07.03.2021 06:00 |

„Kein Ablaufdatum“

„Starmania 21“: Die ewige Arabella Kiesbauer

Omama bei „Starmania“? Arabella Kiesbauer (51) war schon ein richtig großer Star, bevor ihre Kandidaten überhaupt geboren wurden. Über Rassismus, Eheglück, die Zukunft des Fernsehens und ihre eigene.

Was für ein Feuerwerk an Farben: Froschgrünes Glitzerjackett, anders grüne Schlabberhose, Fuchsia-Top und zur Draufgabe noch lachsfarbenes Schuhwerk. „Colour-Shocking statt Colour-Blocking“ oder „Fasching statt Fashion“, posteten sich die einen ihr Missfallen von der Seele, während sich andere zur Beruhigung ihrer geblendeten Sehnerven die Zeiten von Schwarz-Weiß-TV zurückwünschten.

Der Auftakt der „Starmania“-Starsuche geriet zum vollen Erfolg. „Wenn das alles ist, was die Leute gestört hat, dann haben wir eigentlich alles richtig gemacht“, lacht Arabella Kiesbauer, ganz der ausgekochte Show-Profi (gendert man das eigentlich gar nicht?).

„Man ist ja sehr verletzlich da oben im Rampenlicht“
Die bald 52-Jährige moderierte bereits die Premiere des Wettsingens vor fast 20 Jahren noch in Zeiten des Analogfernsehens und ist daher so etwas wie eine alte Häsin. „Ich bin ein bisschen die ,Mama Starmania‘ geworden“, meinte sie in Antritts-Interviews augenzwinkernd. Rechnet man nach, könnte man sie fast schon als „Omama Starmania“ bezeichnen bei Kandidaten im Teenie-Alter. Jetzt wird es ihr aber zu viel: „Begeisterungsfähigkeit und Neugierde haben kein Ablaufdatum. Und als Moderatorin eines so großen Formats braucht es schon auch eine gewisse Portion Ruhe und Lebenserfahrung.“

Die gebe sie auch gern an die Jungen weiter, wenn diese nach dem Aus den Tränen nahe sind: „Dann tröste ich. Man ist ja sehr verletzlich da oben im Rampenlicht. Ich bin auch oft abgewatscht worden bei Misserfolgen.“

Kiesbauer am Cover des „Playboy“
Als Cosima Arabella-Aserba Eblinger, wie sie im zivilen Leben heißt, ihre größten Erfolge feierte, waren die meisten ihrer Kandidaten noch gar nicht auf der Welt: Mitte der 80er wird die Publizistikstudentin durch ihr Mundwerk zufällig beim Kellnern entdeckt. Nach einem lässig lustlos absolvierten Casting holt Barbara Stöckl sie 1987 zur Jugendsendung „X-Large“. Von da an ging es richtig los. Arabella wird zur ganz großen Nummer im deutschen Privat-Fernsehen. Talk-Pionierin mit eigener Show „Arabella“, als noch nicht jeder seinen Namen im Sendungstitel trug, Gast in der legendären Harald Schmidt Show, 1995 am Cover des „Playboy“.

„Es waren die großen Zeiten der Privatsender. Es gab Geld und Erfolg. Dann kamen die Sparwellen, es wurden Praktikanten statt Profis eingestellt, weil die billiger waren. Dadurch kam es wieder zu einem Aufschwung der Öffentlich-Rechtlichen. Ich habe viele Wellen erlebt.“ Nach 15 Jahren in Deutschland moderierte sie ab 2014 für ATV „Bauer sucht Frau“.

So laut, grell und aufgedreht sie im Scheinwerferlicht oft wirkt, so ruhig und reflektiert ist sie privat. Seit 16 Jahren ist sie mit Florens Eblinger (46) verheiratet, einem der bedeutendsten Personalberatungs-Unternehmer im Land. Kennengelernt haben sie einander beim „Plachutta“ in der Wollzeile, als sie an unterschiedlichen Tischen saßen und zu flirten begannen. Der kühle Manager und die temperamentvolle Moderatorin - wie das schon so lange gut geht? „Wir lieben einander und wissen, dass man an einer Beziehung auch arbeiten muss. Daheim bin ich ja nicht die Moderatorin, der alles erledigt wird. Da trage ich schon selbst den Müll runter und erziehe die Kinder, so wie jeder andere auch.“ Schwungvoller Nachsatz: „Da zeigt oft schon eher mein Mann Temperament.“ Die beiden haben zwei Kinder, Nika (13) und Neo (8).

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Ich bin mit starken Frauen aufgewachsen. Deshalb bin ich auch so auf Frauenpower.

Arabella Kiesbauer

Arabella selbst ist bei ihrer Großmutter in Wien aufgewachsen, nachdem ihre Mutter Hannelore nach der Trennung vom Vater, dem ghanaischen Bauingenieur Sammy Amissa, allein erziehend wieder als Schauspielerin in Deutschland tätig war. „Wenn ich von meinen Eltern spreche, meine ich eigentlich immer meine Oma und meine Mama. Ich bin mit starken Frauen aufgewachsen. Deshalb bin ich auch so auf Frauenpower.“ Zu ihrem Vater hatte sie nur sehr wenig Kontakt. Er starb 1999. Ihre 80-jährige Mutter lebt heute in Wien, um Arabella und ihrer Familie nahe zu sein.

Thema Rassismus begleitet sie ein Leben lang
Das Thema Rassismus begleitet die Halbafrikanerin schon ein Leben lang. Im Juni 1995 wurde sie Adressatin einer Briefbombe des berüchtigten Attentäters Franz Fuchs. Ihre Assistentin öffnete damals das mit bunten Blumen-Stickern verzierte Kuvert. Wie durch ein Wunder wurde sie nicht schwerer verletzt. Diese Erfahrung aber bezeichnet Arabella bis heute als Zäsur: „Es war ein richtiger Schock. Meine Unbekümmertheit und mein Urvertrauen waren mit einem Schlag weg.“ 2013 wurde sie als Integrationsbotschafterin der Republik mit dem Goldenen Verdienstzeichen ausgezeichnet. „In meinem Fall habe ich mir über die Jahre vielleicht eine Ausnahmesituation erarbeitet. Aber das heißt nicht, dass es für andere besser geworden ist.“

Nicht schwarz, nicht weiß, schildert sie die andere Seite des Dilemmas: „Als ich auf den Spuren meines Vaters in Ghana war, wurde ich dort von den Einwohnern des Dorfes ,Obruni‘ genannt. Das heißt ,Weiße‘. In ihren Augen war ich weiß! Sie waren auch nicht davon zu überzeugen, dass ich das nicht bin.“

Vorerst aber geht es wieder weiter mit der Star-Suche. Sehen Junge überhaupt noch fern? Sind die nicht längst am Gamen, Streamen und in Social Media? „Nein, überhaupt nicht! Unsere Erfahrungen zeigen, dass TV-Events immer noch funktionieren. Alles andere passiert nebenbei. Es wird über Social Media kommentiert und diskutiert und nebenbei drehen und schneiden die Kinder in unglaublicher Geschwindigkeit selbst ihre Filmchen. Ein Wahnsinn, wie das die Kreativität schult. Es ist nicht alles schlecht, was aus dem Netz kommt. Man muss halt nur sehr drauf schauen. Wir sagen unseren Kindern immer: ,Ihr ladet nichts hoch, das wir nicht ausdrücklich besprochen haben!‘“

Keine Sorgen um Zukunft
Um ihre eigene Zukunft macht sie sich keine Sorgen: „Ich lebe im Hier und Jetzt. Wenn ich einmal kein TV mehr mache, dann mach ich halt etwas anderes.“ Die 51-Jährige führt unzählige To-do-Listen. Tägliche und langfristige. Da wird abgearbeitet und abgehakt. Von den Spanisch- und Englischstunden bis Klavierunterricht, Yoga oder Fitnesstraining. „Ich habe das große Glück, nur noch reduziert zu arbeiten und mir meine Zeit gut einteilen zu können.“

Eine große Reise steht ganz oben auf einer ihrer Listen: „Wenn es wieder möglich ist. Am liebsten nach Asien, nur mit dem Rucksack. Obwohl“, lacht sie: „Nur mit dem Rucksack mag mein Mann nicht so gern.“

Edda Graf
Edda Graf
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