20 Jahre gezeichnet

Wie der „Krone“-Karikaturist Rudi Anschober sieht

Milan A. Ilic, wurde uns damals empfohlen vom legendären „Krone-Gründer“ Hans Dichand. Er zeichnet seit mehr als 20 Jahren Karikaturen, hauptsächlich oberösterreicher Landespolitiker - meistens mit lustigem Unterton, oft pointiert, aber nie verletzend. Rudi Anschober hat er viele, viele Male porträtiert, zuletzt auch als Minister. Für seinen Rücktritt hat unser Illustrator volles Verständnis.

„Krone“: Fast 140 Anschober-Karikaturen von Ihnen sind in unserem Archiv
Milan A. Ilic: Oh Mann! Und ich habe sein Gesicht noch immer nicht richtig erfasst.

„Krone“: Das merkt man aber gar nicht. Ist er denn schwer zu karikieren?
Ilic: Grundsätzlich nicht, Ich sehe das an meinen Kollegen, die ihnjetzt mehr als einJahr als Minister erlebt haben. Sie haben den Mann schnell intus gehabt - und dann habe ich von denen gelernt. Vielleicht ist mir Anschober über die 20 Jahre ja so nahe geworden, fast wie ein Familienmitglied, da habe ich auch einige Probleme beim Zeichnen.

„Krone“: Was ist typisch für Anschober, mit den Augen des Illustrators betrachtet?
Ilic: Die große Stirn, das offene Gesicht. Volle Lippen wie sie meistens gute, großzügige Menschen haben. Eine spitzige Nase, die eine Neigung zur Präzision zeigt. Eine ein bisschen gefaltete Stirn, das heißt auch Sorgen. Und in letzter Zeit sind seine Augenbrauen nach oben gewandert und kleiner geworden, fast wie bei einem Clown. Das zeigt, der Fokus ist plötzlich weg - oder zu breit. Da gibt es wahrscheinlich zu viele Probleme, die parallel existieren. So ungefähr habe ich ihn oft erlebt.

„Krone“: Können Sie es verstehen, dass er jetzt aufhört?
Ilic: Oh ja! Einerseits - wir sind alle Menschen und wir haben unser Naturell. Er ist ein Dickkopf und kritikresistent und das ist auch eine Qualität, diese Beständigkeit, bei Menschen mit Charakter. Aber das System ist eine Hydra und mutiert und bringt neue Qualitäten. Und durch die Digitalisierung hat sich das Ganze so beschleunigt und verkompliziert, dass ein Mensch mit seiner eigenen Art, der mehr zum Einzelkämpfer neigt, es immer schwerer hat.

„Krone“: Man hatte schon länger den Eindruck, dass er ziemlich am Ende seiner Kräfteist.
Ilic: Ja, aber das ist wie bei einem General, der kann auch nicht wegen Überlastung den Ersten Weltkrieg stoppen für zwei Monate. Das Rezept wäre: Bilde ein Team! Du kannst mit Deinem Wissen dabei sein, aber Du musst nicht alles selbst in die Hand nehmen.

Werner Pöchinger
Werner Pöchinger
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Dienstag, 11. Mai 2021
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