30.03.2021 06:00 |

Breites Angebot

Steirer stürmen die virtuellen Kirchen

Ein Jahr Corona-Krise bedeutet ein Jahr Digitalisierung - auch für die katholische Kirche. Ein Pfarrer erzählt von Begegnungen, die es sonst nicht gegeben hätte und Situationen, die sich eingebrannt haben.

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Frei, gesperrt, frei, gesperrt - wie so viele andere ist die Stadtpfarrkirche in Bruck an der Mur im Corona-Modus. Nur in jeder zweiten Sitzreihe dürfen Gläubige besetzen. Vor den Heiligen-Bildern an den Wänden hängen Kinderzeichnungen - eine davon zeigt eine Krankenschwester mit Mundschutz.

Begonnen hat es auf Facebook
Vor dem Altar steht ein Stativ. Es gehört mittlerweile zur Grundausrüstung von Propst Clemens Grill. „Ich habe ohne zu wissen, wie das geht, damit angefangen, meine Messen zu streamen“, erzählt er. „Ich habe einfach mein Handy hingestellt und den Gottesdienst auf Facebook übertragen.“ Da war Grill noch Pfarrer im Liesingtal. „Zuerst war es ein Hype. Da haben mehr Leute zugesehen, als normal in die Kirche kommen.“ Die Zuschauer saßen zuhause in Graz, Wien, sogar in Berlin. „Eine Frau aus Wels hat jede einzelne Messe gesehen. So habe ich viele Leute kennengelernt, die ich sonst nie getroffen hätte.“

Ein Hype, der die ganze Diözese Graz-Seckau erfasst hat. „Wir hatten beim Start der Streams und Online-Angebote Tage mit einem Zugriffsplus von 100 und mehr Prozent. Das war echt gewaltig“, sagt Sprecher Thomas Stanzer. „Inzwischen hat sich die Teilnahme etwa bei einer gut besuchten Messfeier eingependelt.“

Krankensalbung im Schutzanzug
Trotz der digitalen Erfolge waren es die Live-Erlebnisse, die Clemens Grill am meisten geprägt haben. Die erste Salbung einer Covid-kranken Person etwa. Mit voller Schutzausrüstung im LKH Bruck, „als Astronaut“, wie der Pfarrer sagt. Ob er selbst Angst hatte? „Ja“ - Grill zögert. „Ja, ich hatte Angst um meine eigene Gesundheit. Aber Ärzte und Pfleger machen das jeden Tag.“

Segen für das Skandal-Pflegeheim
Die Krankensalbung sei „der ureigenste Dienst der Kirche“, sagt er. „Die Leute waren dankbar.“ Eine andere Erinnerung hat eine ähnliche Tragweite. Als alle Pfarrer in Kapfenberg als Corona-Kontaktpersonen ausfielen, sprang Grill ein. Von der Kirche am Schirmitzbühel hatte er einen guten Blick auf das nunmehrige Skandal-Pflegeheim „Tannenhof“ in St. Lorenzen - das gerade wegen eines Covid-Ausbruchs vom Bundesheer übernommen worden war. „Ich habe es von dort gesegnet und aufgerufen, für die Menschen zu beten.“

Was ist heuer zu Ostern erlaubt?
Prinzipiell sind Messen mit FFP2-Masken und Abstand derzeit möglich. Das kann sich natürlich noch ändern - in Ostösterreich, wo eine Osterruhe gilt, ist man dazu angehalten, die Gottesdienste so kurz wie möglich und wenn geht im Freien abzuhalten.

Ähnlich wird das Osterfest in der Steiermark ablaufen. Viele Messen sind unter freiem Himmel geplant - man darf also auf gutes Wetter hoffen. Auch Fleischweihen finden trotz Corona statt; auf Prozessionen und Fußwaschungen muss aber verzichtet werden. Laut der derzeitigen Verordnung ist auch das Ratschen am Gründonnerstag unter strengen Hygiene-Vorschriften möglich. Wie in allen anderen Lebensbereichen wird man auch zu Ostern gut beraten sein, so wenig Kontakt wie möglich mit anderen Menschen zu haben. Eier suchen und Weihfleisch essen, sollte man also nur mit der engsten Familie.

Breites Angebot an Live-Übertragungen
An religiösem Angebot fehlt es auch in den eigenen vier Wänden nicht: Einen Livestream mit Bischof Wilhelm Krautwaschl gab es ja schon am Palmsonntag, am Mittwoch findet die Ölweihmesse um 17 Uhr statt - das Stift Admont überträgt am Gründonnerstag (ab 18.30 Uhr) die Feier des letzten Abendmahls live. Und am Ostersonntag gibt’s ab 10 Uhr auf der Homepage der Diözese ein breites Live-Angebot. Am Karsamstag überträgt ORF 2 ab 13.10 Uhr live aus dem Klostergarten der Elisabethinen Graz die Osterspeisensegnung mit Bischof Krautwaschl. Am Ostersonntag (10 Uhr) läuft auf ORF 2 der päpstliche Ostersegen „urbi et orbi“ live aus dem Vatikan.

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