02.03.2021 06:00 |

Aber Millionenverluste

Der neue Wein ist ein „typischer Steirer“

Durchschnittlich ist er nur von der Menge her - die Qualität des neuen Weines aus dem Vorjahr lässt Experten durchaus mit der Zunge schnalzen. 238.500 Hektoliter wurden abgefüllt, der Verkauf startet.

Gestern fiel der Startschuss, der erste Herkunfts-Wein aus dem Vorjahr darf damit verkauft werden. Und zwar mit dem „Gebietswein“, der - nach dem neuen DAC-Herkunftssystem, das 2018 initiiert wurde - als Erster in die Verkaufsregale geht. Zeit für eine Bilanz.

Und die fällt laut Experten richtig gut aus. Die Menge ist mit 238.500 Hektolitern zwar nur die eines Durchschnittsjahres (2019 waren es mit 241.000 doch einige drüber), aber der Geschmack überzeugt.

Was die Fachleute auch den Wetterbedingungen des Vorjahres zuschreiben - die den Weinbauern allerdings oft genug die Sorgenfalten ins Gesicht trieben. Der Niederschlag zum Beispiel - regional gab es dabei teils ein Defizit von zwei Drittel im Vergleich zu den Vorjahren! Die kalten Nächte von Ende März bis Anfang April wiederum bremsten die Blüten in ihrer Entwicklung, der Mai ebenso. Aber irgendwie ging sich alles aus, sodass die Blüte dann im Juni gut durchstarten konnte.

Auch die Ernte rückte wetterbedingt eher nach hinten. Alles in allem wurde der Wein damit aber so, wie man sich einen „echten Steirer“ vorstellt: fruchtig, ausgewogen, harmonisch, mit moderatem Alkoholanteil!

Die steirischen Winzer bewirtschafteten 5070 Hektar und halten damit zehn Prozent der österreichischen Fläche. Wer online bestellen möchte hier einer der Links: www.steiermark.wine

Der Weinexperte im Interview

Aber die Weinbauern haben auch viele Probleme, wie Gerhard Wohlmuth, Vorsitzender der österreichischen Weingesellschaft, im Interview schildert.

Der 2020er-Wein: Ihre persönliche Bilanz dazu?

Ein von der Qualität her hervorragender Jahrgang. Mit weniger Ernte - was allerdings diesmal nicht die Katastrophe ist. Leider sitzen viele Weinbauern auf vollen Lagern - und die nächste Ernte ist ja schon in acht Monaten.

Kann man die Größenordnung der Verluste für die steirische Weinwirtschaft angeben?

Die gehen in die Millionen. Produzenten, die hauptsächlich die Gastronomie beliefern, haben Rückgänge von bis zu 90 Prozent. Auch die Buschenschanken, und das ist kein zu unterschätzender Faktor, haben vielfach ein extremes Minus. Der Lebensmittelhandel hat uns allerdings sehr unterstützt, wofür wir dankbar sind.

Hat der Online-Verkauf dafür nicht geboomt?

Hat er, aber auffangen konnte er das alles natürlich nicht.

Wie ist es mit Exporten?

Nachdem die Gastronomie ja in fast ganz Europa zu oder eingeschränkt ist, ist auch der Export zum Erliegen gekommen. Russland hat gekauft, die USA, aber kompensiert wurden die Entgänge dadurch nicht.

Gab es kreative Ideen, um den Wein an den Kenner zu bringen?

Durchaus, etwa durch internationale Onlineverkostungen. Aber wie schon vorher gesagt: Nicht einmal die Summe aller Maßnahmen hat einen echten Gegenpol zu den entgangenen Eingängen geschaffen.

Förderungen wurden aber an Weinbauern ausbezahlt.

In überschaubarem Maß.

Wie geht es weiter?

Wir brauchen und fordern unbedingt die Öffnung der Gastronomie - egal, unter welchen Auflagen.

Mussten steirische Weinbauern aufgeben?

Bislang nicht, aber es gibt Betriebe, die sich weitere Eigentümer ins Boot geholt haben. Es ging offenbar nicht anders weiter.

Christa Bluemel
Christa Bluemel
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