20.01.2011 15:36 |

Segelschulschiff

D: Meuterei auf "Gorch Fock" nach Tod einer Kadettin?

Der Unfalltod einer Kadettin der deutschen Marine auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" und Berichte über eine anschließende Meuterei auf dem "Stolz der Marine" schlagen derzeit in Deutschland hohe Wellen. Die Marine hat Ermittlungen aufgenommen, u.a. weil auch Berichte über sexuelle Belästigung an Bord des Schiffes und vorschriftswidrigen Drill aufgetaucht sind.

Auf der "Gorch Fock" müssen sämtliche Offiziersanwärter der Marine Ausbildungsreisen absolvieren. Die Fahrten gelten seit jeher als harte Prüfung, in den letzten zwölf Jahren gab es - den jüngsten dazugezählt - vier Todesfälle, drei davon durch Stürze vom Mast.

Meuterei nach Unfalltod?
Deutsche Medien berichten über die Vorfälle auf dem Dreimaster unter Bezugnahme auf einen Brief des Wehrbeauftragten des Bundestages, Hellmut Königshaus, an das Parlament. Demnach war der tödliche Unfall einer Offiziersanwärterin am 7. November 2010 während eines Hafenaufenthalts in Brasilien Auslöser der Ereignisse. Die 25-Jährige war aus der sogenannten Takelage (Sammelbegriff für die Masten und das Segel-Tauwerk, Anm.) des Segelschulschiffs auf das Deck gestürzt und danach im Krankenhaus im brasilianischen Salvador de Bahia gestorben.

Andere Offiziersanwärter sollen es daraufhin abgelehnt haben, in die Takelage aufzusteigen. Es sei ein heftiger Streit zwischen Schiffsführung und Kadetten ausgebrochen. In dem Brief von Königshaus heißt es, Offiziersanwärter seien von Ausbildnern dazu gedrängt worden, ungesichert in die Masten zu klettern, obwohl dies laut Marinebestimmungen eigentlich freiwillig sei. Vier Kadetten, die sich weiterhin beharrlich weigerten, soll von der Schiffsführung daraufhin Meuterei vorgeworfen und ihre Ablösung angeordnet worden sein. Sie wurden zurückgeflogen, zuvor sei damit gedroht worden, ihnen die Offizierseignung abzusprechen.

Erstmals Ausbildungsfahrt abgebrochen
Die Lage auf dem Schiff war aber offenbar derart eskaliert, dass die Marine schließlich die Ausbildungsreise auf der "Gorch Forck" komplett stoppte und alle rund 70 Offiziersanwärter nach Deutschland zurückholte - eine Premiere bei knapp 160 Ausbildungsfahrten, von denen trotz dreier tödliche Unfälle seit 1998 nie eine abgebrochen wurde. Am 19. November 2010 war offiziell allerdings nur mitgeteilt worden, das Ausbildungskonzept solle "überprüft" werden. Dazwischen dürften noch Vorwürfe über sexuelle Belästigung ans Licht gekommen sein. Offiziersanwärter sollen einen Kollegen unter der Dusche belästigt und erniedrigt haben.

Das Segelschulschiff war seit November nur mehr mit seiner sogenannten Stammbesatzung unterwegs. Es hat inzwischen das Kap Hoorn umrundet und zuletzt in Argentinien Station gemacht. Wie ein Marinesprecher am Donnerstag bekannt gab, kehrt das Segelschulschiff nun in seinen letzten Hafen in Argentinien zurück. Es soll dort auf ein Ermittlungsteam warten. Der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg forderte umfassende Aufklärung durch die Marine.

Geöffnete Feldpost und "Friendly fire" in Afghanistan
Die deutsche Bundeswehr muss aktuell bereits wegen anderer fragwürdiger Vorgänge ermitteln. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Feldpost-Briefe von Soldaten, die in Afghanistan stationiert sind, systematisch geöffnet in Deutschland angekommen waren. Zudem wird ein Zwischenfall vom Dezember in Afghanistan geprüft, bei dem ein Soldat durch eine Kugel aus der Waffe eines Kameraden getötet worden war.

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