Gastro-Öffnung

Oberösterreichs Wirte warten ungeduldig auf Gäste

Auch wenn die Vorfreude überwiegt sorgt der Verordnungsdschungel noch für Kopfzerbrechen. Einige Lokale bleiben auch weiter geschlossen, weil sich der Aufwand so noch nicht rechnet.

Die meisten Gastronomen in Oberösterreich freuen sich auf die Öffnung am kommenden Mittwoch, wie eine Blitz-Umfrage der „Krone“ ergab. Allerdings befinden sich die meisten im Spannungsfeld zwischen Hirn und Herz - also zwischen Betriebswirt und Gastwirt -, sagt Branchensprecher Thomas Mayr-Stockinger: „Diese ersten Öffnungsschritte sind für uns alle finanziell fordernd. Keiner von uns kommt auf seine vollen Kapazitäten, allein schon aufgrund der Beschränkungen und Abstandsregelungen. Gleichzeitig haben wir aber schon fast dasselbe Personal wie im Normalbetrieb im Einsatz. Das wird am Anfang sicher nicht kostendeckend sein.“

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„Wenn die Corona-Zahlen passen, gehören die Maßnahmen so bald wie möglich angepasst. Die Registrierung und all das Drumherum ist ein immenser zusätzlicher Aufwand für uns alle.“

Bernhard Obermair, Gasthaus Obermair in Wels

Erstes Treffen mit Sohn
Dennoch betont der Branchensprecher: „Aber wir freuen uns alle sehr auf die Gäste - und sie sich auf uns. Wir haben Eltern aus Niederösterreich, die treffen sich bei uns erstmals wieder mit ihrem Sohn, der in Linz wohnt. Die haben nicht nur einen Tisch reserviert, sondern auch zwei Doppelzimmer.“

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„Wir haben unsere Bäckerei immer offen gehabt, jetzt dürfen wir auch das Café aufsperren. Die Leute warten schon. Ob wir alles umsetzen können, wird sich zeigen.“

Johanna Kemetmüller von der gleichnamigen Café-Konditorei in Spital am Pyhrn

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„Wir sperren natürlich auf, freuen uns sehr auf unsere Stammgäste. Die Tiscervierungen kommen laufend herein. Viele Leute wollen endlich wieder einmal in ein Restaurant essen gehen.“

Michael Pernkopf, Landhotel Grünberg in Gmunden

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„Wir haben durchgehend ein Take-Away-Angebot gehabt. Jetzt sind wir in den letzten Vorbereitungen fürs Aufsperren und froh, dass wir nach sieben Monaten endlich wieder öffnen dürfen.“

Yvonne Viertler-Schürz, Hotel Minichmayr in Steyr

Es gibt nach wie vor viele Fragezeichen
Ähnlichkeiten mit einem Sudoku-Rätsel haben die Verordnungen, mit denen die Gastronomen zum Start leben müssen: Vier Personen mit maximal sechs Kindern sind an einem Tisch erlaubt, eine zehnköpfige Gruppe, die auf drei Tische verteilt würde, hingegen nicht. Und weil’s gerne auch kompliziert geht: Für Spontanbesuche sollen die Wirte eigene Tests bereithalten, die aber noch nicht ausgeteilt wurden. Mayr-Stockinger: „Wir können nur alle Gäste bitten, sich in den Teststraßen, beim Arzt oder Apotheker testen zu lassen. Ohne das bräuchte allein ich in der Woche 1000 Tests.“

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Wir können nur an die Gäste appellieren, bitte sucht vorher die Teststraßen auf. Spannend wird es bei schlechtem Wetter.

Wirtesprecher Thomas Mayr-Stockinger aus Ansfelden

Froh und bang
Froh, aber auch ein wenig bang ist der Uttendorfer Brau-Wirtin Regina Vitzthum-Mair zumute: „Wir waren immer für Take-Away da, aber jetzt können wir, trotz aller Probleme, endlich wieder Wirte sein“ - siehe auch nachfolgendes Interview.
Manche sind auch rigoros, wie eine Mühlviertler Pizzeria, die weiter nur ihr Abholservice beibehält. Das Restaurant bleibt zu.

„Wir sind sicher nicht die Polizei“
Auch beim traditionell innviertlerischen Braugasthof Vitzthum in Helpfau-Uttendorf bereitet man sich mit viel Vorfreude auf den 19. Mai vor. „Wir sind aber nicht die Polizei oder eine Gesundheitsbehörde“, stellt Wirtin Regina Vitzthum-Maier klar.

„Krone“: Wie bereiten Sie sich für die Gastro-Öffnung am Mittwoch vor?
Vitzthum-Mair: Wir sind sehr froh, dass wir aufsperren dürfen. Für Kopfzerbrechen sorgt aktuell noch, wie wir die Standards umsetzen können. Wir verstehen uns als traditionelles Wirtshaus mit Kartenspielen, Musizieren und Stammtischen. Mal schauen, wie das wird.

„Krone“: Was wird für Sie das Schwierigste sein?
Vitzthum-Mair: Mit der Registrierung habe ich kein Problem, die werden wir handschriftlich machen - das wird halt eine Zettelwirtschaft. Sehr schade ist, dass es keine Feiern gibt. Aber wir setzen darauf, dass viele unserer Stammkunden bereits geimpft sind. Es ist halt eine Frage der Spontanität mit dem Testen davor. Positiv ist, dass die Schultests auch für den Gastro-Besuch gelten. Wir sind aber sicher nicht die Polizei oder die Gesundheitsbehörde, sondern Wirte.

„Krone“: Das größte Problem ist aber etwas ganz anderes.
Vitzthum-Mair: Das Personal! Viele sind in der Coronazeit abgewandert. Wir suchen einen Koch, eine Küchenhilfe und einen Servicemitarbeiter, finden niemanden.

„Krone“: Sie haben auch eine Brauerei. Wie lief da das Geschäft während Corona?
Vitzthum-Mair: Bei uns ist der Flaschenanteil höher als der Fassbieranteil, wir hatten daher keine Absatzschwierigkeiten. Trotzdem haben wir Bier vernichten müssen.

Philipp Zimmermann
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Christoph Gantner
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Sonntag, 13. Juni 2021
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