03.07.2021 18:00 |

Theater im Bahnhof

Grazer Aussteiger im Dickicht neuer Netzwerke

Dass wir in Zeiten von Klimakrise und Ressourcenverschwendung unser Verhältnis zur Natur neu überdenken müssen, scheint allen klar. Doch wie genau kann diese neue Beziehung aussehen? Dieser Frage geht das Theater im Bahnhof in „Donna Haraway darf Graz doch noch nicht verlassen“ in spektakulärer Kulisse nach.

Sie sind aus der Stadt in die Grazer Wälder geflohen. Eine Gruppe von Aussteigern hat um das Lüftungsbauwerk des Plabutschtunnels am Buchkogel ihr prekäres Camp aufgeschlagen.

Neue Netzwerke mit der Natur
Was sie verbindet, ist ihre Suche nach neuen Formen des Menschseins. Wie die Pilze, die sie sammeln, um ein paar Euros zu verdienen, wollen sie hier neue Netzwerke mit der Natur bilden. Die Ideen für ein alternatives Leben sprießen wie die sprichwörtlichen Schwammerln aus dem Boden - und weil es sonst nicht viel zu tun gibt, hat man Zeit, den Besuchern davon zu erzählen.

So trifft man ein Paar in der Krise (Eva Hofer, Lorenz Kabas), das gemeinsam nicht mehr blühen kann und es doch nicht schafft die Wurzeln zu kappen. Oder man begegnet einem Radiomoderator (Jacob Banigan) der die Verbindung mit der Natur extrem zelebriert und dem bereits Pilze aus der Schulter wachsen. Es gibt einen Aktivisten (Johnny Mhanna), der hier nur kurz Pause zwischen radikalen Protestaktionen macht und eine Sängerin (Elisabeth Holzmeister), die sich gern mit ihm verbinden würde. Man begegnet einer Neos-Politikerin (Gabriela Hiti), die neue Freiheiten sucht, und einer Pendlerin zwischen den Welten (Monika Klengel), die mit ihrem Moped die Welt des Kapitals ins Camp schmuggelt. Und eine naive Journalistin (Juliette Eröd) möchte all das für die Nachwelt dokumentieren.

Komplexe Fragen statt einfacher Antworten
Entlang von Theorien der US-Denkerin Donna Haraway, die radikal neue Formen des Miteinanders von Mensch, Tier und Maschine fordert, kreiert das Theater im Bahnhof (Regie: Helmut Köpping) ein Netzwerk aus Figuren und Geschichten, das nicht nach einfachen Antworten sucht, sondern komplexe Fragen über eine gute Zukunft aufwirft.

Das Resultat ist ein smart verwobener und dennoch sehr unterhaltsamer Abend in toller Naturkulisse. Zu sehen noch bis zum 17. Juli.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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