13.06.2021 06:00 |

Ein starkes Team

Werner Kogler: „Miriam ist mein Sonnenschein“

Eigentlich hat die Tochter von Werner Koglers Lebenspartnerin ja einen Vater. Aber der Vizekanzler ist auch irgendwie einer. Wer ihn ruhig statt ruppig erleben will, trifft ihn mit ihr. Ein kleines mediales Wagnis.

Ich sag gleich, ich mach nichts, was nicht auch wirklich so ist“, stellt Vizekanzler Werner Kogler in seiner typisch grummelnden Art bereits vorab bei unserer Anfrage klar: „Aber na gut, das stimmt schon. Die Miriam und ich haben ja wirklich ein super Verhältnis und unternehmen viel gemeinsam.“ Um uns dann noch dezent über die ohnehin bekannten Patchwork-Verhältnisse aufzuklären: „Obwohl Miriam ja einen Vater hat, bei dem sie jedes zweite Wochenende ist.“

„Sie ist mein Sonnenschein“
Miriam ist die 23-jährige Tochter seiner Partnerin Sabine Jungwirth (53, mit der er seit elf Jahren liiert ist) – und in jeder Hinsicht eine bemerkenswerte Erscheinung. Sie hat das Down-Syndrom und „ist mein Sonnenschein“, wie Kogler auf offener Bühne beim Grünen Bundeskongress im Jänner 2020 bekannte, während er der jungen Dame seine grelle grüne Sonnenbrille aufsetzte. Im Vorjahr war Miriam im Rahmen der Kampagne „Kunst ist inklusiv“ auch schon in ganz Graz plakatiert.

Koglers private Welt ist weiblich
Dann radelt die grüne Patchwork-Familie Kogler-Jungwirth auch schon daher. Vorne der Vizekanzler in schwarzer Lederjacke, dahinter seine quasi Stieftochter und deren Mama, Chefin der Grünen Wirtschaft. Die Partie ist noch ehrlich ökologisch unterwegs: Muskelkraft statt Elektromotor. Der Wahl-Papa hilft der Leihtochter, den Helm abzunehmen. Wer ihn einmal ruhig statt ruppig, geduldig und gut gelaunt statt grantelnd erleben will, trifft ihn am besten mit seinen beiden Frauen. Koglers private Welt ist weiblich, ganz ohne Binnen-I.

Unberechenbarer als jeder politische Gegner
Daheim warten das richtige Leben und die wahren Wertigkeiten. Ein kleines mediales Wagnis ist unser Termin für ihn obendrein, weil die 23-Jährige stets für kleine Überraschungen und Unbequemheiten gut ist. Unberechenbarer als jeder politische Gegner. Beim Johanneshof werden die Spielkarten für eine Runde Uno ausgepackt, und Miriam bezichtigt ihn gleich einmal des Mogelns: „Du Schlingel. Und was machst du grad?“, verteidigt er sich lachend.

„Wir haben es immer lustig“
Gemeinsame Zeit ist rar, sie sehen einander alle zwei Wochen in Graz. „Wir haben es immer lustig“, schildert Kogler mit Blick zu ihr. Das Duo geht gemeinsam zu Sturm-Matches, radelt, spielt Karten oder kocht. „Spaghetti mit Tomatensauce. Und viel Gemüse“, erzählt Miriam. „Bei ihr ist Werner sowieso der Hero“, freut sich Mama Sabine Jungwirth. Kogler – ewiger Junggeselle, unverheiratet und kinderlos. „Ich hab mich ehrlich gesagt auch gewundert, dass das so gut geht.“

„Der Werner ist mein bester Freund“
„Der Werner ist mein bester Freund“, sagt Miriam. Er schätzt an ihr: „Die Offenheit und Ehrlichkeit, die man ja sonst oft vermisst bei Menschen. Sie sagt, was sie denkt. Gut, das tu ich ja auch“, findet er Gemeinsamkeiten und bewundert, „dass sie in vielen Dingen viel besser ist als ich. Wenn ich wissen will, welchen Zug oder Bus ich nehmen muss, dann frag ich sie. Miriam kennt sich da super aus.“

Künstlerisches Talent und Gefühl für den Augenblick
Miriam lebt noch daheim, ihre Tage verbringt sie beim Verein „atempo“, der jungen Menschen behutsam beim Übergang zwischen Schule und Beruf hilft. Bei der jungen Steirerin könnte es vielleicht etwas Künstlerisches werden. Sie hat ein super Auge und Gefühl für den Augenblick und schießt Fotos, die es sogar schon auf das „Krone bunt“-Cover geschafft haben, wie der Urlaubsschnappschuss letzten Sommer: ihre Mutter, die während einer Zugfahrt an der Schulter des müde dreinschauenden Werner Kogler eingeschlafen war. Darüber müssen alle drei heute noch lachen.

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Im Lockdown ist anderen das Klopapier ausgegangen, uns das Zeichenpapier.

Werner Kogler über das liebste Hobby seiner Stieftochter

Miriam tanzt gerne und mag Dancing Stars
Ein Katzenfoto hat sie ihm aufs Handy geschickt, aber bis heute keine Antwort bekommen. Er sieht nach: „Nein, da ist nichts, keine Katze.“ Miriam springt auf und zeigt freudig ein paar Tanzschritte. Verblüffend schnell, wendig und geschickt. Hip-Hop, aber auch Musical oder Ballett kann sie. Auch Dancing Stars würde ihr gefallen. Als die Tanzstunden dem Lockdown zum Opfer fielen, drehte sie einfach daheim die Musikanlage auf und übte dort.

Zeichnen während des Corona-Lockdowns
„Das war vielleicht ein Krach“, stöhnt Kogler: „Gut, manchmal hast du, Gott sei Dank, deine Kopfhörer aufgesetzt.“ „Biene Maja“ ist ihr Lieblingslied. Sie kann Rad schlagen und in den Spagat fallen. Und malen kann sie auch! So, dass sich schon so mancher gewundert und ihre Kunstwerke für kleine Mirós oder Picassos gehalten hat. „Sie produziert so viel! Im Lockdown ist anderen das Klopapier ausgegangen, uns das Zeichenpapier“, schildert Kogler.

„Er redet immer so viel“
Maske und all die anderen Einschränkungen konnten der jungen Frohnatur nichts anhaben: „Das war mir egal.“ Er bekommt Pfefferminztee serviert, sie mopst seine kleine Schoko. „Na hallo!“, ruft er empört: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu dick werden, wir beide. Wir haben zuletzt schon ein bisschen einen Bauch bekommen.“ „Du! Ich nicht“, stellt sie fest. Ob sie sich für Politik interessiert? Vor allem für grüne? Sie nickt: „Ich mag Tiere und Bäume!“ Und wenn sie ihn, den Werner, im TV sieht? „Er muss sich frisieren“, lacht sie: „Und er redet immer so viel.“ Gut, das findet der politische Gegner ja eigentlich auch.

Leben mit Trisomie 21

8000 Menschen leben in Österreich mit angeborener Trisomie 21, besser bekannt als „Down-Syndrom“. Sie entwickeln sich körperlich und geistig langsamer und bleiben oft kleiner, können es aber zu beachtlichen Fähigkeiten bringen.

Edda Graf
Edda Graf
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