Vernon Subutex“), kann also aus dem Vollen schöpfen. Und das tut er, fügt diesem prallen Konvolut noch einiges hinzu und erschafft so ein schauerliches Science-Fiction-Spektakel, in dem es blitzt und kracht und in dem mit Verve gestorben wird. Er nutzt genussvoll jede Möglichkeit, den vollen Zauber des Theaters vorzuführen und ihn in der Bühne von Daniel Wollenzien, mit Oliver Rossols Video und Claudia Irros Kostümen auf die heutige Vielfalt der Erzählmöglichkeiten abzuklopfen. Was für ein Vergnügen!

Galgenhumor im Angesicht des Weltuntergangs
Eine durchgehende Handlung gibt es nicht, vielmehr erzeugen fantastische Bilder und drängend vorgebrachte Monologe eine schaurige Grundstimmung, in der ein schwarzes Bild der Zukunft gezeichnet wird. Die Seuche, die die Menschheit ausrottet, ist allgegenwärtig, da verliert selbst ein von Mary geschaffenes Monster, das dem neoliberalen Kapitalismus huldigt, schnell an Schrecken. Wie überhaupt angesichts des dräuenden Weltuntergangs nur noch Galgenhumor hilft.

Fest für die Schauspieler
Für die Schauspieler ist dieser Abend ein gefundenes Fressen. Hier können sie alles geben und tun das auch mit Leidenschaft. Allen voran die umwerfende Henriette Blumenau als Mary Shelley. Ihr zur Seite Mathias Lodd als Percy Bysshe Shelley und Florian Köhler als Lord Byron. Aber auch Alexej Lochmann, Clemens Maria Riegler, Fredrik Jan Hofmann, Lisa Birke Balzer und Raphael Muff gefallen in dieser fast dreistündigen Theater-Tour de Force. Ein pandemischer Befreiungsschlag, der ziemlich viel Spaß macht!

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