07.09.2021 19:00 |

Kaum Familienhelfer

Wenig Unterstützung für Familien in Notsituationen

Wenn in einer Familie ein Elternteil krank wird, verstirbt oder aus einem anderen Grund ausfällt, sollen eigentlich diplomierte Sozialbetreuer für Familienarbeit, sogenannte Familienhelfer, einspringen. Sie führen den Haushalt, betreuen die Kinder, pflegen weitere Angehörige. Doch das System funktioniert - vor allem im Unterland - nicht gut. Es mangelt an verfügbaren Kräften.

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„Im letzten Schwangerschaftsmonat hatte ich einen Beckenbruch“, schildert Sabine Eder (Name von der Redaktion geändert), wie ihre Leidensgeschichte im Frühjahr 2021 begann. Ihr Mann ist selbstständig, es galt, ein Neugeborenes und ein 15 Monate altes Kind zu versorgen. Daher suchten die Eltern um einen Familienhelfer an. Da es in ihrer Gemeinde im Unterland kein solches Angebot gibt, bekam man gegen einen Selbstbehalt eine Familienhelferin aus dem Nachbarort. Allerdings nur vier Wochen lang für je zwei Stunden an vier Tagen pro Woche. Danach – laut Eder wurden die Besuche aus Kostengründen nicht verlängert – musste die Familie eine andere Lösung suchen.

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Es wäre gut, wenn kontinuierlich acht Stunden fünf Tage die Woche jemand da ist. Dann könnten sich auch die Kinder an die Person gewöhnen.

Sabine Eder

Zwar gibt es einige Angebote, die Familien in Notsituationen unterstützen. Keines davon allerdings in jenem Ausmaß, in dem das Familienhelfer tun. So sind die Eders auf die Unterstützung durch ihr Umfeld angewiesen, was keine ideale Lösung ist. Und sie sind nur eine Familie von vielen in ähnlichen Situationen.

Caritas als Hauptträger
Vor Jahren gab es mehr Angebote, wie das Land erklärt: „Die Familienhilfe war früher über den Pflegebereich organisiert und im Rahmen des Sozialpaktums finanziert.“ Weil es aber unterschiedlichen Bedarf in den Gemeinden gegeben habe, sei Familienhilfe und deren Finanzierung nun deren Sache. Daher gibt es keine einheitliche Handhabe.

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Der Bedarf kann derzeit nicht gedeckt werden, außer rund um Innsbruck. Ziel ist, dass es pro 15.000 Einwohner einen Sozialbetreuer für Familien gibt.

Georg Schärmer, Caritas-Direktor a. D.

Die Mehrzahl an Familienhelfern in Tirol stellt die Caritas – hauptsächlich in Innsbruck und Osttirol. „Momentan gibt es nicht mehr als zehn bis fünfzehn Familienhelfer“, schätzt der frühere Caritas-Direktor Georg Schärmer. Und die Zuständigkeit erstreckt sich nicht über ganz Tirol: Das Unterland gehört zur Erzdiözese Salzburg.

Derzeit laufen Gespräche
Mittlerweile steht die Familienhilfe wieder im Regierungsprogramm. Daher gibt es derzeit Gespräche zwischen Land Tirol und Caritas über ein Pilotprojekt. Im Dezemberlandtag soll das Budget dafür beschlossen werden. Dann könnte es bald wieder genug Familienhelfer in Tirol geben. Ob auch das Unterland etwas davon hat? Noch gibt sich die Erzdiözese Salzburg zurückhaltend: „Wir warten ab, was das Land mit der Caritas Innsbruck bespricht, und dann werden wir uns einschalten.“

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