02.02.2021 13:26 |

Alkohol, Tabak, Drogen

So veränderte die Krise das Suchtverhalten im Land

Der erste harte Lockdown in Österreich ist wohl für sehr viele Menschen ein überaus einschneidendes Erlebnis gewesen - zu Hause bleiben, persönliche Kontakte auf ein Minimum reduzieren, auf eigentlich Selbstverständliches verzichten. Wie gingen die Österreicher damit um - etwa mit vermehrtem Alkohol-, Tabak- und Drogenkonsum? Kaum, wie eine Studie und der Drogenbericht für das Vorjahr zeigt, Frauen waren jedoch bezüglich verwendeter Substanzen mehr gefährdet als Männer.

In puncto Alkohol änderte sich das Konsumverhalten während des ersten Lockdowns nicht. Etwa 85 Prozent der Befragten hatten im Jahr vor der Corona-Krise Alkohol getrunken. Von diesen Personen hat wiederum die große Mehrheit ihr Konsumverhalten infolge der Krise nicht verändert (71 Prozent), ergab die Umfrage. Was den Tabakkonsum betrifft, so berichteten 15 Prozent im Lockdown weniger geraucht, 17 Prozent mehr geraucht zu haben. Auffällig ist jedoch, dass „ein Fünftel der rauchenden Frauen seit Corona ihren Zigarettenkonsum steigerten (21 Prozent). Bei den Männern beträgt der Anteil nur 14 Prozent“, stellten die Fachleute fest.

Und Cannabis? Zwei Drittel der Konsumenten erklärte, dass die Krise keinen Einfluss auf den Konsum hatte. 20 Prozent der Übrigen jedoch haben den Konsum seither sogar reduziert, 14 Prozent rauchen mehr. Zu rezeptpflichtigen Schlaf- oder Beruhigungsmitteln hatten vor der Krise neun Prozent der Befragten gegriffen - seit dem ersten Lockdown nahmen allerdings Frauen doppelt so häufig wie Männer derartige Medikamente ein.

Weniger Glücksspiel, mehr Gaming
Positiv wirkte sich der Lockdown auf Menschen mit Hang zu Glücksspielen und Sportwetten aus. Hatten 48 Prozent im Jahr vor der Krise gespielt, berichteten seit dem Beginn der Krise 54 Prozent davon, weniger Zeit darauf zu verwenden. Anders bei Computerspielen: Hatten sich 2019 63 Prozent der Befragten vor den PC gesetzt, haben 32 Prozent ihre Zeit vor dem Computer seit dem ersten Lockdown weiter erhöht.

Frauen erhöhten Suchmittelkonsum, Männer reduzierten
Es zeigt sich laut Umfrage, an der insgesamt 6000 Menschen teilnahmen, jedoch, dass gerade Frauen vermehrt zu Alkohol, Tabak und vor allem bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln griffen und im Vergleich zu Männern mehr gefährdet waren. Letztere reduzierten sogar häufiger den Konsum diverser Suchtmittel.

Generell veränderte sich auch laut dem nun ebenfalls veröffentlichten Suchtbericht für das Vorjahr im Vergleich zu 2019 im Hinblick auf den Konsum von Drogen nichts wesentlich. Zwar stieg die Zahl der Drogentoten (Überdosierungen) 2019 auf 196 an (2018: 184; 2017: 154), das ist aber laut den Autoren vor allem auf Todesfälle unter bereits viele Jahre Suchtkranken im höheren Alter zurückzuführen. Immer weniger jüngere Menschen wachsen in diese Risikogruppe hinein.

Immer noch viele Raucher in Österreich
Schlecht sieht es jedoch nach wie vor in Sachen Tabakkonsum aus. „Im europäischen Vergleich (EHIS 2014) liegt Österreich bei den täglich Rauchenden (über 15 Jahre; Anm.) mit einem Wert von 24 Prozent über dem EU-28-Durchschnitt von 19 Prozent im oberen Viertel. Der EU-28-Durchschnitt bei Rauchenden gesamt (täglich und gelegentlich) liegt bei 24 Prozent (in Österreich bei 30 Prozent)“, heißt es in dem Report.

Und auch beim Griff zum Hochprozentigen gab es wenig Änderung. Der Bericht zeigte jedoch auf, dass weiterhin „jeder Siebente (19 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen) einen gesundheitsgefährdeten Konsum“ aus der Flasche betreibt.

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