09.04.2021 21:45 |

Von Südtirol aus

Eine Wanduhr reiste durch halb Europa nach Kärnten

Wir kennen es und wir nehmen es zur Kenntnis: Dass die Wege der Pakete, die wir bestellen, oft verschlungen sind; selbst dann, wenn wir wissen, wo das gekaufte Produkt herkommt. Dabei lohnt es sich, genau hinzuschauen, weil sich sogar Geschichten verstecken können. Wie bei der fast unglaublichen Reise meiner Uhr.

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Vorab: Ich liebe diese Uhr, sie ist einfach großartig! Händisch hergestellt in einer kleinen Manufaktur in Südtirol: Eine Holzscheibe als Ziffernblatt, die Uhrzeit beschrieben im Dialekt, den man sich selber aussuchen kann. Ich hatte mich sofort in diese Idee verliebt und das Unikat bestellt. Und nun zum eigentlichen Thema.

Schon bald ist meine hölzerne Uhr fertig und macht sich auf die Reise von Südtirol nach Kärnten; eine Reise, die ich unter anderen pandemischen Umständen liebend gerne selbst unternommen und vielleicht sogar meine Uhr persönlich abgeholt hätte. Doch so macht sich das sorgsam in Karton verpackte Teil via Paketdienst auf den Weg. Und dieser teilt mir brav alle Stationen mit; minutiös aufgelistet.

Südtirol - Italien

Zunächst geht’s vom Südtiroler Nebental nahe Meran nach Süden, also in die „falsche Richtung“ nach Verona, wo der Distributor offenbar eine Station betreibt. Wenig später führt der Weg nach Brescia; nicht viel weiter weg, aber noch „falscher“. Komisch, denke ich mir und suche den Grund. Aha! Mutmaßlich eine Luftfracht-Drehscheibe!

Italien - Deutschland - Slowenien

Und ab hebt meine Uhr über die Wolken nach Leipzig. Ja, Leipzig in Deutschland, auf jenen großen Frachtflughafen, wo schier pausenlos gelbe Flugzeuge abgefertigt werden. Nun ist meine Uhr also ultimativ weit weg. Die nächste Station liegt dann viel südlicher: Nahe Laibach, wo auf dem slowenischen Flughafen die Luftwege des Südtiroler Pakets ein Ende finden und es wieder im Bauch eines Lastwagens verschwindet, um sich endlich nach Österreich aufzumachen - durch den Karawankentunnel und ins Verteilerzentrum Klagenfurt.

Slowenien - Klagenfurt

Danach dauert es nur noch eine kurze Nacht, ehe „mein“ freundlicher Zusteller des frühen Morgens läutet und fröhlich „Pakale für Di“ in die Gegensprechanlage kräht. Meine Uhr ist angekommen, endlich daheim und an der Wand. Insgesamt war sie 1632 Kilometer unterwegs, 1259 davon in der Luft. Mit der guten, alten Post wären es 373 Auto- und Bahn-Kilometer gewesen. Wahrscheinlich ist das alles logisch, aber irgendwie doch komisch; so wie allerdings vieles in unserer Alles-immer-überallhin-liefer-Welt.

Hannes Mösslacher
Hannes Mösslacher
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