08.07.2021 09:00 |

Forderungen an Politik

Schulterschluss gegen den Wolf in Westendorf

„Der Wolf hat bei uns keinen Platz“, waren sich am Mittwoch zahlreiche Bauernvertreter, Ortschefs und der TVB in Westendorf einig. Nachdem dort innerhalb einer Woche vermutlich 28 Schafe nach mutmaßlichen Wolfsangriffen verendeten, haben die Bauern die verbliebenen Tiere wieder ins Tal gebracht (die „Krone“ berichtete).

Noch immer sind nicht alle Schafe wieder im Tal. „Früher haben sie aus der Hand gefressen“, erzählt Bauer Christian Ehrensberger. Nun, nach dem Wolfsangriff, seien die Tiere so verstört, dass man nicht mehr an sie herankäme. „Es war ein Gemetzel“, schildert die Westendorfer Tierärztin Jutta Strele. Sie versorgte nach den Rissen am vergangenen Samstag verletzte Tiere, musste auch eines einschläfern. „Ich habe schon viel erlebt, aber so grausig war es noch nie.“ Die rosarote Seifenblase rund um das Thema Wolf müsse enden, es gehöre aufgeklärt. Zäune oder Herdenschutzhunde hält die Tierärztin für unrealistisch.

Für Westendorfs Ortsbauernobmann Peter Pirchl ist es bereits „fünf nach zwölf“. Er will, „dass das sofort ein Ende hat“. Pirchl fordert von LH Günther Platter und Stellvertreter Josef Geisler bis Ende der Woche eine klare Stellungnahme. Wenn nichts geschehe, werde man mit Unterstützung der Brixentaler Tourismusverbände Druck machen, etwa mit dem Sperren von Almwegen.

TVB und Gemeinden stehen hinter Bauern
Toni Wurzrainer, Obmann des TVB Kitzbüheler Alpen, stärkt den Westendorfern als Vertreter beider Tourismusverbände den Rücken: „Das hat nichts mit Tourismusinteressen zu tun, sondern ist eine allgemeine Agenda. An den Almen hängt eine ganze Wertschöpfungskette.“ Stellvertretend für alle Gemeinden des Brixentales stellt sich auch der Hopfgartener Bürgermeister Paul Sieberer hinter die Bauern. „Die Politik ist gefordert, und zwar unter Umständen nicht nur die Landespolitik.“

Zitat Icon

Ich fordere eine klare Stellungnahme bis Ende der Woche von Josef Geisler und Günther Platter. Wir haben bisher nichts gehört.

Peter Pirchl, Ortsbauernobmann von Westendorf

Die stellvertretende Präsidentin der Tiroler Landwirtschaftskammer Helga Brunschmid sieht ebenfalls die Politik in der Verantwortung und fordert: „Der Wolf hat Platz auf der Welt, aber nicht überall. Es muss ausgewiesene Gebiete geben, wo er entnommen werden darf.“ Die Schafbauern sind sich indes einig, dass es auf Dauer nicht ohne Almen geht. Die Bergschafe im Sommer im Tal zu halten, sei nicht tierfreundlich. Einige würden ans Aufhören denken, wenn durch weitere Wolfsrisse der Almgang künftig ausbliebe.

Nicole Greiderer
Nicole Greiderer
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