Nager im Porträt

Siebenschläfer ist Tier des Jahres

Tierecke
05.07.2021 06:44

Der kleine, flinke Kletterer hat ein dichtes Fell, große dunkle Knopfaugen und kleine Ohren. Er ist nachtaktiv und macht seinem Namen alle Ehre: Der Siebenschläfer ist nämlich Weltrekordhalter, wenn es um den Winterschlaf geht. 2021 wurde der Nager vom Naturschutzbund Österreich zum Tier des Jahres ernannt. An der Vetmeduni Vienna widmen sich ForscherInnen dem Siebenschläfer eingehend anhand unterschiedlicher Forschungsprojekte.

Durch die Ernennug zum Tier des Jahres 2021 soll unter anderem auf die Gefährdung des kleinen Nagers sowie auf seinen Lebensraum aufmerksam gemacht werden. Am wohlsten fühlen sich die Nager auf Bäumen. Laub- sowie Laubmischwälder zählen zu ihrem bevorzugten Habitat. Der nachtaktive, flinke Kletterer findet unter anderem auch Unterschlupf in Gartenhäusern, unbewohnten Nistkästen oder auf Dachböden. Sein Poltern und Pfeifen verraten ihn oft.

Rettungsaktion
Vor einigen Jahren zog „Krone“ Tierexpertin Maggie Entenfellner sechs verwaiste Siebenschläfer auf und rettete damit das Leben der kleinen Nager. Zwei Mädchen hatten die hilflosen Tiere auf dem Boden einer Reithalle gefunden - sie wären ein gefundes Fressen für eine Katze oder von Pferdefüßen zertreten worden. Drei Wochen lang wurden die kleinen Siebenschläfer alle paar Stunden gefüttert - auch während der Nacht!

Goldig und putzmunter: Siebenschäfer sind sehr aktiv und abenteuerlustig (Bild: Maggie Entenfellner)
Goldig und putzmunter: Siebenschäfer sind sehr aktiv und abenteuerlustig
Zitat Icon

Es war eine sehr anstrengende aber auch unvergessliche Zeit, ich war quasi rund um die Uhr mit den Kleinen beschäftigt. Aber ich konnte meine "Mäuse" nicht einfach ihrem Schicksal überlassen.

Maggie Entenfellner, Tierschützerin

So anspruchsvoll die Pflege der Findelkinder auch war - es hat sich ausgezahlt. Alle konnten erfolgreich ausgewildert werden, nachdem sie im Freigehege eines Wildtierinstituts genug an Gewicht zugelegt hatten. Einem Leben in der freien Natur stand nichts mehr Weg, und sie haben es hoffentlich bis zum nächsten Winter geschafft.
Siebenschläfer sind übrigens Weltrekordhalter, wenn es um den Winterschlaf geht. Die Tiere ziehen sich dafür in manchen Jahren bis zu 11 Monate in ihren Unterschlupf zurück. Der Siebenschläfer nutzt den Winterschlaf, um die kalte, nahrungsarme Jahreszeit zu überleben und seinen Fressfeinden auszuweichen.

Große Anpassungsfähigkeit
Futtersuche betreibt der Siebenschläfer vor allem in Baumkronen. Gerne nutzt er auch Obstbäume und Sträucher als Nahrungsquelle. Hoch im Kurs stehen hauptsächlich energiereiche Nüsse, Samen, Eicheln, Bucheckern, Obst, Knospen, Beeren und Blüten. Siebenschläfer sind Meister in der Familienplanung:
In sogenannten Mastjahren, in denen die Buchen und Eichen fruchten und es viele Bucheckern und Eicheln gibt, erblickt besonders viel Nachwuchs das Licht der Welt. Allerdings können Buchen maximal alle zwei Jahre Samen produzieren. Fehlen diese Samen, in sogenannten Mast-Ausfalljahren, kann es für ganze Populationen zum Ausfall der Paarung und Jungenaufzucht kommen.

Maggie Entenfellner als „Leihmutter“ mit einem der Schützlinge. (Bild: Maggie Entenfellner)
Maggie Entenfellner als „Leihmutter“ mit einem der Schützlinge.

„Siebenschläfertag“ 
Der sogenannte „Siebenschläfertag“ findet jährlich am 27. Juni statt. Laut einer Bauernregel soll das vorherrschende Wetter an diesem Tag über die Wetterbedingungen der nächsten sieben Wochen entscheiden. Mit dem gleichnamigen Nager hat der Siebenschläfertag jedoch nichts zu tun. Seinen Namen verdankt der Tag einer Legende, in der sieben Christen für ihren Glauben lebendig eingemauert wurden, angeblich fast 200 Jahre durchschliefen und dabei überlebten.

Aktuelle Forschungsprojekte
Rund um Gedächtnis und Wahrnehmung des Siebenschläfers forscht derzeit die Vetmeduni Vienna.
Der Siebenschläfer nutzt den Winterschlaf als Anpassungsmechanismus an die kalte, nahrungsarme Jahreszeit. Doch wie wirkt sich das monatelange Herunterfahren fast aller Stoffwechselprozesse auf die Erinnerung, räumliche Orientierung und Wahrnehmung der kleinen Nager aus? WissenschafterInnen des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Vetmeduni Vienna widmen sich dieser Frage und erforschen das Gedächtnis und das Erinnerungsvermögen der Siebenschläfer.

Steckbrief und Wissenswertes
ORDNUNG
: Nagetiere (Rodentia)
FAMILIE: Bilche (Gliridae)
GATTUNG: Glis
ART: Siebenschläfer (lat.: Glis glis)
KÖRPERLÄNGE: ca. 14 cm
SCHWANZLÄNGE: ca. 11 cm
GEWICHT: ca. 100 g im Frühsommer
ALTER: bis zu 14 Jahre
VERBREITUNGSGEBIETE: Kontinentaleuropa, Kleinasien, Kaukasus bis nordwestlicher Iran

 Tierecke
Tierecke
Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.



Kostenlose Spiele