03.03.2021 17:00 |

„Krone“-Kommentar

Hat Österreich nun auch einen „Mini-Weinstein“?

Sie erinnern sich sicher an Harvey Weinstein, jenen amerikanischen Filmmogul, der die weltweite „#MeToo“-Debatte ausgelöst hat, weil Frauen auch „freundschaftliche Klapse auf den Po“ als sexuelle Belästigung empfanden. Zu Recht. In Wien tobt nun ein Prozess nach der Entlassung einer Mitarbeiterin in einem Medienunternehmen. Sie wirft dessen Boss eben das vor: sexuelle Belästigung. Ihr Aussehen hätte eine zentrale Rolle gespielt, er hätte sie begrapscht und anzügliche Bemerkungen und Annäherungen gemacht. Aber ER klagt nun SIE auf Widerruf.

Frau Rat gab sich lakonisch
Im Gerichtssaal dürften die Emotionen übergekocht sein, leider auch bei der Richterin. Ja, eine Frau! Frau Rat fragte doch allen Ernstes, warum die Beklagte - also das mögliche Opfer! - nicht gekündigt habe, wenn man doch wisse, wie es in diesem Unternehmen zugehe. Als die geschasste Moderatorin unter Tränen auf ihren beruflichen Traum verwies, und dass sie auch ohne Belästigungen ihren Job machen könne, meinte die Richterin lakonisch: „Ich glaube, Sie träumen von warmen Eislutschern!“

Mit Respekt behandeln
Frau Rat sei dringend empfohlen, Nachrichten anzuschauen. Den Fall des US-Gouverneurs von New York. Nicht nur, dass er sich vor laufenden Kameras entschuldigte. Eine Sprecherin des Weißen Hauses machte eines unmissverständlich klar: „Wenn eine Frau sich sexuell belästigt FÜHLT, von wem auch immer, hat sie mit Respekt behandelt zu werden.“ Dem ist absolut nichts hinzuzufügen.

Gabriela Gödel-Nassauer
Gabriela Gödel-Nassauer
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