09.01.2011 11:46 |

Abstimmung begonnen

Südsudan will unabhängiger Staat werden

Im Südsudan hat die Volksabstimmung über die Unabhängigkeit der bisher teilautonomen Region begonnen. Seit Sonntag früh strömen viele Tausend Menschen zu den Stimmlokalen, um sich an dem Referendum zu beteiligen. Für viele Wähler war es ein emotionaler Moment. Auch Salva Kiir, der Präsident des Südsudan, kämpfte mit den Tränen, als er in Juba als einer der Ersten wählen ging. Auch Hollywood-Star George Clooney und US-Senator John Kerry, die sich für den Sudan engagieren, waren an Ort und Stelle.

Abgestimmt werden kann bis 15. Jänner. Ein Ergebnis wird erst Anfang Februar erwartet.

Auch in der sudanesischen Hauptstadt Khartum und anderen Städten des Nordens nahmen die dort lebenden Südsudanesen an der Abstimmung teil. Anders als im christlichen Süden, wo sich knapp vier Millionen Wähler registrieren ließen, hatten sich im arabisch geprägten Norden weniger Menschen als erwartet in die Wählerlisten eingetragen.

Das Referendum ist ein wichtiger Teil des Friedensabkommens, das den Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd 2005 nach 21 Jahren beendete. Der sudanesische Präsident Omar al-Bashir hatte kurz vor dem Urnengang noch einmal an die Wähler appelliert, die Einheit des Landes zu erhalten. Es wird jedoch mit einer großen Mehrheit für die Unabhängigkeit des Südens gerechnet.

Clooney: "Großer Tag für die ganze Welt"
Der südsudanesische Präsident Kiir erinnerte bei seiner Stimmabgabe an seinen 2005 bei einem Hubschrauberabsturz getöteten Vorgänger John Garang und die im Bürgerkrieg getöteten zwei Millionen Sudanesen. "Ich glaube, John und all die anderen sind heute mit uns, und ich muss sicherstellen, dass sie nicht umsonst gestorben sind", sagte er. Viele Menschen hatten in Juba die Nacht im Freien verbracht, um auf die Öffnung der Wahllokale zu warten. Dort bildeten sich am Vormittag lange Schlangen. Auf Transparenten wurde die Abstimmung als "Letzter Marsch zur Freiheit" gefeiert. US-Schauspieler Clooney äußerte sich begeistert über das Referendum: "Das ist ein großer Tag für die ganze Welt."

Auch nach der Volksabstimmung sind noch viele wichtige Fragen offen. Bisher nicht geklärt sind etwa der Grenzverlauf zwischen Süden und Norden sowie die Aufteilung der Ölvorkommen, die für die Volkswirtschaften beider Länder von essenzieller Bedeutung sind. Ebenfalls unklar ist der Name des neuen Süd-Sudan, der schon in wenigen Monaten das 193. Mitglied der Vereinten Nationen werden könnte. Im Gespräch sind "Neu-Sudan Equatoria", "Juwama" oder "Nilrepublik".

Größtes Land Afrikas
Der Sudan ist das größte Land auf dem afrikanischen Kontinent. Die Bewohner des Südens werfen dem muslimisch geprägten Norden vor, sich an den südlichen Erdöleinnahmen zu bedienen, ohne in den Süden zu investieren. Der Südsudan zählt zu den ärmsten Regionen der Welt. Dort ist es für ein 15-jähriges Mädchen nach UNO-Angaben wahrscheinlicher, bei der Geburt eines Kindes zu sterben als die Schule zu beenden.

Die Vorfreude der Südsudanesen auf das Referendum wurde am Samstag von tödlichen Auseinandersetzungen in der erdölreichen Region Unity State überschattet. Nach Angaben südsudanesischer Beamter kamen mindestens sechs Menschen ums Leben. Auch in der Region Abyei wurde über Zusammenstöße berichtet. Dort sei es möglicherweise zu Auseinandersetzungen zwischen Mitgliedern eines arabischen Stammes aus dem Norden und schwarzen Südsudanesen gekommen, hieß es. Zur Anzahl der Toten wurden widersprüchliche Angaben gemacht.

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