Klar der beste Mann

„Radio Pähl“ Müller kommandiert Bayern zur Spitze

Der FC Bayern hat mit einem 1:0 beim direkten Verfolger Leipzig das wahrscheinliche Meisterstück zum neunten Titel in Folge in der deutschen Fußball-Bundesliga abgeliefert. Klar der beste Mann auf dem Feld war Thomas Müller, der das 1:0 vorbereitete. Sieben Punkte Vorsprung hat noch kein Tabellenführer zu diesem Zeitpunkt der Saison verspielt. Der Samstag dieser 27. Runde war einer voller Vorentscheidungen: Wolfsburg und Frankfurt dürften im Herbst - möglicherweise mit österreichischen Cheftrainern - in der Champions League spielen.

Bayern-Trainer Hansi Flick offenbarte nach dem Sieg den (geglückten) Psychotrick. „Wir haben uns gesagt, es ist ein Endspiel. Und da haben wir in den letzten neun Monaten bewiesen, dass wir das können“, sagte der 56-Jährige und sendete gleich noch ein paar Grüße an den Kontrahenten: „Wir wollten mit dem Sieg ein Zeichen setzen.“ David Alaba schoss in den sozialen Netzwerken nach: „Frohe Ostern von ganz oben!“

Die Bayern-Freude geht Hand in Hand mit zu erwartender Langeweile für alle, die sich ein Herzschlagfinale im Titelrennen gewünscht hätten. Denn mehr als fünf Punkte Vorsprung hat nach 27 Runden kein Team eingebüßt. Zumal die Bayern wieder einmal bewiesen, dass sie auf nationaler Ebene - wenn es darauf ankommt - nicht zu knacken sind. Da wird auch das verletzungsbedingte Fehlen eines Weltfußballers wie Robert Lewandowski kompensiert. Leon Goretzka verwies nach seinem Siegtor noch auf den Spielplan: „Es sind noch 21 Punkte zu vergeben. Es war ein großer Schritt, aber noch nicht der entscheidende.“

Müller top
Müller, der ob seiner Herkunft und seiner sprachlichen Künste auf dem Feld den Spitznamen „Radio Pähl“ trägt, wurde von den Medien einstimmig zum besten Akteur des Spieles gewählt. Die „SZ“ schrieb zu seiner Leistung: „Machte wie immer sehr viel, lief und rief, das war keine Überraschung, das ist ja vielmehr kennzeichnend für seine überragende Saison.“

Der Gegner erkannte die Niederlage neidlos an - und schrieb die erste Titelchance (neben dem DFB-Pokal) ab. „Grundsätzlich brauchen wir nicht drumherum reden. Das Thema hat sich erledigt“, sagte Leipzigs Coach Julian Nagelsmann. Glückwünsche gab es allerdings nur zum Sieg, nicht zur Meisterschaft. Vorerst. „Da gratuliere ich erst, wenn es passiert ist. Das gehört sich so.“

Dabei hatten die Leipziger den Rekordmeister über weite Strecken der zweiten Hälfte im Schwitzkasten. Doch die Effizienz hatten im richtigen Moment wieder einmal die Bayern gepachtet. „Es war der kleine Unterschied, dass die aus einer Chance das Tor machen“, sagte Kapitän Marcel Sabitzer. Man habe dominant gespielt und sei richtig gut gewesen. „Wenn du dann kein Tor machst, dann tut das richtig weh. Man muss einfach in so einem Spiel einen machen.“ Der Plan wird adaptiert. „Den zweiten Platz verteidigen und den Pokal gewinnen, das muss unser Ziel sein.“

Alaba stark-  10. Meistertitel bahnt sich an
Angeführt vom Abwehrkommandanten Alaba hielten die Bayern den Laden hinten dicht. Der ÖFB-Star wird den Klub wohl mit seinem zehnten Meistertitel nach 13 Jahren und gewiss als Rekord-Ausländer verlassen. 274 Einsätze hat der Wiener nun in der Liga für die Münchner absolviert, einen mehr als Franck Ribery. Mit 422 Pflichtspieleinsätzen steht Alaba nun - für kurze Zeit - auf einer Stufe mit Karl-Heinz Rummenigge.

Hinter dem Branchenprimus und dem Brausekonzern-Klub machten zwei Klubs große Schritte Richtung Champions League. Borussia Dortmund gehört nicht dazu. „Nicht die Champions League zu erreichen, wäre sportlich und finanziell eine Katastrophe“, sagte Mats Hummel nach der 1:2-Heimniederlage gegen Frankfurt. Der Vorteil liegt nun klar bei der Eintracht und beim VfL Wolfsburg. Adi Hütters Frankfurt ist dem BVB als Vierter sieben Punkte enteilt, die von Oliver Glasner betreuten Wolfsburger sogar schon elf.

„Ich habe von der ersten Minute an gesehen, dass wir nicht umsonst auf Rang vier stehen“, schwärmte Hütter. Für Teams auf den ersten vier Endrängen ist ein Champions-League-Ticket reserviert. Bleibt aus dem Trainer-Duo zumindest einer über den Sommer hinaus beim Club, würde er Ralph Hasenhüttl als bisher letzter österreichischer Trainer in der Champions League (2017/18) nachfolgen. Zu nachgesagten Avancen von Borussia Mönchengladbach wollte sich Hütter erneut nicht äußern.

Viele SGE-Tore
Seine Eintracht hat nach den Bayern am zweithäufigsten (55-mal) getroffen. „Wir haben nicht nur mit der Aufstellung gezeigt, dass wir mutig sind, sondern wir haben auch so gespielt. Wir haben eine historische Chance“, sagte Hütter. Nie zuvor hatte die Eintracht nach 27 Spielen 50 Punkte.

Glasner hat seiner Truppe vor allem defensive Stabilität eingeimpft: In 27 Runden haben Xaver Schlager und Co nur 22 Gegentore (wie Leipzig) kassiert. Zum Vergleich: Die Bayern halten bei 35 Gegentoren. Die Wolfsburger bezwangen Köln am Samstag einmal mehr glanzlos mit 1:0. Von einer Vorentscheidung im Rennen um die Champions-League-Plätze wollte Glasner danach nicht sprechen. „Zu sagen: Wir haben jetzt elf Punkte Vorsprung und können es jetzt drei Wochen etwas ruhiger angehen lassen - das ist nicht unsere Art.“ Der frühere LASK-Trainer kennt das Restprogramm. Es warten schwere Spiele gegen Frankfurt, die Bayern, VfB Stuttgart und Dortmund.

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Sonntag, 26. September 2021
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