20.07.2021 09:52 |

„Kein Einheitsbrei“

300 Millionen Euro-Umbau des ORF nimmt Gestalt an

Mit der Neugestaltung des ORF-Zentrums am Wiener Küniglberg möchte der ORF seine Kanäle zukunftsfit machen. Das 300 Millionen Euro schwere Projekt befindet sich seit mittlerweile zwei Jahren in Bau - nach der Fertigstellung müsse das Konzept einen Vergleich mit Google und Facebook nicht scheuen, zeigte sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bei einer Begehung sicher.

Der neue, multimediale Mediencampus liege dabei nicht nur zeitlich, sondern auch budgetär im Plan. Noch würden sich die Mitarbeitenden dort freilich nicht wohlfühlen, stehen doch Paletten herum und hängen Kabel von den Wänden. Bis Ende des zweiten Quartals 2022 dürfte sich das aber ändern, wenn mit der Besiedelung am Küniglberg begonnen wird.

„Verbindung zur Natur“
Die insgesamt 411 vorgesehenen Mitarbeiter (337 in den diversen Redaktionen, 15 in einer aktuellen Grafik-Mannschaft, 49 in der Technik und zehn in der multimedialen Programmwirtschaft) werden sich auf 3500 Quadratmeter Nettoraumfläche einfinden. Ein nach oben offenes Atrium ist mit Erlen bestückt und verbessert die Lichtverhältnisse. Zudem fungiere es als Verbindung zur Natur, wie der Architekt Paul Jung erklärte.

„Maximale Multimedialität“
Im Erdgeschoss ist das Herzstück in Form des Newsdesks angesiedelt, der künftig für Monitoring, Verifikation, Kurznachrichten, aktuelle Online-Nachrichten, aber auch soziale Medien zuständig ist. In Blickweite befinden sich die Journalstudios sowie ein neues großes Newsstudio. Über eine Stiege gelangt man zu den multimedialen Ressorts, Sendungsteams und zu Ö3. In den Räumlichkeiten von Ö3 findet sich künftig auch ein Studio mit Aufnahmemöglichkeit in Bild und Ton für kleinere Bands.

Im Obergeschoß ist zudem Platz für Ad-Hoc-Ressorts, wo etwa investigativ gearbeitet werden kann. „Am Newsdesk setzen wir auf maximale Multimedialität, bei den Sendungs- und Plattformteams zielen wir auf Diversität ab, um keinen Einheitsbrei zu erzeugen“, erklärte Wrabetz.

Ö1 räumlich abgekoppelt
Der Newsroom bietet den ORF-Mitarbeitenden künftig einen phänomenalen Blick über Wien. „Sicher einer der besten Büroblicke, die man haben kann“, meinte Projektleiter Pius Strobl. Für zusätzliche Aufenthaltsqualität soll eine rund um den mit Glasfassaden ausgestatteten Newsroom angelegte Terrasse mit angrenzenden Grünflächen sorgen.

An einer Begegnungszone vorbei gelangt man zu Ö1. Der Sender ist räumlich entkoppelt vom Hauptbau. „Die Besonderheit von Ö1 spiegelt sich in einem eigenen Gebäude wider, das aber dennoch in Nähe zum Newsroom ist“, erklärte Wrabetz. Dort sind ausgewählte Studios zusätzlich mit der Möglichkeit der Bildproduktion ausgestattet.

TikTok-Kanal startet im Herbst
Prinzipiell solle der Newsroom nicht nur dazu dienen, die bestehende Produktpalette weiterzuentwickeln, sondern auch Raum und Kapazität durch Synergien für neue Produkte zu schaffen. Ein derartiges neues Produkt sei etwa die Präsenz des ORF auf TikTok. Damit werde man Anfang September starten, kündigte Wrabetz an. Zwei Präsentatoren - eine Frau und einen Mann - habe man bereits gefunden.

Generaldirektor-Wahl geht in heiße Phase
Der ORF-Generaldirektor bekräftigte, dass die Führungspositionen für den multimedialen Newsroom noch heuer und damit knapp vor der Amtszeit des nächsten Generaldirektors oder auch der nächsten Generaldirektorin besetzen zu wollen, „damit mit Beginn des nächsten Jahres jeder weiß, wofür er oder sie verantwortlich ist“. Im September soll die Geschäftsordnung vorgelegt und im Anschluss die jeweiligen Führungspositionen ausgeschrieben werden.

Zu der in der Vorwoche bekannt gewordenen Kandidatur von ORF 1-Channelmanagerin Lisa Totzauer äußerte sich Wrabetz nur knapp. Er wolle nicht jeden Bewerber einzeln kommentieren. In der Vergangenheit betonte er, dass sich niemand vor einer Kandidatur - auch nicht aus dem eigenen Unternehmen - fürchten müsse.

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