03.04.2021 17:00 |

Die Almsaison naht

Das „Schäferstündchen“, das Bauern fürchten

In gut zwei Monaten beginnt die neue Almsaison und viele Schafbauern rechnen wieder mit Wolfsbesuch. Die einzig realistische Chance, den tierischen Migranten zum Zaungast zu degradieren, ist der Herdenschutz. Dieser wird zwar mit Hochdruck professionalisiert, der heurige Sommer könnte aber nochmals eine haarige Geschichte werden. 

Der Wolf ist zurückgekommen, um zu bleiben. Der Winter bleibt nicht und mit abnehmender Schneedecke nehmen die Sorgen der Schafbauern zu. Ab Mai geht’s nämlich wieder auf die Almen - das könnte eine haarige Geschichte werden. „Der Wolf hat bei uns keinen Platz“, sagen die meisten Bauern, doch wolfsfreie Zonen und Abschüsse bleiben Hirngespinste. Unverrückbar ist der Schutzstatus der EU, der in der FFH-Richtlinie fest verankert ist.

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Der Wolf hat bei uns keinen Platz.

Die Ansicht mancher Bauern

Auch Landwirtschaftskammerpräsident NR Josef Hechenberger, der eine Petition zur Herabsetzung des Schutzstatus mit der Hoffnung auf „Entnahme“ im EU-Parlament einbrachte, wird sich daran die Zähne ausbeißen, da braucht man kein Prophet zu sein. Alle drei bisher in Tirol gestellten Abschussanträge wurden nicht genehmigt, in Salzburg wurde gar ein positiver Bescheid vom Landesverwaltungsgericht gekippt.

Sinneswandel im Herdenschutz
Salzburg war auch das erste Land, das indirekt zugab, dass der Herdenschutz als einzige Lösung des Wolfsproblems übrig bleibt: Der Salzburger Landtag forderte die Bundesregierung offiziell auf, die Rahmenbedingungen für Herdenschutz zu schaffen. In Tirol hat man sich anfangs geziert, an den Herdenschutz zu glauben, doch langsam setzt ein Sinneswandel ein. Nicht zuletzt deswegen, weil mit Hochdruck an der Professionalität gearbeitet wird.

EU-Projekt könnte Wende bringen
Richtungsweisend wird das EU-Leuchtturmprojekt „LIFE-stockProtect“ sein. Fünf Millionen Euro stehen dem Projektverbund Bayern, Österreich und Südtirol bis 2025 zur Verfügung, um den Herdenschutz in eine praktikable Form zu gießen. Die erste Herdenschutzkonferenz im Jänner mit 500 Teilnehmern zeigte bereits die Dimension mit insgesamt 17 Partnerinstitutionen. Tirol ist indirekt mit dem Österreichzentrum Bär-Wolf-Luchs mit im Boot.

„In den nächsten fünf Jahren wird ,LIFEstockProtect’ Tausende Landwirte ausbilden, um Herdenschutz fachgerecht umsetzen zu können“, sagt Max Rossberg von European Wilderness Society, der die Schulungen leitet. Aber auch freiwillige Laien haben die Chance, sich zum Hirten ausbilden zu lassen und im Sommer Teil einer Schafherde zu sein. Ab Herbst starten bereits an der landwirtschaftlichen Fachschule Salern in Südtirol umfassende Kurse.

Herdenschutzhunde stehen Gewehr bei Fuß
Selbst wenn das groß angelegte Projekt eine Revolution begründet, wird das Zeit brauchen. Zeit, die die Bauern nicht haben, denn in gut zwei Monaten geht’s wieder auf die Alm. Die beabsichtigten Notfallteams gibt‘s noch nicht. Allerdings tut sich in der Inntaler Bauernschaft etwas, doch noch will man sich bedeckt halten. Offen zeigt sich hingegen die Wanderschäferei Oberland. Thomas Schranz baut ein Kompetenzzentrum als Teil des „LIFEstockProtect“ in Tösens auf und erprobt heuer auf mehreren Flächen den Ernstfall. Schranz: „Wir haben bereits fünf Herdenschutzhunde in den Italienischen Abruzzen gekauft. Die sind abrufbereit, sobald die Rahmenbedingungen passen.“

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