Racker im Vormarsch

Putzige Waschbären als ungebetene Gäste

Er ist putzig, klug und führt sich auf wie ein Frechdachs! Menschen tut der Waschbär nichts zuleide, doch immer öfter dringt er sogar in Häuser ein. Draußen in der Natur ist der kleine Racker ein gefürchteter Vogelräuber.

Auf „einige hundert Exemplare“ schätzt der anerkannte Wiener Umweltexperte Helmut Belanyecz die Zahl der Waschbären in heimischen Gefilden. Doch so genau weiß selbst er nicht, wie viele es sind. Denn die nächtlichen Herumtreiber sind echte Heimlichtuer. Bei Besuchen in der Dunkelheit hinterlassen sie allerdings ungeniert Verwüstung im Garten - und verräterische Spuren wie angebissenes Obst oder zerbrochene Eierschalen.

Nur wachsame Hunde, die nachts frei herumlaufen, können so einem „Schupp“ - wie er waidmännisch genannt wird - das einmal eroberte Revier streitig machen. Und vielleicht auch der Wolf. Doch der ist ja (noch) nicht in die Stadtwildnis vorgedrungen. Auf Bildern aus Fotofallen ist jedenfalls dokumentiert, wie ein Isegrim einen erbeuteten Waschbären im Maul davonträgt. Sonst aber galoppiert der Frechdachs unbehelligt durch seine immer ausgedehnteren Lebensräume und vermehrt sich dort auch immer prächtiger.

Ausgangspunkt war ein Bombenangriff auf eine Zuchtstation 1945
Dass er bei uns überhaupt vorkommt, ist einem Modetrend aus den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrtausends zu verdanken. Denn der kleine Nordamerikaner, der sich sogar bis nach Panama durchschlägt und dessen Artverwandte sich selbst auf Karibikinseln wie den Bahamas oder Guadeloupe wohlfühlen, wurde wegen seines Pelzes importiert und zunächst im damaligen Deutschland intensiv gezüchtet. Nach einem alliierten Bombenangriff, der in Brandenburg 1945 eine Zuchtanlage traf, entsprangen zwei Dutzend Individuen in die Freiheit.

Seither ist der zoologisch zu den Kleinbären gezählte Säuger, dessen Urahnen sich laut Fossil-Funden schon vor 25 Millionen Jahren auf dem Antlitz dieser Erde herumtrieben, unbeirrt auf dem Vormarsch, auch in die Städte. Vor allem in Oberösterreich rund um Gmunden und Bad Ischl machte sich der Waschbär zuletzt massiv bemerkbar. Auch aus dem Waldviertel im Norden Niederösterreichs werden Sichtungen gemeldet. Forscher der Veterinärmedizinischen Universität in Wien glauben, dass das mit der Zuwanderung aus dem Norden zu tun hat.

Vielfraß schnappt sich alles, was er zwischen die Tatzen bekommt
Definitiv hilft dem schon im Bericht einer Kolumbus-Expedition beschriebenen Bioinvasor, dass er ein fantastischer Schwimmer und noch geschickterer Baumkraxler ist. Deswegen muss er fast niemals Hunger leiden. Denn der Räuber schnappt sich, was er zwischen die Tatzen bekommt. Genau deswegen ist der Vielfraß aber selbst bei den Öko-Gralshütern des Naturschutzbundes nicht beliebt. Denn kaum hat der Racker etwa ein Gelege der akut vom Aussterben bedrohten europäischen Sumpfschildkröte entdeckt, ist dieses schon verschlungen. Das aber mit einer derartigen Gier, dass auch bei Vogeleiern im Nest nichts übrig bleibt. Auch Reptilien wie Frösche sind nicht vor ihm sicher.

Seinen Namen verdankt er der Eigentümlichkeit, Nahrung vor dem Verzehren ins Wasser zu tauchen und hier zwischen den Vorderpfoten zu reiben - sie gleichsam zu waschen.

Zum Überlebenskünstler machen den Waschbären sein feines Gehör, mit dem er sogar Regenwürmer unter der Erde wahrnimmt und spezielle Tasthaare über den Krallen, mit deren Hilfe er Gegenstände noch vor dem eigentlichen Anfassen erkennt. Da sind aber auch seine Intelligenz und das phänomenale Gedächtnis, mit dem der Schupp selbst eine vor Jahren gestellte Aufgabe jederzeit wieder löst. Das stellt den Schupp auf eine Stufe mit klugen Rhesus-Affen. Kein Wunder, dass er bisweilen in Garten und Wohnungen ein Schnippchen schlägt und wir ihn dann nicht mehr los werden ...

Besuch vom Waschbären ...
... erhielt Ex-„Bild“-Chef Kai Diekmann in seinem Haus in Potsdam (Deutschland). Gleich sechs Exemplare trieben ihr Unwesen und waren nur mit Mühe wieder loszuwerden.

Fotos vom Einbruch ins Gäste-Bad und dem Abtransport postete er auf Facebook und Twitter.

Mark Perry
Mark Perry
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Samstag, 25. September 2021
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